{"id":752,"date":"2022-12-14T20:01:07","date_gmt":"2022-12-14T20:01:07","guid":{"rendered":"https:\/\/decolonize-weimar.org\/?page_id=752"},"modified":"2023-01-24T18:24:08","modified_gmt":"2023-01-24T18:24:08","slug":"auf-den-spuren-von-vertragsarbeit-in-weimar","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/decolonize-weimar.org\/en\/karte\/auf-den-spuren-von-vertragsarbeit-in-weimar","title":{"rendered":"Auf den Spuren von Vertragsarbeit in Weimar"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"has-text-align-right wp-block-heading\">Marie G\u00fcnther und Josepha Kirchner<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"602\" height=\"602\" src=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/map-preview-ket.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-768\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/map-preview-ket.png 602w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/map-preview-ket-300x300.png 300w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/map-preview-ket-150x150.png 150w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/map-preview-ket-12x12.png 12w\" sizes=\"auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Auf der Suche nach Lebensbedingungen und -erfahrungen ehemaliger sogenannter \u201eVertragsarbeiter*innen\u201c<sup><a href=\"#_ftn1\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/sup> zur DDR-Zeit haben wir, Studentinnen der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar, in Stadt- und Landesarchiv gegraben, Zeitungsartikel gesichtet, einen Zeitzeug*innen-Aufruf geschaltet, aber auch in der gebauten Umwelt nach materiellen Spuren gesucht. Dabei sind wir auf zwei ehemalige Wohnheime f\u00fcr Vertragsarbeiter*innen in der Buttelstedter Stra\u00dfe in Weimar-Nord gesto\u00dfen. Nach einem Monat weiterer Recherche haben wir entdeckt, dass die beiden Wohnheime sogar auf dem Einband der Betriebschronik des ehemaligen <em>VEB Weimar-Werk<\/em> abgebildet sind (siehe Abb.1 n\u00f6rdlich der gro\u00dfen <em>KET<\/em>-Halle). Heute steht noch eines der beiden ehemaligen Wohnheime in der Buttelstedter Stra\u00dfe 90, das momentan durch das <em>Deutsche Erwachsenen-Bildungswerk<\/em> (DEB) als Ausbildungsst\u00e4tte genutzt wird.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"760\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-kombinat-landmaschinen-760x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-753\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-kombinat-landmaschinen-760x1024.png 760w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-kombinat-landmaschinen-223x300.png 223w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-kombinat-landmaschinen-768x1035.png 768w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-kombinat-landmaschinen-9x12.png 9w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-kombinat-landmaschinen.png 778w\" sizes=\"auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1: VEB Weimar-Werk, Aus: VEB Weimar-Werk,<br>Kombinat Fortschritt Landmaschinen,1952-82.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In der Weimarer Erinnerungskultur sind Geschichten von ehemaligen Vertragsarbeitenden bislang nicht repr\u00e4sentiert, doch waren laut der Betriebschronik des ehemaligen <em>VEB Weimar-Werk<\/em>, einem der gr\u00f6\u00dften Industriebetriebe f\u00fcr Landmaschinen der DDR, zwischen 1970 und 1980 bis zu 500 sogenannte \u201eausl\u00e4ndische Werkt\u00e4tige\u201c aus Polen, Ungarn, Mosambik und Algerien im Betrieb t\u00e4tig.<a href=\"#_ftn2\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> 1990 hei\u00dft es in einem Artikel der <em>Th\u00fcringer Allgemeinen<\/em>, dass 600 Mosambikaner*innen und Kubaner*innen im Weimar-Werk arbeiteten, \u201eum die Produktion aufrecht zu erhalten\u201c.