{"id":139,"date":"2020-07-16T23:36:09","date_gmt":"2020-07-16T23:36:09","guid":{"rendered":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/?page_id=139"},"modified":"2020-12-11T12:06:47","modified_gmt":"2020-12-11T12:06:47","slug":"die-vergangenheit-praesent-machen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/karte\/die-vergangenheit-praesent-machen","title":{"rendered":"Making the past present"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Wie umgehen mit dem kolonialen Erbe im Stadtmuseum Weimar?<\/em><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"has-text-align-right wp-block-heading\">Sonja Wendelken<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"602\" height=\"602\" src=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/map-stadtmuseum-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-232\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/map-stadtmuseum-1.jpg 602w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/map-stadtmuseum-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/map-stadtmuseum-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Weimar gilt noch immer als deutsche Klassik- und Kulturstadt und pr\u00e4sentiert sich als zentraler Ort der nationalen Identit\u00e4tsschreibung. Stra\u00dfennamen und Denkm\u00e4ler erinnern an Kolonialherren und ihre F\u00f6rderer. Wer in Weimar lebt ist diesem kolonialen Erbe unwillk\u00fcrlich ausgesetzt und tr\u00e4gt dessen Spuren, ob bewusst oder unbewusst, weiter. \u201edecolonize Weimar\u201c m\u00f6chte also nicht nur der bisherigen Geschichtsbeschreibung ein weiteres Kapitel hinzuf\u00fcgen, sondern das Bild des \u00bbklassischen\u00ab Weimars von Grund auf hinterfragen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/stadtmuseum-01-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-180\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/stadtmuseum-01-768x1024.jpg 768w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/stadtmuseum-01-225x300.jpg 225w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/stadtmuseum-01.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Das Stadtmuseum heute.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>In diesem Zusammenhang geh\u00f6rt der kritische Blick, wie Geschichte erz\u00e4hlt, weitergegeben und an sie erinnert wird, zur gegenw\u00e4rtigen Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus. Das Stadtmuseum Weimar stellt hier einen wichtigen gesellschaftlichen Akteur dar, der das kollektive Ged\u00e4chtnis Weimars pr\u00e4gt. Ich werde untersuchen, wie sich das koloniale Erbe im Stadtmuseum fortschreibt und wie mit dem Thema Kolonialismus in Zukunft umgegangen werden kann. Die Reflexion mit der musealen Arbeit soll hierbei im Vordergrund stehen, um die Spuren des Kolonialismus in der heimischen Gegenwart in Zukunft sichtbar zu machen. Zentral sind hierbei die Forderung nach der praktischen und erkenntnistheoretischen \u00d6ffnung des Museumsraums, sowie der Aufruf nach kultureller Teilhabe und Multiperspektivit\u00e4t.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kurze Begriffskl\u00e4rung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Was bedeutet eigentlich \u00bbkoloniales Erbe\u00ab? Und was ist \u00bbDekolonisation\u00ab? Die Kunsthistorikerin Anna Greve hat sich intensiv mit dem kolonialen Erbe in der Museumarbeit auseinandergesetzt und folgende Definition vorgelegt, mit der ich im weiteren Verlauf arbeiten werde:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>[Mit dem \u2018kolonialen Erbe\u2018] werden materielle Zeugnisse, Traditionen und Gedankenmuster gleicherma\u00dfen bezeichnet, die auf die Zeit des Kolonialismus zur\u00fcckgehen und bis in die heutigen Gesellschaften sowohl ehemals kolonialisierter L\u00e4nder als auch ehemaliger Kolonialm\u00e4chte fortwirken. Ihre Geschichten sind durch eine strukturelle Machtasymmetrie gepr\u00e4gt und miteinander verflochten (\u201aentangled history\u2018).<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Aufarbeitung des kolonialen Erbes bezieht sich nicht nur auf materielle Zeugnisse, sondern auch auf Gedankenmuster und Traditionen, die auf die Zeit des Kolonialismus zur\u00fcckgehen und bis in die Gegenwart fortwirken. Daher m\u00fcssen auch asymmetrische Machtstrukturen neu ausgerichtet werden.<a name=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDekolonisation\u00ab, meist als Prozess der Unabh\u00e4ngigkeits- und\/oder Souver\u00e4nit\u00e4tsgewinnung ehemaliger kolonialisierter L\u00e4nder aufgefasst, soll hier einerseits die kritische Auseinandersetzung mit den Handlungen und ideologischen Motiven kolonialisierender Akteure bedeuten, andererseits aber auch vorhandene Wissensordnungen und gel\u00e4ufige \u00c4sthetik- und Raumvorstellungen hinterfragen. <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum ausgerechnet Weimar?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wer in Weimar lebt oder die Stadt besucht, befindet sich an einem Ort, der massiv am deutschen Kolonialismus beteiligt war. Sp\u00e4testens seit dem 18. Jahrhundert trugen Handel, Missionierung und Forschung den europ\u00e4ischen Kolonialismusgedanken in die Welt hinaus. Europa expandierte, aber gedanklich grenzte es sich von fernen L\u00e4ndern ab. In Weimar gedruckte geografische Karten unterteilten die Welt nach \u00bbwestlichen\u00ab Kategorien und n\u00fctzlichen Merkmalen. Entlegene L\u00e4nder wurden so bspw. nach ihren Rohstoffen eingeteilt und gekennzeichnet. Aber auch Reisebeschreibungen schilderten ihren Leser_innen die Welt aus einer \u00bbwestlichen\u00ab, \u00bbeurozentrischen\u00ab Sicht. Mit der Industrialisierung wurde die Kolonialisierung global noch einmal beschleunigt. \u00dcberbev\u00f6lkerung, eine hohe Nachfrage an Rohstoffen und Bestrebungen, das nationale Ansehen zu steigern, waren einige Gr\u00fcnde des Kolonialismus im 19. und 20. