{"id":10,"date":"2020-07-02T19:58:17","date_gmt":"2020-07-02T19:58:17","guid":{"rendered":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/?page_id=10"},"modified":"2024-11-18T08:44:44","modified_gmt":"2024-11-18T08:44:44","slug":"das-projekt","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/das-projekt","title":{"rendered":"About the Project"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Decolonize Weimar!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><em>Decolonize Weimar<\/em> ist ein Projekt von Studierenden der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar, vor allem der Studieng\u00e4nge Medienwissenschaft und Medienkunst, und Teilnehmenden des <a href=\"https:\/\/ejbweimar.de\/mfj\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/ejbweimar.de\/mfj\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Programms Migrant*innen als Fachkr\u00e4fte der Bildungsarbeit<\/a> der Europ\u00e4ischen Jugendbildungs- und Begegnungsst\u00e4tte Weimar. Damit schlie\u00dfen wir uns zahlreichen Initiativen f\u00fcr postkoloniales Erinnern an, die in verschiedenen St\u00e4dten wie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/berlin-postkolonial.de\/\" target=\"_blank\">Berlin<\/a>, <a href=\"https:\/\/decolonizeerfurt.wordpress.com\/ueber-uns\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Erfurt<\/a> oder <a href=\"https:\/\/jenapostkolonial.noblogs.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jena<\/a><a name=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> losgetreten wurden und in denen durch Graswurzelinitiativen lokale Stadtgeschichten neu erz\u00e4hlt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In einigen St\u00e4dten hat dies zu einer breiten Debatte \u00fcber Erinnern im Stadtraum gef\u00fchrt. In anderen St\u00e4dten sind neue Erinnerungsorte entstanden. Auch in Weimar, einer Stadt mit so vielen Schichten der Erinnerung, sind l\u00e4ngst nicht alle Geschichten erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit <a href=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/\">einem Stadtplan<\/a> und <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/termine\">einem Stadtrundgang<\/a> sollen die kolonialen Orte Weimars vorgestellt und diskutiert werden. Dadurch soll eine Debatte dar\u00fcber erm\u00f6glicht werden, wie man die Kolonialgeschichte erforschen, vermitteln und kritisch erinnern kann. Es soll deutlich werden, dass Kolonialismus in Deutschland und durch Deutschland als Staat aber auch durch Akteure wie Forscher*innen oder H\u00e4ndler*innen stattfand. Er hatte vor den 1880er Jahren massive Auswirkungen und zeitigt diese noch heute \u2013 mit dem Motto decolonize steht die These im Raum, dass Praktiken, Denkweisen und Folgen des Kolonialismus keiner abgeschlossenen Zeit angeh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Stadtrundgang will erinnern und er will Zusammenh\u00e4nge zwischen Orten wie Reiterdenkm\u00e4lern, Kaffeel\u00e4den und dem Bauhaus aufzeigen. Es sind Orte, an denen auch heute noch Kolonialakteuren gedacht wird \u2013 und sei es nur, weil ihre B\u00fcsten an H\u00e4userw\u00e4nden instand gehalten werden wie am <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/herderplatz-3\">Herderplatz 3<\/a>. Es sind auch Orte, an denen Erinnerung fehlt, z.