<a href=\"#_ftn3\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a><br>Vertragsarbeitende wurden aus unterschiedlichen L\u00e4ndern &#8211; zuerst etwa aus Polen und Ungarn und ab den 1970er Jahren auch aus Vietnam, Mosambik, Angola, Kuba und Algerien &#8211; angeworben, um den Arbeitskr\u00e4ftemangel in der DDR-Wirtschaft zu beheben. Gleichzeitig profitierten die Entsendel\u00e4nder ebenso wirtschaftlich von Vertragsarbeitenden, da in vielen dieser Staaten infolge von neokolonialer Ausbeutung gro\u00dfe Arbeitslosigkeit herrschte und Teile des Einkommens der Arbeiter*innen an die Entsendestaaten zur\u00fcckgezahlt werden mussten.<a href=\"#_ftn4\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Dadurch, dass die vertrags-rechtlichen Vereinbarungen mit dem jeweiligen Land und der DDR unterschiedlich ausfielen, gestalteten sich auch die Lebensbedingungen und -erfahrungen der Vertragsarbeiter*innen unterschiedlich.<a href=\"#_ftn5\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In den 1960er Jahren wurden Menschen noch mit dem Versprechen einer beruflichen Ausbildung angeworben, um in der DDR zu arbeiten.<a href=\"#_ftn6\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Nach den Ausbildungen sollten die Arbeitsmigrant*innen \u201edie sozialistischen Wirtschaften in den Herkunftsl\u00e4ndern entwickeln\u201c.<a href=\"#_ftn7\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> Die \u201eAnwerbung zur Qualifizierung blieb [jedoch] oft nur ein Alibi\u201c<a href=\"#_ftn8\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> und wurde besonders ab den 1980er Jahren in vielen F\u00e4llen durch harte k\u00f6rperliche Arbeit ersetzt, f\u00fcr die in der DDR immer weniger Bereitschaft vorhanden war.<a href=\"#_ftn9\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die DDR stellte sich gerne als entwicklungspolitische Ausbildungswerkst\u00e4tte der Arbeiter*innen dar, da viele aus L\u00e4ndern kamen, in denen Krieg herrschte, wie etwa die Unabh\u00e4ngigkeitskriegen in verschiedenen afrikanischen Staaten oder der Vietnamkrieg. Dass es jedoch unter dem Deckmantel eines anti-imperialen Kampfes auch koloniale und rassistische Denk- und Verhaltensmuster innerhalb der DDR gab, zeigen neben Berichten von Alltagsrassismus auch einige rassistische Anschl\u00e4ge, wie zum Beispiel die Hetzjagd in Erfurt im Jahr 1975.<a href=\"#_ftn10\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Thema in diesem Artikel sind die Wohn- und Arbeitsbedingungen von Vertragsarbeitenden in Weimar, die noch nicht systematisch erforscht wurden. Die zur DDR-Zeit \u00fcbliche funktionale Einheit \u201eWohnen-Arbeiten\u201c sollte den Alltag von Vertragsarbeitenden in besonderem Ausma\u00df strukturell rahmen.<a href=\"#_ftn11\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Das zeigt unter anderem die Geschichte eines ehemaligen Bewohners namens Eustaquio C\u00e9sar do Amaral, der als einer der ersten mosambikanischen Vertragsarbeiter in den 1980er Jahren im Weimar-Werk. Anhand seiner pers\u00f6nlichen Geschichte, die wir aus Zeitungsartikeln fragmentiert \u00fcberliefert bekommen haben, werden viele Dimensionen deutlich, wie sich das Wohnen und Arbeiten als Vertragsarbeiter in Weimar gestaltet haben kann. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geschichte des VEB Weimar-Werk<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"738\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-weimar-wek-738x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-754\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-weimar-wek-738x1024.png 738w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-weimar-wek-216x300.png 216w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-weimar-wek-9x12.png 9w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/veb-weimar-wek.png 752w\" sizes=\"auto, (max-width: 738px) 100vw, 738px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2: VEB Weimar-Werk, Aus: VEB Weimar-Werk,<br>Kombinat Fortschritt Landmaschinen, 1952-82.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In der Forschung \u00fcber Vertragsarbeiter*innen befinden wir uns thematisch nicht nur im Feld der Migrationsforschung, sondern auch im Bereich von <em>labour history<\/em>,<a href=\"#_ftn12\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> Industrie- und Alltagsgeschichte. Bevor wir n\u00e4her auf die Vertragsarbeitenden im Weimar-Werk eingehen, werden im Folgenden Schlaglichter auf die etwa einhundertj\u00e4hrige Geschichte des \u00e4ltesten Industriestandortes in Weimar geworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Werk f\u00fcr Waggon-Bau in der Buttelstedterstra\u00dfe gegr\u00fcndet, um G\u00fcterwaggons zu produzieren. Um die Jahrhundertwende gab es einen \u00dcbergang zur Produktion von Stra\u00dfenbahnwagen, Gep\u00e4ck- und Personenwagen. 1936 wurde die Waggonwagenfabrik in eine Waffenfabrik umgebaut und in Fritz-Sauckel-Werk umbenannt. Es folgten Erweiterungen des Betriebsgel\u00e4ndes in den 1930er und fr\u00fchen 1940er Jahre um eine Werkzeugmaschinenfabrik n\u00f6rdlich der Kromsdorfer Stra\u00dfe. In den beiden Fabriken, dem \u201eOstarbeitslager\u201c von Buchenwald und weiteren Werkhallen auf dem Ettersberg wurden unter Einsatz von Zwangsarbeit R\u00fcstungsg\u00fcter produziert.<a href=\"#_ftn13\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Es wird deutlich, wie die Industrie in Weimar-Nord und Buchenwald immer engmaschiger verkn\u00fcpft wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Zerst\u00f6rung eines gro\u00dfen Teils der Werke im Zweiten Weltkrieg wurde die ehemalige Waggonwagen-Fabrik im Jahr 1952 von der DDR-Administration zum volkseigenen Betrieb erkl\u00e4rt und in <em>VEB Waggonbau Weimar<\/em> umbenannt. Ein Jahr sp\u00e4ter wurden unter dem Namen <em>VEB M\u00e4hdrescher-Werk<\/em> verschiedene Landwirtschaftsmaschinen angefertigt. 1964 wurde das erneut umbenannte <em>VEB Weimar-Werk<\/em> Teil des \u00fcberregionalen Kombinats Fortschritt Landmaschinen. Im Jahr 1990 erkl\u00e4rte das Weimar-Werk den Austritt aus dem Kombinat und wurde durch die Treuhandanstalt in mehrere kleine Tochterunternehmen aufgeteilt. Es folgten eine Reihe von Privatisierungen einzelner Gesch\u00e4ftszweige.. In Hochzeiten waren im Betrieb etwa 5000 Mitarbeitende besch\u00e4ftigt.<a href=\"#_ftn14\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass Vertragsarbeitende nur an wenigen Stellen in der Betriebschronik des Weimar-Werks auftauchen, ansonsten in der gesamten betrieblichen historischen Aufarbeitung ausgelassen werden, obwohl das Schichtsystem ohne sie zusammengebrochen w\u00e4re, wie es in einem Artikel der <em>Th\u00fcringer Allgemeinen<\/em> aus dem Jahr 1990 hei\u00dft.<a href=\"#_ftn15\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vertragsarbeiter*innen am Weimar-Werk<\/h2>\n\n\n\n<p>Um den in der Betriebschronik des Weimar-Werk und in <em>Th\u00fcringer Allgemeinen<\/em> 500 bis 600 genannten Arbeiter*innen weiter nachzugehen, haben wir verschiedene Quellen aus dem Stadtarchiv Weimar gesichtet. In der w\u00f6chentlichen Betriebszeitung <em>Der Landmaschinenbauer <\/em>wird berichtet, dass bereits im Jahr 1969 Menschen aus Ungarn in das Weimar-Werk kamen, um dort zu arbeiten.