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zeit des Hochimperialismus, an der Wende vom 19. zum 20. Jhd., befand sich in Weimar mit Gro\u00dfherzog Carl Alexander ein starker Bef\u00fcrworter und F\u00f6rderer des modernen Kolonialismus. Neben seiner finanziellen und politischen Unterst\u00fctzung setzte er auch ideologisch die Grundlage f\u00fcr eine angebliche \u00dcberlegenheit der deutschen nationalen Kultur. In Weimar sollte das \u201eWahre und Sch\u00f6ne\u201c bewahrt und gepflegt werden. Kunst, Theater und Musik hatten nach Carl Alexander diesen traditionellen Werten zu folgen. Weimar bekam in diesem Zuge seinen Ruf als Klassik- und Kulturstadt. Mit der Reichseinigung wurde auch in Weimar ein starkes Nationalbewusstsein gef\u00f6rdert. Das galt auch f\u00fcr die \u00bbWeimarische Zeitung\u00ab, die das damalige Weltbild des Gro\u00dfherzogs reproduzierte und die kolonialen Rechtfertigungsdoktrinen in den \u00f6ffentlichen Raum hob. Mit ihren Berichterstattungen aus den \u00bbSchutzgebieten\u00ab wurde die Zeitung fast zu einem Kolonialblatt.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens nach Kriegsende musste Deutschland seine Kolonien Deutsch-S\u00fcdwestafrika (Namibia) Westafrika (Togo, Kamerun) Deutsch-Ostafrika (Tansania, Burundi, Ruanda), Deutsch-Neuguinea (Teil Papa-Neuguineas), sowie die pazifischen Inseln Nauru, die Marshall-Inseln, Samoa, Karolinen, Palau, Mariannen und das Gebiet von Kiautschou (heute wieder Teil von China) \u00bbabtreten\u00ab. Das \u00fcbersteigerte Nationalbewusstsein \u00fcberdauerte jedoch den Ersten Weltkrieg. Das ehemals dritt-gr\u00f6\u00dfte europ\u00e4ische Kolonialimperium stand ohne Kolonien dar? Eine Kr\u00e4nkung! Diesem \u00bbVerlust\u00ab und Unrechtsempfinden sollten Kolonialdenkm\u00e4ler Ausdruck verleihen. Auch das ehemalige Kolonialdenkmal in Weimar am August-Bebel-Platz sollte helfen, die einstmalige Kolonialmacht Deutschland in Erinnerung zu behalten. Die ideologische Grundlage, dass Deutschland Anspruch auf Kolonien h\u00e4tte und der nationale Stolz gekr\u00e4nkt wurde, war wiederum ein gefundener N\u00e4hrboden f\u00fcr den darauffolgenden Nationalsozialismus.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Stadtraum Weimar war also in vielfacher Weise und \u00fcber einen langen Zeitraum in koloniale Aktivit\u00e4ten verstrickt. Nicht nur die ungleichen Machtbeziehungen zwischen Deutschland und den kolonialisierten L\u00e4ndern in Handel und Wirtschaft wurden verst\u00e4rkt. Weimar war auch ein Ort, an dem sich koloniale Legitimit\u00e4tsstrategien politisch und medial im \u00f6ffentlichen Raum entwickelten, Strategien, die immer wieder die Selbsthistorisierung und Identit\u00e4tsbildung zu Hilfe nahmen, um ein bestimmtes Bild vom Eigenen und vom Fremden zu inszenieren.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/stadtmuseum-02-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-181\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/stadtmuseum-02-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/stadtmuseum-02-300x225.jpg 300w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/stadtmuseum-02-768x576.jpg 768w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/stadtmuseum-02.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Eines der wenigen Details die explizit auf Kolonialismus verweisen.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Spuren des kolonialen Erbes f\u00fchren bis in die Gegenwart. Weimar gilt noch immer als deutsche Klassik- und Kulturstadt und pr\u00e4sentiert sich als zentraler Ort der nationalen Identit\u00e4tsschreibung. Stra\u00dfennamen und Denkm\u00e4ler erinnern an Kolonialherren und ihre F\u00f6rderer. Wer in Weimar lebt ist diesem kolonialen Erbe unwillk\u00fcrlich ausgesetzt und tr\u00e4gt dessen Spuren, ob bewusst oder unbewusst, weiter. Unser Projekt \u201edecolonize Weimar\u201c m\u00f6chte also nicht nur der bisherigen Geschichtsschreibung ein weiteres Kapitel hinzuf\u00fcgen, sondern das Bild des \u00bbklassischen\u00ab Weimars von Grund auf hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Stadtmuseum Weimar \u2013 Spiegel einer Stadtkultur<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In diesem Kontext ist wichtig zu erkennen, dass die Aufgaben eines Museums, das Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln, eine narrative und repr\u00e4sentative Funktion besitzen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Ein Stadtmuseum rekonstruiert und pr\u00e4sentiert die Geschichte und Kultur eines Ortes, weswegen ein Stadtmuseum auch h\u00e4ufig als \u00bbSpiegel der Stadtkultur\u00ab bezeichnet wird. Das macht auch das Stadtmuseum Weimar zu einem machtvollen Akteur, der \u00fcber die Auswahl, Anordnung und Pr\u00e4sentation von Artefakten und Themen entscheidet und damit auch \u00fcber die Deutungshoheit hinsichtlich der Stadtgeschichte verf\u00fcgt.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Es nimmt damit auch einen wichtigen Platz in der lokalen und \u00f6ffentlichen Geschichtsschreibung und Erinnerungspolitik Weimars ein.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Stadtmuseum Weimar findet diese Geschichtsschreibung bisher ohne die geschichtliche Kenntnisnahme und Darstellung des Kolonialismus statt, der auch lokale ausgepr\u00e4gte Bef\u00fcrworter*innen hatte. Weimars Status als deutsche Klassik- und Kulturstadt wird hier stattdessen untermauert. Ein Status, der auf wiederholten Erz\u00e4hlungen und Selbstinszenierung aufbaut. Dass diese Status-Machung eng mit der Zeit des Kolonialismus verkn\u00fcpft ist und ebenfalls Teil der Weimarer Geschichte ist, gilt es zu realisieren und zu pr\u00e4sentieren. Dies er\u00f6ffnet die Frage, wie mit dem Weimarer Kolonialismus und dem kolonialen Erbe in der musealen Arbeit in Zukunft umgegangen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist aber nicht mein einziges Anliegen, darauf zu beharren, dass der Kolonialismus seinen Platz in der Stadtgeschichte Weimars erh\u00e4lt. Wichtiger ist es zun\u00e4chst, den Prozess des Unsichtbar-Machens aufzuarbeiten, um dem Kolonialismus dann einen Platz im kollektiven Ged\u00e4chtnis zu schaffen. Auch ist es wichtig in Anbetracht gegenw\u00e4rtiger gesellschaftlicher Entwicklungen zu erkennen, welche kolonialen Zeugnisse im Weimarer Stadtmuseum verankert sind. Diese offenzulegen und zu