&nbsp;B. an jene, die sich Kolonialismus und Rassismus entgegengestellt haben. Erinnern hat etwas damit zu tun, wie sich eine Stadt und die Wahrnehmung dieser ver\u00e4ndert. Wenn ich Orte wie&nbsp; Weimar als Orte der Kolonialgeschichte sehe, dann ver\u00e4ndert sich auch mein Bild von diesem Ort. Wenn ich Orte anders wahrnehme, verorte auch ich mich anders in einer Stadt. Viele Orte kommunizieren bewusst und\/oder strukturell Ausschl\u00fcsse. Nicht alle Menschen k\u00f6nnen sich in Weimar frei und unbescholten bewegen. Eine Stadt ist eine komplexe Regulation von Zug\u00e4ngen und Ausschl\u00fcssen. Viele <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/major-noise-minor-voice\">internationale Studierende etwa berichten von Anfeindungen<\/a>, von rassistischen Beleidigungen und von der Anh\u00e4ufung von Mikroagressionen in ihrem Alltag. Auch dieser heutige, vielleicht wieder offener gezeigte und vor allem mobilisierte Rassismus, hat etwas mit Kolonialgeschichte zu tun. Wenn Rassismus sich heute vielleicht anders zeigt, andere Begriffe mobilisiert und kulturelle Kategorien bem\u00fcht, so wirkt sein Konstrukt einer anderen auf k\u00f6rperlichen Merkmalen beruhenden Unterlegenheit, der sogenannten \u201eRasse\u201c, auch heute noch fort. Dies ist und war auch historisch wichtigster Legitimationsgrund der kolonialistischen (Denk-)Strukturen sowie der dadurch erm\u00f6glichten Verbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Stadt ist aber auch sedimentierte Erinnerung. Diese Erinnerung ist ver\u00e4nderlich und kann bisher wenig beachtete Themen integrieren. Erinnern hat auch etwas damit zu tun, wie wir R\u00e4ume erfahren und unter welchen Voraussetzungen sich Stadt und damit unsere unmittelbare Umgebung geformt haben. An wen wird mit Stra\u00dfennamen erinnert und an wen nicht? Warum wird noch heute einem selbsternannten Afrikaforscher gedacht, der durch seine Erkundungen konkret Kolonialinfrastruktur erm\u00f6glicht hat wie Gerhard Rohlfs?<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist uns, dass eine andere Geschichte Weimars zum Vorschein kommt, eine, die auch heutige rassistische und nationalistische Strukturen historisch verortet. Erinnern wollen wir an die deutsche Beteiligung weltweiter Kolonialunternehmungen in unterschiedlichen Graden, auf spezifische Weise und mit unterschiedlichen Folgen. Wir wollen auch an diejenigen erinnern, denen durch das deutsche Einflussstreben und koloniale&nbsp; Sendungsbewusstsein gro\u00dfes Unrecht geschehen ist. Dieses Unrecht ist heute vielleicht erstmals in einer gr\u00f6\u00dferen auch au\u00dferakademischen Debatte pr\u00e4sent, l\u00e4ngst aber noch nicht umfassend, vollst\u00e4ndig und in seinen Schattierungen erforscht \u2013 und vor allem ist es nicht von offizieller Seite anerkannt. Hier hat Erinnerungskultur materielle Folgen, denn damit sind auch Anspr\u00fcche auf Entsch\u00e4digung seitens der Regierung verbunden, die aktuell gerichtlich ausgehandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht alle kolonialen Strukturen einer Stadt wie Weimar stehen in einem direkten Verh\u00e4ltnis zu Sklaverei, Ausbeutung und Genozid, wie sie beispielsweise bei jenem V\u00f6lkermord an Herero und Nama im heutigen Namibia 1904-1908 zu sehen waren, von dem die <em><a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/die-weimarische-zeitung\">Weimarer Zeitung<\/a><\/em> 1904 euphemisierend als Aufstand spricht. Das macht sie aber nicht weniger bedeutsam oder wirkungsvoll f\u00fcr das koloniale Wirken. Um so wichtiger ist es, ein Netzwerk zu rekonstruieren, welches sich nicht nur vor\u00fcbergehend und marginal, sondern strukturell, in das Denken, F\u00fchlen, Wahrnehmen und Handeln der damaligen Weimarer und deutschen Bev\u00f6lkerung eingenistet hat. Denn nur durch diese breiten Strukturen, die Akzeptanz und die Re\/Produktion von Weltbildern und Identit\u00e4ten der \u00dcberlegenheit, die durch <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/kolonialfilm-in-weimar\">Filme<\/a>, Zeitungen, Diskurse, Werbung, Waren und