<a href=\"#_ftn16\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> Im Zeitraum zwischen 1969 und 1990 waren nach Angaben der Betriebszeitung Arbeiter*innen aus Polen, Algerien, Ungarn, Mosambik, Vietnam, Namibia und Kuba im Weimar-Werk besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Akte des Amts f\u00fcr Arbeit und L\u00f6hne wird festgestellt, dass es im Jahr 1973 \u201eein Fehl von 100 Produktionsarbeitern\u201c und eine \u201eUnterschreitung des Arbeitskr\u00e4fteplans\u201c im <em>VEB Weimar-Kombinat <\/em>gab.<a href=\"#_ftn17\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> Aus diesem Grund sollten im gleichen Jahr zus\u00e4tzlich Arbeitskr\u00e4fte aus Polen angeworben werden. Daraufhin arbeiteten zwischen 1971 und 1974 insgesamt 170 polnische Werkt\u00e4tige im Weimar-Werk.<a href=\"#_ftn18\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn18\"><sup>[18]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1981 kamen laut dem <em>Landmaschinenbauer<\/em> auf Grundlage des sogenannten \u201eFreundschaftsvertrages\u201c zwischen Mosambik und der DDR \u201e150 junge Afrikaner\u201c f\u00fcr vier Jahre ans Weimar-Werk gekommen. Sie sollten zu Fachkr\u00e4ften des Landmaschinenbaus ausgebildet werden und als Gie\u00dfereiarbeiter*in, Schwei\u00dfer*in, Dreher*in, Bohrer*in, Fr\u00e4ser*in, Blechumformer*in, Farbgeber*in, Kranfahrer*in oder Transportarbeiter*in t\u00e4tig werden.<a href=\"#_ftn19\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erster Weimar-Werker aus Mosambik: Eustaquio C\u00e9sar do Amaral<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gibt die pers\u00f6nliche Geschichte von Eustaquio C\u00e9sar do Amaral, der laut einem Artikel in der <em>Th\u00fcringer Allgemeinen<\/em> zu \u201ejener Gruppe M\u00e4nner [aus Mosambik] geh\u00f6rte, die 1981 ins Weimar-Werk kamen, um hier zu arbeiten.\u201c<a href=\"#_ftn20\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> \u00dcber seine Arbeit berichtet er selbst: \u201eIch habe gefr\u00e4st ohne Ende, das war meine Spezialit\u00e4t. Ohne die Wende w\u00e4re ich Meister geworden. Danach habe ich noch einen Schwei\u00dfer-Lehrgang gemacht.\u201c<a href=\"#_ftn21\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn21\"><sup>[21]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Eustaquio C\u00e9sar do Amaral wohnte im n\u00f6rdlichen Block an der Buttelstedter Stra\u00dfe. Ein damaliger Freund, Bernd Patzig, erinnert sich daran, dass Herr Amaral aus dem Wohnheim ausziehen wollte.<a href=\"#_ftn22\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Wie viele andere auch, erlebte Eustaquio rassistische Anfeindungen, die sich zum Beispiel darin \u00e4u\u00dfern konnten, dass Gastronom*innen die Reserviert-Schilder auf den Tisch stellten, wenn Mosambikaner*innen ein Lokal betraten. In der Gartenkneipe in Weimar-Nord und im Euro-Caf\u00e9 in Weimar war er jedoch willkommen, laut eigenen Angaben in der <em>Th\u00fcringer Allgemeinen.<\/em><a href=\"#_ftn23\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn23\"><sup>[23]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Wende sei den Arbeiter*innen 3000 DM f\u00fcr eine Heimkehr angeboten worden. \u201e3000 Mark, das war viel Geld da unten. Ich blieb trotzdem, ich habe Weimar ins Herz geschlossen.\u201c<a href=\"#_ftn24\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn24\"><sup>[24]<\/sup><\/a> Au\u00dferdem habe er Familie in Weimar, zwei Kinder und seine Frau. Wie viele andere auch, verlor Herr Amaral seinen Arbeitsplatz nach 1989 und musste mit anderen um Arbeitspl\u00e4tze konkurrieren.