verlagern sowie eine Reflexion der Museumsarbeit in all ihren Facetten sind Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Dauerausstellung, auf die ich mich im Folgenden beziehe, wurde 1999 konzipiert und wird seitdem in unver\u00e4nderter Form pr\u00e4sentiert. In den n\u00e4chsten Jahren soll diese von Grund auf erneuert werden. Momentan ist man hier noch in der Planungs- und Finanzierungsphase. Erkenntnisse in der postkolonialen Museologie k\u00f6nnen Ans\u00e4tze zum zuk\u00fcnftigen Umgang mit dem kolonialen Erbe liefern. Aber bevor ich mich mit potenziellen Konzepten auseinandersetze, hier ein Einblick in die aktuelle Ausstellung:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Blick ins Stadtmuseum Weimar<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Stadtmuseum Weimar in der Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe erscheint im Vergleich zu anderen Weimarer Klassik-Bauten von au\u00dfen recht unscheinbar. Tritt man jedoch durch die schon verblassten, t\u00fcrkisen Eingangst\u00fcren, so steht man inmitten einer gro\u00dfen, symmetrischen Eingangshalle. An den W\u00e4nden platzierte Statuen von Frauen und M\u00e4nnern hei\u00dfen die Besucher_innen willkommen. Nur die elektrischen Stehlampen in den Ecken verringern den Eindruck, soeben das Haus des \u201ebedeutendsten Unternehmer im Weimar der Goethezeit\u201c betreten zu haben.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Hausherr des Stadtmuseums<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In dem noch erhaltenen Teil des ehemaligen Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses lebte einst der Verleger und Gesch\u00e4ftsmann Friedrich Justin Bertuch (1747\u20131822). Das Geb\u00e4ude diente dem vielseitig interessierten Bertuch, der hier von 1780 bis 1822 lebte und arbeitete, als Verlagshaus, Werkstatt und Hauptsitz seines 1791 errichteten \u201eLandes-Industrie-Comptoir\u201c. Seit 1954 hat das Stadtmuseum Weimar hier seinen Sitz eingenommen. Schaut man sich in der Eingangshalle um, sieht man \u00fcber zwei Fl\u00fcgelt\u00fcren die Aufschriften \u201eComptoir\u201c und \u201eMagazin\u201c, die einen Hinweis auf diese Abteilungen geben. In den ehemaligen Arbeits- und Verlagsr\u00e4umen des Landes-Industrie-Comptoirs und des Magazins werden heute wechselnde Sonderausstellungen gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausz\u00fcge seiner herausgegebenen Kinderb\u00fccher, geografischen Karten, \u00dcbersetzungen, Reisebeschreibungen, Journale und Magazine sind jedoch Teil der Dauerausstellung und pr\u00e4sentieren seine verlegerischen Aktivit\u00e4ten. Zus\u00e4tzlich zeigen Archiv- und Einrichtungs- und Kunsthandwerksgegenst\u00e4nde einen Teil der Sammlung Bertuchs. Bertuch und sein Schaffen nehmen in der Dauerausstellung den meisten Raum ein. Sein unternehmerischer und kultureller Einfluss in der Goethezeit ist der Hauptfokus des Museums.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Geschichte erz\u00e4hlt das Stadtmuseum?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Alltags- oder Sozialgeschichten stehen in der Ausstellung eher im Hintergrund. Das Stadtmuseum erz\u00e4hlt hier eine klassische Personengeschichte. Nur ist es diesmal nicht die Geschichte eines gro\u00dfen deutschen Dichters, sondern die eines gro\u00dfen deutschen Unternehmers in Weimar.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren wird die Geschichte der Stadt Weimar anhand von einzelnen Stationen dargestellt. Die weiteren Ausstellungsbereiche gehen aber \u00fcber die allgemein bekannte historische Darstellung Weimars nicht hinaus. Der kulturelle Einfluss Carl Alexanders, die Umbr\u00fcche durch die Industrialisierung, die Nationalversammlung, das Bauhaus, der Zweite Weltkrieg und die DDR sind Themen, die das \u00dcberdenken des bestehenden Selbstverst\u00e4ndnisses von Weimar nicht herausfordern. Zwar widmen sich die Sonderausstellungen der letzten Jahre Ereignissen und Pers\u00f6nlichkeiten, die in der Stadtgeschichte weniger bekannt sind, behandeln jedoch den gleichen Zeitraum wie die Dauerausstellung, also von der Goethezeit bis zum Mauerfall. Auch hier wird inhaltlich darauf geachtet, dass das klassische Bild von Weimar nicht allzu sehr ins Wanken ger\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Spuren kolonialer Aktivit\u00e4ten im Stadtmuseum<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Konkrete Verweise darauf, dass Weimar auch als \u201eheimliche Kolonialhauptstadt\u201c gilt, lassen sich hingegen kaum finden.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Wenn man sich in dem Raum, der Carl Alexander und seinen kulturellen Errungenschaften gewidmet ist, umschaut entdeckt man f\u00fcnf Kopien eines Zeitungsblatts. Ein kurzer Artikel berichtet hier aus der tansanischen Hafenstadt Dar es Salam. Titel: \u201eDas Zebra als Reittier f\u00fcr unsere Schutzgruppe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eUnsere braven Jungen haben \u201adrau\u00dfen\u2018, wohin sie auch kamen bewiesen, dass sie sich selbst den schwierigsten Verh\u00e4ltnissen anzupassen verstanden. So werden sie sich schlie\u00dflich mit Humor dar\u00fcber hinwegsetzen, wenn man jetzt in Dar es Salam versuchsweise ihren G\u00e4ulen einige Reittiere von ganz absonderlicher Art zugesellt. Deutsche Unteroffiziere hoch auf Zebras \u2013 was sagen unsere Dienstm\u00e4dchen dazu? \u2013 Otto Haeckel, Berlin, phot.\u201c&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Anbei zu diesem Text ist ein Foto von zwei der erw\u00e4hnten Unteroffiziere in ihren wei\u00dfen Uniformen wie sie im Sattel und mit Gerte in der Hand auf zwei Zebras sitzen. Ein bisschen verloren und aus dem Kontext gerissen liegen die f\u00fcnf Kopien dieses Zeitungsauschnitts neben dem Portrait von Gro\u00dfherzog Carl Alexander. Ist dies ein Verweis auf Carl Alexanders F\u00f6rderung des Kolonialismus? Oder wird mit diesem kleinen Artikel beispielhaft dargestellt, wie der koloniale Gedanke auch in der Berichterstattung untermauert wurde? Es finden sich keine weiteren Erkl\u00e4rungen, warum dieser Zeitungsausschnitt ausgew\u00e4hlt wurde und welche Bedeutung er f\u00fcr die Weimarer Stadtgeschichte hat. Die damalige Auffassung der kulturellen \u00dcberlegenheit der Deutschen spiegelt sich jedoch in den Worten des Autors wider.