{"id":399,"date":"2020-10-13T11:35:42","date_gmt":"2020-10-13T11:35:42","guid":{"rendered":"https:\/\/decolonize-weimar.org\/?page_id=399"},"modified":"2021-02-13T13:08:10","modified_gmt":"2021-02-13T13:08:10","slug":"die-koloniale-fuerstenfamilie","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/karte\/die-koloniale-fuerstenfamilie","title":{"rendered":"The colonial Ducal family"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"has-text-align-right wp-block-heading\"><em>Nicholas-Joel Kisling<\/em><\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"602\" height=\"602\" src=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/map-stadtschloss-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-401\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/map-stadtschloss-1.jpg 602w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/map-stadtschloss-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/map-stadtschloss-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/CIdfESxjcrI\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/CIdfESxjcrI\/\">Bei Instagram ansehen<\/a><\/h4>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Immer wieder schlendern wir, staunend \u00fcber seine sch\u00f6ne Architektur, am Stadtschloss vorbei &#8211; ohne uns dabei Gedanken \u00fcber die koloniale Geschichte und Bedeutung dieses Ortes, insbesondere der f\u00fcrstlichen Residenz und seiner ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner zu machen. Denn nicht nur der Gro\u00dfherzog Carl Alexander zu Sachsen-Weimar-Eisenach, sondern auch ein gro\u00dfer Teil seiner Familie, machte aus seiner Begeisterung f\u00fcr den deutschen Kolonialismus keinen Hehl und unterst\u00fctzte diesen tatkr\u00e4ftig durch das Bereitstellen finanzieller wie personeller Ressourcen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die koloniale Kinderstube der Sophie<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>So schreibt beispielsweise Paul von Bojanowski in seinem Nachruf auf Carl Alexanders Cousine und Gemahlin, Sophie von Oranien-Nassau (1824-1897):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u201eDa\u00df sie die deutschen kolonialen Pl\u00e4ne und Aufgaben vom ersten Tage an mit Lebhaftigkeit aufnahm, ist erkl\u00e4rlich bei einer F\u00fcrstin, die von ihrer Kindheit an die Bedeutung \u00fcberseeischen Besitzes sch\u00e4tzen gelernt hatte; da\u00df sie sie mit ebensoviel Eifer wie Freigebigkeit unterst\u00fctzte, sichert ihr einen besonderen Anspruch auf dankbare Erinnerung seitens unseres Volkes.\u201c<a name=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Sophie von Oranien-Nassau wurde als Prinzessin des niederl\u00e4ndischen K\u00f6nigshauses geboren. Ihre Familie besa\u00df wichtige Kolonialg\u00fcter, die nicht zuletzt auch zu ihrem gro\u00dfen Verm\u00f6gen beitrugen.<a name=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Carl Alexanders Gattin wird in der Kolonialforschung eine nicht unwichtige Rolle beigemessen.<a name=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Ludwig Raschdau schreibt ihr beispielsweise einen gro\u00dfen Einfluss auf ihren Mann zu: \u201eIn der Familie war sie der Mann, und der Gatte unterwarf sich ihr.\u201c<a name=\"_ftnref4\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Geteilte Leidenschaft<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Aufgewachsen mit den Realit\u00e4ten des niederl\u00e4ndischen Kolonialismus, war ihr Wissen \u00fcber ebendiesen und insbesondere \u00fcber die Kolonien in S\u00fcdafrika, sowie die Bereitschaft dieses zu teilen, gro\u00df. So gab Sophie beispielsweise dem Kolonialpionier Adolf L\u00fcderitz 1884 in einem Brief ihres Gatten praktische Hinweise f\u00fcr seine anstehende Afrikareise.