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">\u201eViele verloren ihr Aufenthaltsrecht, Bobby [wie Herr Amaral auch genannt wurde,] sch\u00fctzte die bereits damals lange Zeit, die er in Weimar lebte. Ein St\u00fcck DDR-Vergangenheit lie\u00df ihn derweil nicht los. Auch er hoffte noch auf seinen Teil des in der DDR einbehaltenen Lohns der Vertragsarbeiter, mit dem zwischen beiden L\u00e4ndern noch vor der Wiedervereinigung Schulden von Mosambik [in der DDR] beglichen wurden.\u201c<a href=\"#_ftn25\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn25\"><sup>[25]<\/sup><\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Trotzdem fand er letztendlich wieder im ehemaligen Weimar-Werk, in der heutigen Hydrema-Produktion, Arbeit. Zudem war er vier Jahre im Stra\u00dfenbau besch\u00e4ftigt. Im Jahr 2016 ist Eustaquio C\u00e9sar Do Amaral mit nur 56 Jahren verstorben. Seine Geschichte ber\u00fchrt viele Aspekte des Lebens, Wohnens und Arbeitens eines ehemaligen Weimar-Werkers. Da auch andere Vertragsarbeiter*innen &#8211; die wenigen, die scheinbar in Weimar geblieben sind<a href=\"#_ftn26\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn26\"><sup>[26]<\/sup><\/a> &#8211; mittlerweile in einem h\u00f6heren Alter sein m\u00fcssten, ist es um so wichtiger heute nach ihnen zu fragen und ihre Geschichten zu sammeln, da diese Zeitzeug*innen in Zukunft fehlen werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Arbeitsbedingungen von Vertragsarbeiter*innen und ihre betriebliche Darstellung im Weimar-Werk<\/h2>\n\n\n\n<p>Ankn\u00fcpfend an die pers\u00f6nliche Geschichte von Eustaquio C\u00e9sar do Amaral gehen wir auf die betriebliche Darstellung der Arbeiter*innen in der w\u00f6chentlichen Betriebszeitung <em>Der Landmaschinenbauer<\/em> weiter ein und ordnen diese kritisch ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeitung diente unter anderem der Darlegung der Betriebsentwicklung, geplanten Umstrukturierungen und Herausforderungen f\u00fcr die Mitarbeitenden des Betriebes. Viel Raum nimmt die Beschreibung der Planvorhaben und M\u00f6glichkeiten der Produktivit\u00e4tssteigerung und die Auszeichnung von Arbeiter*innen ein.<a href=\"#_ftn27\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn27\"><sup>[27]<\/sup><\/a> Die Betriebszeitung ist, wie der Untertitel <em>Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar-Werk<\/em> in den 1980er Jahren deutlich signalisiert, auch ein Medium der <em>Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands<\/em> (SED) zur propagandistischen Einflussnahme. Entsprechend muss auch die Darstellung der Vertragsarbeitenden eingeordnet werden. Das wirtschaftliche Interesse zur Behebung des Mangels an Arbeitskr\u00e4ften wird von einer Rhetorik der internationalen Solidarit\u00e4t mit den \u201esozialistischen Bruderl\u00e4ndern\u201d und dem \u201eproletarischen Internationalismus\u201d begleitet. Es wurden Solidarit\u00e4tsbasare und -erkl\u00e4rungen &#8211; beispielsweise f\u00fcr den \u201ebewaffneten Befreiungskampf in Namibia, als Volkswiderstand gegen koloniale Unterdr\u00fcckung\u201d<a href=\"#_ftn28\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn28\"><sup>[28]<\/sup><\/a> organisiert, wodurch die ideologische Rahmung deutlich wird. Aussagen \u00fcber eine tats\u00e4chlich gelebte Solidarit\u00e4t unter den Arbeiter*innen -abseits der Spendenbereitschaft &#8211; lassen sich mit diesen Beitr\u00e4gen nur schwer rekonstruieren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"731\" src=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/landmaschinenbauer.