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere konkrete Spur kolonialer Aktivit\u00e4t, die ich in der Ausstellung finden konnte, ist ein Eintrag in einer \u00dcbersicht Weimarer Vereine vor dem Ersten Weltkrieg. Dort steht: \u201eDeutsche Kolonialgesellschaft, Abteilung Weimar. Zweck: F\u00f6rderung der deutschen Kolonialbestrebungen\u201c. Ein Eintrag, der in der Abbildung der vielen Weimarer Vereine verloren geht. Man muss genau hinschauen, um den Hinweis zu entdecken. Auch hier finden sich keine weiteren Erl\u00e4uterungen oder Erkl\u00e4rungen, es zeigt sich aber, dass der Kolonialismusgedanke Anfang des 20. Jhd. nun endg\u00fcltig in der Bev\u00f6lkerung angekommen war und aktiv umgesetzt wurde. Mit diesen zwei versteckten Hinweisen ist es mit der Aufarbeitung Kolonialismus in Weimar nicht getan.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie nun mit dem kolonialen Erbe umgehen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein wichtiger zuk\u00fcnftiger Schritt f\u00fcr das Museum sollte es sein, das koloniale Erbe der Stadt anzuerkennen. Grunds\u00e4tzlich ist zu beachten, dass koloniale Aktivit\u00e4ten, Bestrebungen und Gedankenmuster dabei keine Perspektive, sondern Teil der deutschen und Weimarer Geschichte waren und sind. Da der Kolonialismus viele Bereiche und Ph\u00e4nomene unterschiedlicher Herrschaftsbeziehungen umfasst und sich auf \u00fcber 500 Jahre europ\u00e4ischer Zeitgeschichte erstreckt, kann er hier vielleicht nicht in seiner Ganzheitlichkeit dargestellt werden. Wie bei jedem Themenfeld sollte aber versucht werden, ihn ansatzweise und durch unterschiedliche Bez\u00fcge aufzuarbeiten. Anna Greve (2019), die sich intensiv mit dem kolonialen Erbe in Museen auseinandergesetzt hat, weist darauf hin, \u201edass es gar nicht immer um eine tiefgehende Spezialanalyse gehen muss, sondern bereits das Herstellen bisher nicht gemachter Bez\u00fcge das historische Material in einem neuen Licht erscheinen l\u00e4sst.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufarbeitung des kolonialen Erbes sollte Anlass sein, sich der Komplexit\u00e4t der kolonialen Aktivit\u00e4ten zu stellen und \u00fcber das von Illustrationen, Publikationen, Reiseberichten, Karten, Kleidung, Alltagsgegenst\u00e4nden usw. erzeugte Selbstverst\u00e4ndnis einer Person, einer Stadt oder einer Nation nachzudenken. Viele von Bertuchs Werken haben das Wissen und die gesellschaftlichen Ansichten der Goethezeit nachhaltig gepr\u00e4gt. Reisebeschreibungen, Atlanten und Kinderb\u00fccher vermittelten ein eurozentrisches Weltbild oder benutzten Exotisierungen, um \u00bbfremde V\u00f6lker\u00ab abzubilden oder zu beschreiben. Dieses sollten aus gegenw\u00e4rtiger Sicht hinterfragt werden. Aber auch die anderen Ausstellungsbereiche \u2013 von Carl Alexander, der Industrialisierung, der Reichseinigung \u00fcber NS-Zeit bis hin zu unserer Gegenwart\u2013 sind diese mit dem Kolonialismus verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die angef\u00fchrten Beispiele zeigen deutlich, dass Kolonialismus nicht nur in den Schutzgebieten, sondern auch in Weimar stattfand. Die Aufarbeitung des kolonialen Erbes der Stadt, \u00e4ndert die bisher gef\u00fchrte Geschichtsschreibung und macht Kolonialismus zu einem Ph\u00e4nomen, das nicht weit entfernt und vor langer Zeit geschah, sondern allt\u00e4glich und nah ist. Ein wichtiger Prozess also der hilft das kollektive Ged\u00e4chtnis umzustrukturieren und institutioneller Ausschlie\u00dfung entgegenzuwirken. Die Reflexion der aktuellen Museumsstrukturen ist dabei zentraler Ausgangspunkt dieses Prozesses:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Reflexion der musealen Strukturen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Reflexion der eigenen musealen Strukturen bedarf einiger Voraussetzungen. Die einen widmen sich praktischen Herausforderungen, die anderen ideologischen. Alle haben sie einen gro\u00dfen Einfluss darauf, wie Stadtgeschichte erz\u00e4hlt und rezipiert wird. Ans\u00e4tze der postkolonialen Museologie liefern Vorschl\u00e4ge, wie mit dem kolonialen Erbe der Stadt in Zukunft bei einer Neugestaltung umgegangen werden kann. Anders als ethnologische Museen wie V\u00f6lkermuseen oder Weltmuseen, die sich schon l\u00e4nger mit postkolonialen Ans\u00e4tzen besch\u00e4ftigen, m\u00f6chte ich nun diese Ans\u00e4tze auf das Wesen und die Themenbereiche des Stadtmuseums beziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die R\u00e4umlichkeiten des Bertuch-Hauses waren urspr\u00fcnglich nicht f\u00fcr ein Museum ausgelegt, dementsprechend ist noch heute der Ausstellungsplatz begrenzt und von der damaligen Raumaufteilung abh\u00e4ngig. Das hat Auswirkungen auf die Objekte und Themen, die pr\u00e4sentiert werden. Auf kleinem Raum m\u00fcssen so viele Informationen wie m\u00f6glich untergebracht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist daher notwendig, den begrenzten musealen Raum ausstellungs- und vermittlungstechnisch zu \u00f6ffnen. \u00c4nderungen in diesen Bereichen werden aufgrund finanzieller, personeller und zeitlicher Einschr\u00e4nkungen nicht einfach umzusetzen sein, aber einen gro\u00dfen Einfluss auf die Ver\u00e4nderungen der Vermittlungsstrukturen haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Abgeschlossene Darstellungsformen \u00f6ffnen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wirft man einen Blick auf die Darstellungsform stellt man fest, dass die pr\u00e4sentierten Themenbereiche nicht nur r\u00e4umlich eingeschr\u00e4nkt sind, sondern auch voneinander getrennt pr\u00e4sentiert werden. Themenfelder sind nach Verlassen des Raumes abgeschlossen. Das wird besonders im letzten Teil der Ausstellung deutlich, in der das Bauhaus, der Zweite Weltkrieg sowie die Zeit der DDR jeweils in einem Kubus ausgestellt sind. Dies gilt auch f\u00fcr die Dauer- und Sonderausstellungen, da sich die beiden Ausstellungsr\u00e4ume auf unterschiedlichen