nicht zuletzt den Stadtraum produziert wurden, war es letztlich m\u00f6glich, in andere R\u00e4ume, \u00d6konomien und Sozialverb\u00e4nde einzugreifen, Kulturen zu zerst\u00f6ren und Menschen zu nichtentlohnter Arbeit zu zwingen. Diese lokal kultivierten Auswirkungen sind heute global zu sp\u00fcren. Nicht nur an Orten wie dem heutigen Namibia und Togo, auch Weimarer B\u00fcrger*innen und das Weimarer F\u00fcrstenhaus haben auf eine Weise lokal gehandelt, die Auswirkungen auf Menschen in den sogenannten Schutzgebieten, aber auch auf jene hatte, die nach Weimar gebracht wurden. Von ihren Geschichten erz\u00e4hlt <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/gerhard-rohlfs\">Isabell Schwaderers Beitrag<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt versteht sich nicht einfach als eine historische Vervollst\u00e4ndigung einer geschichtstr\u00e4chtigen Stadt. Es will in die Erinnerungskultur und damit in die Bez\u00fcge der hiesigen und besuchenden Menschen zu dem historischen, kulturellen und sozialen Ort aktiv intervenieren. Denn Weimar wird und wurde sehr h\u00e4ufig f\u00fcr das deutsche Identit\u00e4tsverst\u00e4ndnis gebraucht und auch missbraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Weimarer Kolonialgeschichte hat verschiedene Hochphasen. Wir konzentrieren uns sehr grob ausgedr\u00fcckt auf drei dieser Phasen und deren heutige Auswirkungen, die nat\u00fcrlich nicht ersch\u00f6pfend sind. Gerade in Bezug auf heutige Erfahrungen m\u00f6chten wir gerne weitere aktuelle Stimmen h\u00f6ren und publizieren, die ihre m\u00f6glichst vielf\u00e4ltigen Erfahrungen in Weimar teilen \u2013 also kontaktieren Sie uns und arbeiten Sie bei unserem Projekt mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine erste, hier mit zwei Beitr\u00e4gen vertretene, ist eine fr\u00fche, durch die F\u00fcrstenfamilie gest\u00fctzte Kolonialbegeisterung und eine sp\u00e4tere, vom NS inspirierte Kolonialbewegung, wozu auch die Kolonialvereine und der Kolonialbrunnen mit seiner festlichen Einweihung z\u00e4hlten. Auch in der Weimarer Republik gibt es ein starkes revisionistisches Kolonialstreben. Der Historiker Winfried Speitkamp macht darauf aufmerksam, dass die meisten Denkm\u00e4ler erst nach dem Verlust der Kolonien entstanden und ein st\u00e4ndiges Mahnmal der R\u00fcckeroberung sind.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> So auch der <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/kolonialgedenkbrunnen\">Weimarer Kolonialbrunnen<\/a>. Im Nationalsozialismus wurde auf Strukturen der Kolonialbewegung in Weimar zur\u00fcckgegriffen, wie die <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/kolonialheim-prellerstrasse-1\">Beitr\u00e4ge zum Kolonialheim in der Prellerstra\u00dfe 1<\/a> und Kolonialbrunnen, zeigen. Koloniale Gewaltpraktiken waren trotz aller Differenzen und strukturellen Unterschiede auf einer Ebene des revisionistischen, rassistischen und antisemitischen Gedankengutes hochanschlussf\u00e4hig an den Nationalsozialismus, wie J\u00fcrgen Zimmerer argumentiert.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und gerade in Weimar kann man verfolgen, wie an diese Strukturen angekn\u00fcpft wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Kolonialgeschichte beginnt nicht mit der sogenannten Afrikakonferenz 1884\/85 und vor allem endet sie nicht mit dem Ende der Kolonien. Sie beginnt schon vorher, z.