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-755\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/landmaschinenbauer.png 1024w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/landmaschinenbauer-300x214.png 300w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/landmaschinenbauer-768x548.png 768w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/landmaschinenbauer-16x12.png 16w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 3: Fotografie von Josepha Kirchner. M\u00e4rz 2022. W\u00f6chentliche Betriebszeitung: <em>Der Landmaschinenbauer<\/em> des <em>VEB Weimar-Werk<\/em> aus dem Stadtarchiv Weimar.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Zu Beginn des Einsatzes der sogenannten \u201eausl\u00e4ndischen Werkt\u00e4tigen\u201c in den 1970er Jahren wird die Belegschaft des Weimar-Werkes \u00fcber die Anzahl der Vertragsarbeitenden, die geplante Dauer ihres Aufenthalts und die zugrundeliegenden vertraglichen Vereinbarungen mit den jeweiligen Entsendel\u00e4ndern informiert. Die neuen Mitarbeiter*innen aus den Vertragsl\u00e4ndern werden dabei auf eine blo\u00dfe Zahl beziehungsweise einen b\u00fcrokratischen Akt reduziert. Begleitet werden diese Informationen durch die Betonung der \u201efreundschaftlichen Beziehung\u201d<a href=\"#_ftn29\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn29\"><sup>[29]<\/sup><\/a> und die ideologische Verbundenheit zwischen dem jeweiligen Entsendeland und der DDR. Ab den 1980er Jahren wird die Berichterstattung erweitert. Neben Fotos werden nun auch die Namen der Vertragsarbeitenden erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Leben der Vertragsarbeitenden war haupts\u00e4chlich durch die Arbeit im Dreischichtsystem bestimmt. Ihre T\u00e4tigkeit im Betrieb wurde unterschiedlich entlohnt. Je nach Vereinbarungen mit den Entsendel\u00e4ndern lassen sich hier Unterschiede f\u00fcr die gleiche Arbeitsleistung ausmachen. In der Vereinbarung mit Mosambik beispielsweise wurde direkt von den Betrieben ein sogenannter Transferpflichtbetrag vom Lohn abgezogen und an das DDR-Finanzministerium \u00fcberwiesen, um mit diesem die Staatsschulden von Mosambik zu verrechnen. Im Zeitraum von 1979 bis 1985 belief sich der Abzug des Lohnes auf 25 Prozent. Ab 1986 wurden oberhalb eines Sockelbetrags von 350 DDR-Mark sogar 60 Prozent als Transferpflichtbetrag einbehalten.<a href=\"#_ftn30\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn30\"><sup>[30]<\/sup><\/a> Dies stellte eine gesamtstaatliche Regelung dar, von der somit auch die Vertragsarbeitenden des Weimar-Werks betroffen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Berichten aus den 1980er Jahren ist dar\u00fcber hinaus zu entnehmen, dass ein Deutschlehrgang in Kooperation mit der Weimarer Volkshochschule vorgesehen war.<a href=\"#_ftn31\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn31\"><sup>[31]<\/sup><\/a> Die genaue Umsetzung und ob alle Vertragsarbeitenden an diesen teilgenommen haben, bleibt unklar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gewerkschaftliche Organisation<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Februar 1976 wurde in der Betriebszeitung des Weimar-Werkes erstmalig die Aufnahme von 74 algerischen Werkt\u00e4tigen in den <em>Freien Deutschen Gewerkschaftsbund <\/em>(FDGB) benannt.<a href=\"#_ftn32\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn32\"><sup>[32]<\/sup><\/a> Der FDGB als die Dachorganisation der Gewerkschaften in der DDR, war bezirklich und in den Kreisen organisiert. In den Betrieben agierte die Betriebsgewerkschaft. Die <em>Betriebsgewerkschaftsleitung<\/em> (BGL) wurde von der Kreisgewerkschaftsorganisation beraten und unterst\u00fctzt.<br>Aus dem Bericht zur Sekretariatssitzung des Kreisvorstands des FDGB am 7. Dezember 1978 geht hervor, dass der Vorsitzende der polnischen Gewerkschaftsleitung und der Vorsitzende der algerischen Gewerkschaftsleitung Aberrahmane Benhaouche beide gew\u00e4hlte Mitglieder der Betriebsgewerkschaftsleitung waren.