Etagen befinden. Geschichte kann so weniger als ein sich wandelnder Prozess mit \u00dcberg\u00e4ngen wahrgenommen werden, sondern wird in abgeschlossene Einheiten pr\u00e4sentiert, die keinen Raum f\u00fcr \u00dcberlappungen, Korrespondenzen oder Gegen\u00fcberstellungen bieten. Gerade am Kolonialismus wird deutlich, dass es nicht gen\u00fcgt, dieses Thema isoliert zu betrachten. Es ist kein Ereignis, dass sich auf eine bestimmte Epoche, eine ausf\u00fchrende Person oder einen bestimmten Ort reduzieren l\u00e4sst. Er ist mit den anderen Ausstellungsthemen verkn\u00fcpft, durch sie beeinflusst und kann nicht isoliert von ihnen dargestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die eigentliche Wissensvermittlung findet dar\u00fcber hinaus im klassischen Sinne objekt- und textbasiert statt. Die ausgestellten Objekte \u201eerz\u00e4hlen dabei nur die Geschichten, die sie textlich zugewiesen bekommen oder die der Betrachter in ihnen erkennt\u201c.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Multimediale Vermittlungsformen k\u00f6nnten \u00fcber strenge objekt- und textbasierte Vermittlungsformen hinweghelfen. Sie k\u00f6nnen zudem r\u00e4umliche Einschr\u00e4nkungen \u00fcberwinden und \u00f6ffnen, indem sie Besucher_innen eigene Assoziationsr\u00e4ume bieten und Bez\u00fcge und Referenzen zwischen historischen Ereignissen herstellen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das kulturelle Ged\u00e4chtnis neu auslegen<\/strong> <strong>\u2013 das eigene Wissen hinterfragen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Um die bisherige Ausstellungsform zu modernisieren, bedarf auch eine erkenntnistheoretische Reflexion. Diese Selbstreflexion beginnt mit der Infragestellung, der epistemischen und ideologischen Herangehensweise an die museale Arbeit. Im Zentrum steht dabei auch die Forderung nach einem kritischen Umgang mit den eigenen Sammlungs- und Ausstellungsobjekten, aber auch mit zuk\u00fcnftigen Ausstellungskonzeptionen. Bisher werden Sammlungsobjekte und deren textliche Zuschreibung als unab\u00e4nderliche Fakten angesehen, die aus einer angeblich neutralen Haltung heraus entstanden sind. Dies geschieht ausgehend von der Annahme, dass diese Objekte und das eigene wissenschaftliche Arbeiten eine Objektivit\u00e4t besitzen, die einen klaren Blick auf ihre Geschichte gew\u00e4hren. In diesem Fall muss sich der Blick auf diese Objekte \u00e4ndern:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eNicht Bewunderung, sondern Interpretation der Sammlung ist dabei die Hauptaufgabe, denn es muss darum gehen, die Objekte und Zeugnisse nicht als Beweise aus der Geschichte zu pr\u00e4sentieren, sondern als Teil eines gesellschaftlichen Prozesses zu verstehen, der nicht abgeschlossen ist.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das bedeutet f\u00fcr die museale Arbeit in dem Zuge auch, dass man sie st\u00e4ndig hinterfragen und Standpunkte immer wieder \u00fcberdenken muss. Das Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln sind keine neutralen Prozesse, sondern sind mit machtvollen Entscheidungen verkn\u00fcpft. Jeder dieser Aufgaben muss man nur eine der W-Fragen voranstellen, um festzustellen, dass das vom Museum generierte Wissen unbest\u00e4ndig ist. Und an dem Punkt, \u201ewo Wissen fluide wird, steht vormals solide geglaubte Deutungshoheit zur Diskussion.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Schlie\u00dflich sind Entscheidungs- und Interpretationsprozesse offen und transparent zu vermitteln, damit die eigenen Erkenntnis- und Erz\u00e4hlstrukturen des Museums \u201eselbst Teil der Auseinandersetzung und Darstellung werden\u201c.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Sarah Fr\u00fcndt (2015) gibt mit folgenden Fragen der postkolonialen Museologie einen konstruktiven Einstieg in den Prozess der Selbstreflexion. Bisher vor allem auf die Wissens- und Vermittlungsstrukturen ethnologischer Museen bezogen, sind diese Anregungen auch auf das Stadtmuseum anwendbar:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Wie k\u00f6nnen neue Fragen an die alten Objekte gestellt werden? In welchen Zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnen die Objekte heute betrachtet werden, ohne in die alten Muster und Darstellungsformen zu verfallen?<\/li><li>Wie geht man mit Erwartungshaltungen der Besucher um? Wie vermeidet man Exotisierungen und Stereotype?<\/li><li>Wer spricht? Wof\u00fcr? Und zu wem? Welche Darstellungsformen sind m\u00f6glich, welche Arten der Zusammenarbeit erforderlich und w\u00fcnschenswert? Wer erh\u00e4lt die Deutungsmacht \u2013 und wer die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die Objekte? Wessen Geschichte soll erz\u00e4hlt werden und aus welcher Perspektive? Wie m\u00fcssen das individuelle und das strukturelle Unrecht der Vergangenheit thematisiert werden, welche Form der Aufarbeitung kann stattfinden \u2013 und wie kann sie sichtbar gemacht werden? Wie kann das Museum an die Oberfl\u00e4che bringen, was in den Jahrzehnten zuvor verborgen und unterdr\u00fcckt worden ist?<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Wenn diese Fragen in der musealen Arbeit immer wieder aufgerufen werden, k\u00f6nnen klassische Erz\u00e4hlstrukturen aufgebrochen werden. Damit ist der Weg frei, das Selbstbild und das Bild \u201edes Anderen\u201c, das durch Literatur, Kunst, Wissenschaft, Reiseberichte, geografische Karten, Abbildungen in Kinderb\u00fcchern, Alltags- und Konsumgegenst\u00e4nde entstanden ist, zu hinterfragen. So k\u00f6nnen die Grenzen zwischen dem \u201eWir\u201c und den \u201eAnderen\u201c neu ausgelotet werden. Indem sich von der eigenen historischen Objektivit\u00e4t gel\u00f6st wird und die Grenzen f\u00fcr globale Zusammenh\u00e4nge und Informationsnetzwerke ge\u00f6ffnet werden, schafft man einen w\u00fcnschenswerten demokratischen Raum, der in seiner Wandlungsf\u00e4higkeit gewappnet ist f\u00fcr zuk\u00fcnftige Ver\u00e4nderungen. Die zuvor aufgestellte Forderung nach der \u00d6ffnung des musealen Raums wird nun auch auf eingefahrene Erkenntnisstrukturen angewendet. \u201eDie Dekonstruktion traditioneller Sichtweisen ist dabei nicht als vernichtende Demontage, sondern als Befreiungsakt f\u00fcr neue Sichtweisen zu begreifen.