&nbsp;B. mit Handelsnetzwerken der Fugger und Walser (siehe <a href=\"https:\/\/decolonizeerfurt.wordpress.com\/\">Decolonize Erfurt<\/a>) und sie setzt sich in eine Geschichte rassistischen Denkens und der globalen Abh\u00e4ngigkeiten fort. Viele Denker*innen wie Gayatri Chakravorty Spivak, Achille Mbembe und Walter Mignolo haben darauf aufmerksam gemacht, welche kolonialen Strukturen auch heute noch gesellschaftlich fortwirken. Dekolonisierung ist eine Aufgabe, die sich auf alle m\u00f6glichen Lebensbereiche von der Wissensproduktion und ihrer Vermittlung \u00fcber Geschichtsschreibung und Erinnerung bis zu Subjektivierung verl\u00e4uft, die mit all diesen Bereichen verbunden ist. Es \u201eist f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Kolonialismus zentral, wie er sich kulturell manifestierte, welche Stereotype und Narrative koloniale Herrschaft stabilisierten und welche psychischen und affektiven Bedingungen die kolonialen Beziehungen strukturierten\u201c<a name=\"_ftnref5\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wie breit gef\u00e4chert koloniale Institutionen, Orte und Akteure zusammenspielen, das wollen wir hier vor allem aus einer medienkulturwissenschaftlichen Sicht deutlich machen. Daher geht es uns nicht nur um menschliche Akteure (auch wenn deren Geschichten wertvolle Aufschl\u00fcsse \u00fcber Strukturen liefern), sondern um Medien wie Zeitung, Film, Gedenktafeln, Stra\u00dfennamen. Es geht um Orte der Sozialit\u00e4t wie den Victoriagarten, das ehemalige Kolonialheim in der Prellerstra\u00dfe 1. Es geht um unbewusst oder bewusst gepflegten und einen nie infragegestellten Kult um den Pr\u00e4sidenten der burischen Republiken Paul Kruger am Herderplatz und um die <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/die-vergangenheit-praesent-machen\">Aktivit\u00e4ten des Unternehmers<\/a> und <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/colonial-imagination\">Verlegers Friedrich Bertuch<\/a>, vor allem des geographischen Instituts die von diesem publizierten Ephemeriden, die zu einem wichtigen Stichwortgeber europ\u00e4ischer Kolonialdebatten werden. Es geht aber auch um koloniale Waren, die unser allt\u00e4gliches Leben bis heute bestimmen und bis heute globale Ausbeutungsstrukturen aufrechterhalten, die in <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/decolonize-weimar-der-kolonialwarenladen\">Kolonialismus und Sklaverei verwurzelt sind<\/a>. Wir haben somit ein breites Verst\u00e4ndnis von Kolonialismus \u2013 und von den Kulturtechniken, den Medien, die ihn erm\u00f6glichten, seine Widerspr\u00fcche verhandeln und seine gedanklichen Strukturen auch heute noch unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss an die weite Interpretation von Kolonialismus u.&nbsp;a. als strukturell weitreichendes, epistemisches und sozioaffektives System, werden auch diverse erweiterte Medien des Kolonialismus sichtbar. Zahlreiche der kolonialen Techniken sollen sichtbar gemacht werden, um auch den Charakter der Herrschaft zu verstehen, der eben auch Subjektpositionen in den sogenannten \u201eMutterl\u00e4ndern\u201c hervorbrachte, die das Projekt andernorts strategisch, politisch und ideologisch unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wurden z.&nbsp;B. die Kategorien von Mutterland und Kolonie, selbst und anderem hervorgebracht und stabilisiert? Dazu waren zahlreiche Institutionen diesseits und jenseits der \u00d6konomie und Politik notwendig. Deshalb wirken diese Positionen und Subjektentw\u00fcrfe bzw. die Techniken diese herzustellen auch bis heute nach. Zum Beispiel existiert die Vorstellung, Kolonialismus h\u00e4tte nur in den Kolonien selbst stattgefunden.