<a href=\"#_ftn33\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn33\"><sup>[33]<\/sup><\/a> Die BGL galt nicht nur als Ansprechpartner*in f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten und die Betriebsleitung, sondern hatte auch die Aufgabe, die Vertragsarbeitenden mit dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben und der historischen Entwicklung der DDR vertraut zu machen. In diesem Rahmen wurden, laut den Akten, Veranstaltungen wie Filmvorf\u00fchrungen, Exkursionen, Foren, Freundschaftstreffen und Sportveranstaltungen organisiert.<a href=\"#_ftn34\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn34\"><sup>[34]<\/sup><\/a> Ebenfalls ist aus dem Bericht zu entnehmen, dass 1978 alle 112 algerischen Vertragsarbeitenden im Weimar-Werk Mitglied des FDGB waren und die Aufnahme der Neueingereisten bereits geplant war. Von den Vertragsarbeiter*innen aus Polen waren im selben Jahr 117 der 126 Arbeiter*innen im FDGB. Mit der Aufnahme in den FDGB gingen Schulungen \u00fcber die Gewerkschaftsarbeit und die Rechte und Pflichten der Mitglieder einher.<a href=\"#_ftn35\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn35\"><sup>[35]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Betriebszeitung <em>Der Landmaschinenbauer<\/em> ist zu entnehmen, dass im September 1981 114 algerische Mitarbeitende zusammenkamen, um ihre neue Gewerkschaftsleitung zu w\u00e4hlen.<a href=\"#_ftn36\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn36\"><sup>[36]<\/sup><\/a> Als neuer Vorsitzender wurde F. Rout gew\u00e4hlt, der damit den ehemaligen Vorsitzenden Aberrahmane Benhaouche abl\u00f6ste. Dieser hatte 1976 die Leitung f\u00fcr f\u00fcnf Jahre \u00fcbernommen.<a href=\"#_ftn37\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn37\"><sup>[37]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Mai 1981 wurden 150 Menschen aus Mosambik in den FDGB aufgenommen. F\u00fcr die Gewerkschaftswahlen 1989 wurde Francisco Duave als Vertreter f\u00fcr die mosambikanischen Werkt\u00e4tigen best\u00e4tigt. Er war zu dieser Zeit bereits seit zwei Jahren als gew\u00e4hltes Gewerkschaftsmitglied in der Betriebsgewerkschaftsleitung aktiv.<a href=\"#_ftn38\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn38\"><sup>[38]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Abseits der gewerkschaftlichen Organisierung im FDGB gibt es Hinweise, dass sich Vertragsarbeitende in der DDR f\u00fcr die Verbesserung der Arbeits- und Wohnbedingungen organisiert haben.<a href=\"#_ftn39\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn39\"><sup>[39]<\/sup><\/a> Aus anderen Betrieben wie beispielsweise in Erfurt ist jedoch auch bekannt, dass die \u201eausl\u00e4ndischen Werkt\u00e4tigen\u201d unter strenger Beobachtung des <em>Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit<\/em> (MfS) standen und bei Vergehen ausgewiesen werden konnten.<a href=\"#_ftn40\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn40\"><sup>[40]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kontinuit\u00e4t kolonialer und rassistischer Denkmuster in der Betriebszeitung<\/h2>\n\n\n\n<p>Bereits in der Verwendung des Begriffs \u201eausl\u00e4ndische Werkt\u00e4tige\u201c spiegelt sich eine Unterscheidung und Abgrenzung zwischen DDR-B\u00fcrger*innen und Vertragsarbeitenden wider. Sie werden zu \u201eAnderen\u201d gemacht \u2013 vergleichbar mit dem in der Bundesrepublik verwendeten Begriff der sogenannten \u201eGastarbeiter*innen\u201c. Mit dieser Unterscheidung geht eine Wertigkeit der Herkunft und Erkl\u00e4rung \u00fcber gesellschaftlicher Zugeh\u00f6rigkeit einher, die Ungleichheit schafft.