\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Offenheit gegen\u00fcber dem Unerprobten, und vielleicht auch Unbekannten, mag zun\u00e4chst Unsicherheiten entstehen lassen. Diese Schritte jedoch zu gehen, offen den neuen Erkenntnissen gegen\u00fcberzustehen und sie als gleichberechtigt anzusehen, ist eine der gr\u00f6\u00dften ideellen Herausforderungen des Museums.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Partizipation und Multiperspektivit\u00e4t als Chancen zuk\u00fcnftiger Museumsarbeit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Auf den ersten Schritt der Selbstreflektion eigener Erkenntnis- und Erz\u00e4hlstrukturen folgt eine Inklusion von neuen Perspektiven und eine ver\u00e4nderte Sichtweise auf den klassischen Kanon der europ\u00e4ischen Kulturgeschichte. Multiperspektivit\u00e4t kann auf vermittlungstechnischer Ebene mit dem Einsatz unterschiedlicher Medien in Ausstellungen umgesetzt werden, die weder objekt- noch textgebunden sind. Audiovisuelle, aber auch taktile Vermittlungsformen k\u00f6nnen bei Besucher_innen eigene Gedanken und Fragen anregen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf kultureller Ebene umfasst Multiperspektivit\u00e4t auch die Miteinbeziehung von unterschiedlichen Stimmen. Diese k\u00f6nnen aus der Bev\u00f6lkerung, aber bspw. auch aus wissenschaftlichen oder k\u00fcnstlerischen Kreisen kommen. Sie k\u00f6nnen Fragestellungen, Herangehensweisen und Themenschwerpunkte zu Ausstellungen erweitern und gegenw\u00e4rtige gesellschaftliche Entwicklungen aufgreifen. \u201eDerart partizipativ ausgerichtete Projekte erweitern den Fokus auf die Menschen und ihre Geschichten und k\u00f6nnen die Objektifizierung vieler Museen aufbrechen.\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wird also zun\u00e4chst die beweisf\u00fchrende Arbeit an Objekten und Zeugnissen zu Gunsten der prozesshaften und transparenten Museumsarbeit \u00fcberwunden, so r\u00fccken jetzt pers\u00f6nliche Erkenntnisse und Erfahrungen in den Vordergrund. Besucher_innen die M\u00f6glichkeit zu geben, Inhalte zu bestimmen und Fragen nach der eigenen Identit\u00e4t und Herkunft zu stellen, zeigt, dass die Institution Stadtmuseum nicht nur an einer vergangenen Stadtgeschichte interessiert ist, sondern an den jetzt dort lebenden Menschen, deren Erfahrungen und deren Emotionen. So wird das Museum zu einem Ort, an dem Fragen und Bed\u00fcrfnisse der B\u00fcrger_innen in demokratischer und solidarischer Form geh\u00f6rt und umgesetzt werden.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn sich das Museum mit Ereignissen und Personen aus der Vergangenheit besch\u00e4ftigt, so richtet es sich doch stets an Personen aus dem Hier und Jetzt. Indem Inhalte und Ausf\u00fchrungen von Ausstellungen nicht allein durch das Museum bestimmt werden, kann durch Partizipation der Bev\u00f6lkerung ein diverses Bild der Weimarer Gesellschaft entstehen. Durch die Beteiligung und aktive Auseinandersetzung mit den B\u00fcrger_innen der Stadt und ihren diversen Hintergr\u00fcnden und Perspektiven, kann das Stadtmuseum seine identit\u00e4tsstiftende Funktion ma\u00dfgeblich ausbauen. Eine gleichberechtigte Zusammenarbeit au\u00dferhalb der musealen Kreise und unter Ablegung der eigenen geistigen \u00dcberlegenheit der Forderung nach kultureller Teilhabe und Transparenz nachgekommen<\/p>\n\n\n\n<p>Themen und Forschungsfragen, die sich mit diversen B\u00fcrger_innen der Stadt auseinandersetzen, bieten nicht nur die Chance, das lokale Publikum anzusprechen, sondern auch die bisherige Stadtgeschichte um Erkenntnisse zu erweitern. In diesem Prozess \u2018oral history\u2018 ernst nehmen, Erfahrungswissen neben akademischen Wissen wertzusch\u00e4tzen, sich selber infrage zu stellen und stets neugierig auf andere Positionen zu sein, schafft eine transkulturelle und zug\u00e4ngliche Museumsform, die nicht nur die lokalen Besucher_innen anspricht, sondern auch Tourist_innen, die an dem Leben und der Kultur der Stadt interessiert sind.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auch \u00fcber Ausstellungen hinaus entstehen so offene Diskussionsforen, die einen weiteren Aspekt der Multiperspektivit\u00e4t darstellen. Foren, in denen Nachfragen und Kritik ge\u00e4u\u00dfert und in einem sicheren Umfeld diskutiert werden, bieten die Chance, einem asymmetrischen Macht- und Deutungsverh\u00e4ltnis entgegenzuwirken. Das Museum muss sich die Frage stellen, wie es sich in Zukunft definiert: M\u00f6chte es sich \u00fcber seine Besucher_innen definieren und deren Fragen und Anregungen in die museale Arbeit mitaufnehmen? Oder m\u00f6chte es seine Vormachtstellung in Sachen Forschung, Ausstellung und Vermittlung beibehalten? Wie k\u00f6nnen Inhalte und Themen ansprechend nach au\u00dfen vermittelt werden? Wie l\u00e4sst sich in diesem Zusammenhang Stadtgeschichte neu deuten? Welche Verflechtungen und Verkn\u00fcpfungen k\u00f6nnen untereinander auftreten? Diese Fragen sollen den Prozess des \u00d6ffnens und des Ausrichtens hin zu \u2018neuen\u2018 Ufern der Museumsarbeit unterstreichen. Ein Prozess, der so der \u00f6ffentlichen Amnesie gegen\u00fcber der Kolonialgeschichte entgegenwirken, Entscheidungsprozesse weiter \u00f6ffnen und die Aufarbeitung des Kolonialismus in die Gegenwart holen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit \u2013 Stadtgeschichte ist Kolonialgeschichte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders in Weimar bleibt die Frage bestehen, wie sich in der st\u00e4ndigen und allt\u00e4glichen Reproduktion des klassischen und traditionellen Selbstbilds der Stadt Wege des Ausbruchs finden lassen. Das Stadtmuseum als \u201eSpiegel der Stadtkultur\u201c sieht sich hier mit einer gesellschaftspolitischen Verantwortung konfrontiert.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Ich habe hier immer wieder von einer \u201aSelbstreflexion der musealen Arbeit\u2018 gesprochen. Gerade in Bezug auf die Aufarbeitung des kolonialen Erbes bedeutet das, Wissens- und Vermittlungsstrukturen zu \u00f6ffnen und die Vergangenheit als einen nicht abgeschlossenen Prozess anzuerkennen.