<a name=\"_ftnref6\" href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> Nur wenn man auch versteht, wie Weimar von einer Kolonialbegeisterung erfasst wurde, wie Akteure und Institutionen in und um Weimar wie <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/carl-alexander\">Carl Alexander zu Sachsen-Weimar<\/a> die Kolonialbewegung mit Wort, Idee, Geld und Tat unterst\u00fctzt haben, wie Weimar ein Begegnungsort von Afrikaforschern wie Rohlfs, dem durch eine Erinnerungstafel in der <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/gerhard-rohlfs\">Belvederer Allee 19<\/a> gedacht wird und Kolonialverbrechern wie Carl Peters wurde, kann man auch heute andere Zug\u00e4nge zur Geschichte \u00f6ffnen.<a name=\"_ftnref7\" href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> Das hei\u00dft auch dem zu begegnen was in den letzten Jahren zunehmend als deutsche Kolonialamnesie benannt wurde. Begr\u00fcndet wird diese durch die Erz\u00e4hlung, Deutschland h\u00e4tte nur relativ kurz Kolonien besessen. Dabei waren die deutschen Schutzgebiete 1914 fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig die drittgr\u00f6\u00dften der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dies ist besonders in einer Stadt wichtig, die Peter Merseburger als eine der Hauptst\u00e4dte deutschen Kolonialismus um die Jahrhundertwende beschreibt.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Zahlreiche lokale Forschungen \u00fcber Weimar stammen von Alf R\u00f6\u00dfler, auf die wir im Einzelnen zur\u00fcckgreifen konnten, die diesen Fakt st\u00fctzen und Weimar als umfassendes Netzwerk von Kolonialeuphorie sichtbar machen.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Um unsere Darstellungen des Weimarer Kolonialstrebens um eine zeitgen\u00f6ssische kritische Perspektive zu erg\u00e4nzen, haben wir <a href=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/willi-muenzenberg\">Willi M\u00fcnzenberg<\/a>, einen lokalen Erfurter Kritiker des Kolonialismus einbezogen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Stadtrundgang soll nicht nur einzelne Stationen und Orte sichtbar machen, sondern auch Strukturen verdeutlichen. Orte sind wichtig, um zu gedenken bzw. zu erinnern. Der Kolonialismus l\u00e4sst sich jedoch nicht nur anhand von zehn Orten erz\u00e4hlen. Die von uns gew\u00e4hlten Orte sind daher eine erste Auswahl, die die Spannbreite kolonialen Wirkens von Gastst\u00e4tten \u00fcber Kinos zum Stadtschloss sichtbar machen. Unser Stadtrundgang kann keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erheben \u2013 weder von den Orten noch von den Perspektiven derer her, die ihn machen. Deshalb laden wir alle interessierten Menschen ein, einen Beitrag zu leisten und einen Ort beizusteuern oder zu vervollst\u00e4ndigen. Dieses Projekt ist bewusst offen gehalten und soll wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeiten aus dem Seminar <em>Decolonize Weimar!<\/em> enthalten einen Stadtplan, Texte und Podcasts. Vor allem aber wollen wir mit Ihnen und euch ins Gespr\u00e4ch kommen und bieten Stadtrundg\u00e4nge an, in den wir genauere Informationen liefern und auf Nachfragen eingehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Treten sie in <a href=\"mailto:info@decolonize-weimar.org\" data-type=\"mailto\" data-id=\"mailto:info@decolonize-weimar.org\">Kontakt<\/a> mit uns und vereinbaren sie einen Termin f\u00fcr Gruppen und Schulklassen, Seminare und Arbeitsgemeinschaften.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Endnotes<\/h2>\n\n\n\n<p><a name=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/berlin-postkolonial.de\/\">http:\/\/berlin-postkolonial.de\/<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.kulturstiftung-des-bundes.de\/de\/projekte\/erbe_und_vermittlung\/detail\/initiative_fuer_postkoloniales_erinnern_in_der_stadt.html\">Kulturstiftung des Bundes<\/a>, sowie das Projekt der Initiative Schwarzer Menschen In Deutschland e.V. zusammen mit dem Peng Kollektiv: <a href=\"https:\/\/www.tearthisdown.com\/de\/\">Tear this down<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ulrich van der Heden: \u201eDie geographische Entdeckung Afrikas und der deutsche Kolonialismus\u201c. In: ders. und Joachim Zeller (Hrsg.): <em>Kolonialismus hierzulande. Eine Spurensuche in Weimar<\/em>. Erfurt: Sutton Verlag, 95-103, hier, S. 102.