<a name=\"_ftnref5\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><br>Im September desselben Jahres wohnte die Gro\u00dfherzogin, stellvertretend f\u00fcr ihren Gatten, einer vielbeachteten Generalversammlung des Deutschen Kolonialvereins bei, die aufgrund der Unterst\u00fctzung des Weimarer Hofes im Gro\u00dfherzogtum stattfand, und trat dem Verein bei dieser Gelegenheit gleich selbst bei.<a name=\"_ftnref6\" href=\"#_ftn6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere einflussreiche Person in Sachen Kolonialismus in Carl Alexanders Leben soll, \u00dcberlieferungen zufolge, seine Schwester Augusta (1811-1890) gewesen sein. Diese soll ihn im preu\u00dfisch-\u00f6sterreichischen Krieg der 1860er-Jahre dazu gedr\u00e4ngt haben, sich auf Seiten Preu\u00dfens zu positionieren und stellt damit die Weichen f\u00fcr Weimars Beitritt zum Norddeutschen Bund.<a name=\"_ftnref7\" href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> Dieser Beitritt kann durchaus als Wendepunkt im politischen Denken und Handeln Carl Alexanders betrachtet werden, auch in Hinsicht auf seine kolonialen Bestrebungen.<a name=\"_ftnref8\" href=\"#_ftn8\">[8]<\/a> Ein tieferer Blick auf Carl Alexanders Vita offenbart jedoch, dass dieser Einfluss nur ein kleines Puzzleteil in einer bereits bestehenden, positiven Einstellung gegen\u00fcber dem deutschen Kolonialismus war, den der Gro\u00dfherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach mit gro\u00dfem eigenem Engagement f\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die koloniale Begeisterung der F\u00fcrstenfamilie<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Als Carl Alexanders \u201eErbin auf dem Kolonialgebiet\u201c bezeichnet der Biograph Friedrich Facius die Tochter des Gro\u00dfherzoges, Elisabeth (1854\u20131908), die ihren Ehegatten, den Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin 1895 dazu anregte, den Vorsitz der deutschen Kolonialgesellschaft zu \u00fcbernehmen &#8211; ein Amt, dass der begeisterte F\u00f6rderer kolonialer Bestrebungen Deutschlands und Mitglied im Kolonialrat<a name=\"_ftnref9\" href=\"#_ftn9\">[9]<\/a> dankend annahm.<a name=\"_ftnref10\" href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> Elisabeth unterst\u00fctze ihn dabei praktisch als Ehrenvorsitzende des Deutschen Frauenvereins f\u00fcr die Kolonien.<a name=\"_ftnref11\" href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> Das Ehepaar brachte koloniale Einfl\u00fcsse und Besucher an den Weimarer Hof, stattete aber auch selbst gern Besuche ab &#8211; 1895 unter anderem die Kolonialgebiete Deutsch-Ostafrika und Ceylon.<a name=\"_ftnref12\" href=\"#_ftn12\">[12]<\/a> Und auch der Gemahl der Prinzessin Marie Alexandrine (1849-1922), Carl Alexanders anderer Tochter, zeigte Interesse an den kolonialen Bestrebungen in Afrika.<a name=\"_ftnref13\" href=\"#_ftn13\">[13]<\/a> 1879 wurde Prinz Heinrich VII. Reuss zu K\u00f6stritz Vorstandsvorsitzender der \u201eAfrikanischen Gesellschaft in Deutschland\u201c, eines wichtigen Kolonialvereins unter dem pers\u00f6nlichen Protektorat des Gro\u00dfherzogs.<a name=\"_ftnref14\" href=\"#_ftn14\">[14]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur die Frauen des Weimarer Hofes waren dem Kolonialismus zugewandt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso wie seine Schwestern wendete sich auch der einzige Sohn Carl Alexanders und Erbgro\u00dfherzog, Carl August (1844\u20131894), dem Kolonialismus mit gro\u00dfem Interesse zu. Ebenso wie sein Vater stand auch er im Briefwechsel mit dem deutschen Kolonialakteur Adolf L\u00fcderitz.<a name=\"_ftnref15\" href=\"#_ftn15\">[15]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Carl Bernhard: Carl Alexanders koloniales Vorbild?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Dass der Kolonialgedanke sprichw\u00f6rtlich in der gro\u00dfherzoglichen Familie liegt, l\u00e4sst ein Blick auf die Vorfahren Carl Alexanders vermuten. Sein Onkel, Carl Bernhard (1792-1862), hatte bereits 1848 als General in Holl\u00e4ndisch-Ostindien Kolonialerfahrung gesammelt und kehrte 1853 gar als Generalgouverneur von Niederl\u00e4ndisch-Indien aus Batavia zur\u00fcck.