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Denn das koloniale Erbe ist auch immer mit bestimmten Formen der Wissensvermittlung, Darstellung und Geschichtsschreibung verkn\u00fcpft, die sich in die Gegenwart fortschreiben. Die hier beschriebenen postkolonialen Ans\u00e4tze k\u00f6nnen hilfreiche Mittel f\u00fcr einen notwendigen Umbruch in den bisherigen Strukturen darstellen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDiejenigen, die keine Notwendigkeit der kritischen Reflexion der eigenen Wahrnehmung sehen, seien gefragt: Wie kann man Forderungen an andere richten, wenn man den eigenen Standpunkt f\u00fcr nicht hinterfragbar und diskutierbar h\u00e4lt? Erst wer einen reflektierten Standpunkt hat, kann sich auf gleicher Ebene mit anderen auseinandersetzen, ist frei, das Argument als Instrument zur \u00dcberzeugung einzusetzen. Das H\u00f6ren der Bed\u00fcrfnisse des Anderen und das Aushandeln von Kompromissen sind keinesfalls einseitige Forderungen und nicht auf kulturelle Differenzen beschr\u00e4nkt. Sie betreffen alle Menschen und die zwischen ihnen herrschenden Unterschiede hinsichtlich politischer \u00dcberzeugungen, der Wirtschaftsverh\u00e4ltnisse, der Bildungshintergr\u00fcnde, der Generationenangeh\u00f6rigkeit, der Freizeitinteressen usw.\u201c<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wichtig ist zu erkennen, dass das in einer Institution wie dem Stadtmuseum dargebotene Wissen nie abgeschlossen ist und Themen und Darstellungsformen daher immer wieder neu zu verhandeln sind. Auch im Sinne der eigenen Relevanz, denn \u201edie Frage nach der heutigen Bedeutung und zeitgem\u00e4\u00dfen Rolle der Stadtmuseen ist gleichsam einer Frage nach der Bedeutung der Vergangenheit f\u00fcr die Gegenwart und zielt damit direkt auf das Selbstverst\u00e4ndnis der Institution Museum.\u201c <a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dahinter steckt auch die Forderung nach kultureller Teilhabe und Mehrstimmigkeit in der Museumsarbeit. Indem das Stadtmuseum \u201eintensiver als bislang eine Br\u00fccke zur Lebenswelt ihrer Besucherinnen und Besucher [schl\u00e4gt]\u201c<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a>, kann es auch identit\u00e4tsstiftend wirken. Da das Stadtmuseum aktiv das Selbstverst\u00e4ndnis Weimars konstruiert, w\u00e4re eine gegenw\u00e4rtige Auseinandersetzung mit den Bewohner_innen Weimars und den Betroffenen seiner ehemaligen Kolonialpolitik in Zukunft eine positive Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Bocoum, Hamady (2019): Der Geschichte ins Auge sehen: Museen sollen sich dem Verm\u00e4chtnis des Kolonialismus stellen. Erhalten in: Kulturaustausch. Zeitschrift f\u00fcr internationale Perspektiven. Regensburg: ConBrio-Verl.-Ges., 2006 69(2019), 2, S.30.<\/li><li>Fr\u00fcndt, Sarah (2015): Wer spricht? Ethnologische Museen und postkoloniale Herausforderungen, in: Mallinckrodt, Felicitas von; Hoins, Katharina: Macht. Wissen. Teilhabe. Sammlungsinstitutionen im 21. Jahrhundert: Transcript Verlag.<\/li><li>Gottschalk, Sebastian; Hartmann, Heike; Hilden, Irene (2016): Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart. Berlin, Darmstadt: Stiftung Deutsches Historisches Museum; Theiss Verlag.<\/li><li>Greve, Anna (2019): Koloniales Erbe in Museen. Kritische Wei\u00dfseinsforschung in der praktischen Museumsarbeit (Edition Museum).<\/li><li>Jansen, Jan C.; Osterhammel, J\u00fcrgen (2013): Dekolonisation. Das Ende der Imperien. 1. Aufl. s.l.: Verlag C.H.Beck (Beck&#8217;sche Reihe &#8211; Band 2785).<\/li><li>Kastner, Jens; Tom Waibel (2012): Dekoloniale Optionen. Argumentationen, Begriffe und Kontexte dekolonialer Theoriebildung. in: Mignolo, Walter D.; Kastner, Jens; Waibel, Tom: Epistemischer Ungehorsam. Rhetorik der Moderne, Logik der Kolonialit\u00e4t und Grammatik der Dekolonialit\u00e4t.<\/li><li>Mauksch, Stefanie; Rao, Ursula (2015): Vom Wissen der Objekte. Auf der Suche nach reflexiven Ausstellungskonzepten, in: Mallinckrodt, Felicitas von; Hoins, Katharina: Macht. Wissen. Teilhabe. Sammlungsinstitutionen im 21. Jahrhundert: Transcript Verlag.<\/li><li>Merseburger, Peter (2013): Deutschlands heimliche Kolonialhauptstadt. Carl Alexander Wandelung vom Liberalen zum Nationalkonservativen, in: Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht. 1. Aufl. M\u00fcnchen: Pantheon.<\/li><li>Metzler, Gabriele (2018): Die Epoche des Hochimperialismus. Online verf\u00fcgbar unter: https:\/\/www.bpb.de\/izpb\/280652\/die-epoche-des-hochimperialismus, [20.11.2018].<\/li><li>Pellengahr, Astrid (Hg.) (2016): Der Spiegel der Stadtkultur. Stadtmuseen vor neuen Herausforderungen: Museumsfachtagung 25.\/26. April 2016 M\u00fcnchner Stadtmuseum. Landesstelle f\u00fcr die Nichtstaatlichen Museen in Bayern; M\u00fcnchner Stadtmuseum; Museumsfachtagung. M\u00fcnchen: Landesstelle f\u00fcr die nichtstaatlichen Museen in Bayern.<\/li><li>Rehberg, Karl-Siegberg (2015): Machtvolles Sammeln und bildendes Zeigen. Das (Kunst-)Museum als Leitinstitution, in: Mallinckrodt, Felicitas von; Hoins, Katharina: Macht. Wissen. Teilhabe. Sammlungsinstitutionen im 21. Jahrhundert: Transcript Verlag.<\/li><li>Rodekamp, Volker (2016): Museen als Teil einer ver\u00e4nderten Gesellschaft. Die Rolle von Stadtmuseen in der Gegenwart, in: Pellengahr, Astrid (Hg.): Der Spiegel der Stadtkultur. Stadtmuseen vor neuen Herausforderungen: Museumsfachtagung 25.\/26. April 2016 M\u00fcnchner Stadtmuseum. Landesstelle f\u00fcr die Nichtstaatlichen Museen in Bayern; M\u00fcnchner Stadtmuseum; Museumsfachtagung. M\u00fcnchen: Landesstelle f\u00fcr die nichtstaatlichen Museen in Bayern.<\/li><li>R\u00f6\u00dfner, Alf (2004): Das koloniale Weimar, in: Ehrlich, Lothar; Ulbricht, Justus H. (Hg.): Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach. Erbe, M\u00e4zen und Politiker. Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen; Tagung &#8222;Carl Alexander &#8211; Erbe, M\u00e4zen, Politiker&#8220;. K\u00f6ln: B\u00f6hlau.