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Winfried Speitkamp: \u201eKolonialdenkm\u00e4ler\u201c. In: J\u00fcrgen Zimmerer (Hrsg.): <em>Kein Platz an der Sonne. Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte<\/em>. Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung: Bonn 2013, S. 409-423.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Zimmerer diskutiert sehr differenziert, inwiefern eine direkte Kausalit\u00e4t genauso problematisch ist wie die Ignoranz dessen, dass der Nationalsozialismus strukturell und gedanklich an das koloniale Projekt anschlie\u00dfen konnte. J\u00fcrgen Zimmerer: <em>Von Windhuk nach Auschwitz? Beitr\u00e4ge zum Verh\u00e4ltnis von Kolonialismus und Holocaust.<\/em> Berlin: Lit 2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ulrike Schaper: \u201eDeutsche Kolonialgeschichte postkolonial schreiben \u2013 was hei\u00dft das?\u201c In: Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung vom 27.9.2019: <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/297593\/deutsche-kolonialgeschichte-postkolonial-schreiben-was-heisst-das?p=2\">https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/297593\/deutsche-kolonialgeschichte-postkolonial-schreiben-was-heisst-das?p=2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Ulrich von der Heyden und Joachim Zeller (Hrsg.): <em>Kolonialismus hierzuladen. Eine Spurensuche in Deutschland.<\/em> Erfurt: Sutton Verlag 2007.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. dazu Alf R\u00f6ssner, der die Begegnungen von Kolonialakteuren am F\u00fcrstenhof nachzeichnet: Alf R\u00f6ssner: \u201e\u2018Kulturtr\u00e4ger\u2018 im \u201aschwarzen Erdteil\u2018. Weimars kolonialer Anspruch unter Carl Alexander und Wilhelm Ernst\u201c. In: <em>Ilm Kakanien, Weimar am Vorabend des Ersten Weltkrieges<\/em>, hrsg. v.&nbsp; Franziska Bomski, Hellmut Th. Seemann und Thorsten Walk, G\u00f6ttingen Wallstein Verlag 2014, S. 197-212; \u201eDas koloniale Weimar, in: <em>Kolonialismus hierzulande<\/em>, hrsg. V. Ulrich von der Heyden und Joachim Zeller, Sutton Verlag: Erfurt 2007, S. 27-33.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Peter Merseburger: \u201eDeutschlands heimliche Kolonialhauptstadt. Carl Alexanders Wandlung vom Liberalen zum Nationalkonservativen\u201c. In: Ders.: Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht. Pantheon 2013, S. 215-242.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Verweise in Fu\u00dfnote 5.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Decolonize Weimar! Decolonize Weimar ist ein Projekt von Studierenden der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar, vor allem der Studieng\u00e4nge Medienwissenschaft und Medienkunst, und Teilnehmenden des Programms Migrant*innen als Fachkr\u00e4fte der Bildungsarbeit der Europ\u00e4ischen Jugendbildungs- und Begegnungsst\u00e4tte Weimar. Damit schlie\u00dfen wir uns zahlreichen Initiativen f\u00fcr postkoloniales Erinnern an, die in verschiedenen St\u00e4dten wie Berlin, Erfurt oder Jena[1] losgetreten wurden&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-10","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":782,"href":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10\/revisions\/782"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}