<a name=\"_ftnref16\" href=\"#_ftn16\">[16]<\/a> Sein Neffe, Carl Alexander, ehrte ihn seiner Zeit durch das Ausstellen von Bernhards niederl\u00e4ndischem Ehrendegen in der geschichtstr\u00e4chtigen Kapelle der Wartburg, den Bernhard zuvor durch \u201ebesondere Verdienste um die holl\u00e4ndischen Kolonien erworben hatte\u201c [Zitat nach Oberburghauptmann H. Lukas von Cranach].<a name=\"_ftnref17\" href=\"#_ftn17\">[17]<\/a> Durch die Platzierung des Degens an der Stelle, wo auch Martin Luther zuvor gebetet hatte, stilisierte Carl Alexander seinen Onkel als \u201eruhmreiche[n] K\u00e4mpfer f\u00fcr den Protestantismus.\u201c<a name=\"_ftnref18\" href=\"#_ftn18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kolonialismus ist nicht Vergangenheit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Einige Teile des an der Nordseite des idyllischen Weimarer Ilmparks gelegenen Schlosses befinden sich noch bis voraussichtlich 2030 in Renovation. Bis zur geplanten Fertigstellung soll es, nach Angabe der Klassik Stiftung Weimar auf ihrer Website, eine \u201ev\u00f6llig neu konzipierte Ausstellung geben\u201c.<a name=\"_ftnref19\" href=\"#_ftn19\">[19]<\/a> Ob diese auch auf die koloniale Geschichte der F\u00fcrstenfamilie hinweisen wird, bleibt abzuwarten. Die Erinnerungsorte wie auch das koloniale Gedankengut sind auch im Jahre 2020 noch pr\u00e4sent. In Anbetracht des immer noch weitgehend unaufgearbeiteten Kolonialrassismus in Deutschland ist festzustellen: Nie war das Erinnern an die (inter)nationale wie auch regionale Kolonialgeschichte wichtiger als heute.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zitiert nach R\u00f6\u00dfner, A.: Weimar, Wartburg, Windhuk &#8211; Carl Alexanders &#8222;warmes Herz&#8220; f\u00fcr die deutsche Kolonialpolitik. In: Ehrlich, L.; Ulbricht, J. H. (Hrsg.) (2004): Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach. Erbe, M\u00e4zen und Politiker. K\u00f6ln: B\u00f6hlau Verlag, S. 61.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Merseburger, P. (2013): Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht. M\u00fcnchen: Pantheon Verlag. S. 232.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. R\u00f6\u00dfner (2004), S. 60.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Zitiert nach R\u00f6\u00dfner (2004), S. 60.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Ebd. S. 76.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. R\u00f6\u00dfner (2004) S. 61.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Merseburger (2013), S. 229.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Ebd. S. 229 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. R\u00f6\u00dfner (2004), S. 63.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. Ebd. S. 62.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. Ebd, S. 63.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. Ebd., S. 62.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. R\u00f6\u00dfner (2004), S.62.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Vgl. Ebd., S. 59.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Zitiert nach R\u00f6\u00dfner, Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Zitiert nach R\u00f6\u00dfner, Ebd., S. 60.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.klassik-stiftung.de\/stadtschloss-weimar\/\">https:\/\/www.klassik-stiftung.de\/stadtschloss-weimar\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicholas-Joel Kisling Bei Instagram ansehen Immer wieder schlendern wir, staunend \u00fcber seine sch\u00f6ne Architektur, am Stadtschloss vorbei &#8211; ohne uns dabei Gedanken \u00fcber die koloniale Geschichte und Bedeutung dieses Ortes, insbesondere der f\u00fcrstlichen Residenz und seiner ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner zu machen. 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