<\/li><li>R\u00f6\u00dfner, Alf (2014): \u201eKulturtr\u00e4ger\u201c im \u201eschwarzen Erdteil\u201c. Weimar kolonialer Anspruch unter Carl Alexander und Wilhelm Ernst, in: Bomski, Franziska; Seemann, Hellmut; Valk, Thorsten (Hg.): Ilm-Kakanien. Weimar am Vorabend des Ersten Weltkriegs. G\u00f6ttingen: Wallstein-Verl. (Jahrbuch \/ Klassik-Stiftung Weimar, 2014).<\/li><li>Strohmaier, Alexandra (2014): Kultur &#8211; Wissen &#8211; Narration. Perspektiven transdisziplin\u00e4rer Erz\u00e4hlforschung f\u00fcr die Kulturwissenschaften. s.l.: Transcript Verlag (Kultur- und Medientheorie). Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/lib.myilibrary.com\/detail.asp?id=631507\">http:\/\/lib.myilibrary.com\/detail.asp?id=631507<\/a>.<\/li><li>Thiemeyer, Thomas (2014): Simultane Narration \u2013 Erz\u00e4hlen im Museum, in: Strohmaier, Alexandra: Kultur &#8211; Wissen &#8211; Narration. Perspektiven transdisziplin\u00e4rer Erz\u00e4hlforschung f\u00fcr die Kulturwissenschaften. s.l.: Transcript Verlag (Kultur- und Medientheorie).<\/li><li>van der Heyden, Ulrich; Zeller, Joachim (Hg.) (2007): Kolonialismus hierzulande. Eine Spurensuche in Deutschland. Erfurt: Sutton. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/www.socialnet.de\/rezensionen\/isbn.php?isbn=978-3-86680-269-8\">http:\/\/www.socialnet.de\/rezensionen\/isbn.php?isbn=978-3-86680-269-8<\/a>.<\/li><li>O.A.: Deutscher Museumsbund. Museumsaufgaben: <a href=\"https:\/\/www.museumsbund.de\/museumsaufgaben\/\">https:\/\/www.museumsbund.de\/museumsaufgaben\/<\/a>.<\/li><li>O.A.: Stadtmuseum Weimar. Geschichte: <a href=\"https:\/\/stadtmuseum.weimar.de\/index.php?id=9&amp;L=xxdjxxarjp\">https:\/\/stadtmuseum.weimar.de\/index.php?id=9&amp;L=xxdjxxarjp<\/a>.<\/li><li>O.A.: Stadtmuseum Weimar. F\u00f6rderverein: <a href=\"https:\/\/stadtmuseum.weimar.de\/index.php?id=53&amp;L=1%2Fwp-login.php\">https:\/\/stadtmuseum.weimar.de\/index.php?id=53&amp;L=1%2Fwp-login.php<\/a>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Endnoten<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Greve, Anna (2019): Koloniales Erbe in Museen. Kritische Wei\u00dfseinsforschung in der praktischen Museumsarbeit, S. 12.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Greve (2019).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Jansen, Jan C.; Osterhammel, J\u00fcrgen (2013): Dekolonisation. Das Ende der Imperien.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Metzler, Gabriele (2018): Die Epoche des Hochimperialismus, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/izpb\/280652\/die-epoche-des-hochimperialismus\">https:\/\/www.bpb.de\/izpb\/280652\/die-epoche-des-hochimperialismus<\/a>, [20.11.2018].<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Gottschalk, Sebastian; Hartmann, Heike; Hilden, Irene (2016): Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Merseburger, Peter (2013): Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Siegbert Rehberg, Karl (2015): Machtvolles Sammeln und bildendes Zeigen. Das (Kunst-)Museum als Leitinstitution, in: Mallinckrodt, Felicitas von; Hoins, Katharina (Hg.): Macht. Wissen. Teilhabe. Sammlungsinstitutionen im 21. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Pellengahr, Astrid (2016): Der Spiegel der Stadtkultur. Stadtmuseen vor neuen Herausforderungen: Museumsfachtagung 25.\/26. April 2016 M\u00fcnchner Stadtmuseum. Landesstelle f\u00fcr die Nichtstaatlichen Museen in Bayern, S.13.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> O.A.: Deutscher Museumsbund. Museumsaufgaben: https:\/\/www.museumsbund.de\/museumsaufgaben\/.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> O.A: Stadtmuseum Weimar. Geschichte, in: https:\/\/stadtmuseum.weimar.de\/index.php?id=9&amp;L=xxdjxxarjp.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. Merseburger, Peter (2013): Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Greve (2019), S.14.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Thiemeyer (2014), S. 479.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Rodekamp, Volker (2016): Museen als Teil einer ver\u00e4nderten Gesellschaft. Die Rolle von Stadtmuseen in der Gegenwart, in: Pellengahr, Astrid (Hg.): Der Spiegel der Stadtkultur. Stadtmuseen vor neuen Herausforderungen, S.89.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Hoins, Katharina; von Mallinckrodt, Felicitas: Macht. Wissen. Teilhabe. Koordinaten zur Einf\u00fchrung, in: Katharina Hoins, Felicitas von Mallinckrodt (Hg): Macht. Wissen. Teilhabe. Sammlungsinstitutionen im 21. Jahrhundert, S. 16.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Fr\u00fcndt, Sarah (2015): Wer spricht? Ethnologische Museen und postkoloniale Herausforderungen, in: Hoins, Katharina, Mallinckrodt, Felicitas von (Hg.): Macht. Wissen. Teilhabe. Sammlungsinstitutionen im 21. Jahrhundert, S. 101.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Fr\u00fcndt (2015), S. 101.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Greve (2019), S. 15.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Fr\u00fcndt (2015), S.107.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> \u201eEs gilt, sich zu vergegenw\u00e4rtigen, dass Solidarit\u00e4t gerade nicht in erster Linie das Parteiergreifen f\u00fcr gleiche bzw. \u00e4hnliche Menschen meint, sondern das Parteiergreifen f\u00fcr diejenigen, mit denen man wenig gemeinsame Erfahrungen teilt.\u201c \u2013 Greve (2019), S. 19.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Vgl. Greve (2019).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Pellengahr (2016), S. 11.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a>Greve (2019), S.19.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Rodekamp (2016), S.88.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Pellengahr (2016), S. 11.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie umgehen mit dem kolonialen Erbe im Stadtmuseum Weimar? Sonja Wendelken Weimar gilt noch immer als deutsche Klassik- und Kulturstadt und pr\u00e4sentiert sich als zentraler Ort der nationalen Identit\u00e4tsschreibung. Stra\u00dfennamen und Denkm\u00e4ler erinnern an Kolonialherren und ihre F\u00f6rderer. 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