<a href=\"#_ftn41\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn41\"><sup>[41]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Somit ist es nicht verwunderlich, dass die verwendeten bildlichen und sprachlichen Darstellungen von Vertragsarbeitenden in der Betriebszeitung diskriminierende und rassistische Stereotype reproduzieren. Im Weiteren werden Ausz\u00fcge aus den gefundenen Zeitungsartikeln dargelegt, die rassistische \u00c4u\u00dferungen beinhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit Vertragsarbeitenden aus Mosambik finden sich Aussagen wie: \u201e[Sie] sind st\u00e4ndig bem\u00fcht, sich unserer Lebensweise anzupassen.\u201c<a href=\"#_ftn42\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn42\"><sup>[42]<\/sup><\/a> Mosambik wird im weiteren Verlauf als \u201er\u00fcckst\u00e4ndig\u201c beschrieben und die in der DDR erhaltene Ausbildung soll zum \u201eSieg \u00fcber diese R\u00fcckst\u00e4ndigkeit beitragen\u201d.<a href=\"#_ftn43\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn43\"><sup>[43]<\/sup><\/a> Die im Werkzeugbau besch\u00e4ftigten kubanischen Mitarbeitenden werden als Menschen mit geringeren (Fach-)Kenntnissen dargestellt: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">\u201eMit anderer Mentalit\u00e4t und Kenntnis als ihre deutschen Kollegen ausger\u00fcstet, m\u00fchen sie sich um gute Ergebnisse in ihrer t\u00e4glichen Arbeit, die als Einzelresultat auch in das Gesamtergebnis unserer Planerf\u00fcllung des Betriebs einflie\u00dfen.\u201c<a href=\"#_ftn44\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn44\"><sup>[44]<\/sup><\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diese rassistischen und im Kolonialdenken verhafteten Kommentare festigten sicherlich auch den Alltagsrassismus, den viele Vertragsarbeiter*innen erfahren mussten. Zudem \u00e4u\u00dfern sich rassistische Stereotype durch staatliche Richtlinien und Informationen \u201ezu einigen Besonderheiten und Lebensgewohnheiten\u201c, wie sie beispielsweise \u00fcber Algerier*innen im <em>VEB Bau-Reparaturkombinat <\/em>verteilt wurden.<a href=\"#_ftn45\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn45\"><sup>[45]<\/sup><\/a> Diese Informationen \u00fcber Algerier*innen sollten bei den Arbeiter*innen im Betrieb zu \u201egro\u00dfem Verst\u00e4ndnis\u201c beitragen. Sie sollten nachsichtig und vorsichtig sein, weil sie \u201eaus einem anderen Land kommen, das durch den Imperialismus unterdr\u00fcckt und ausgebeutet wurde.\u201c<a href=\"#_ftn46\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn46\"><sup>[46]<\/sup><\/a><br><br>Durch die aufgef\u00fchrten Zitate wird deutlich, dass Rassismen und koloniale Z\u00fcge auch im sogenannten \u201esozialistischen Fortschrittsgedanken\u201c fortbestehen. Dieser basierte vor allem darauf, dass die Arbeiter*innen nach ihrer R\u00fcckkehr im Herkunftsland den Sozialismus aufbauen sollten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zwischen den Wohnzeilen: Wohnbedingungen von Vertragsarbeiter*innen und die Wohnheime in Weimar<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">\u201eEinerseits galten Arbeiter und damit auch \u201aausl\u00e4ndische Werkt\u00e4tige\u2018 w\u00e4hrend der DDR als wichtiger Teil der sozialistischen Gemeinschaft [\u2026]. Andererseits hatte der nicht erw\u00fcnschte Kontakt der ausl\u00e4ndischen \u201aWerkt\u00e4tigen\u2018 zur DDR-Bev\u00f6lkerung eine \u201akonzentrierte wohnraumm\u00e4\u00dfige Unterbringung in Arbeiterwohnheimen\u2018 zur Folge. Die viel gepriesene Formel des proletarischen Internationalismus stie\u00df hier sehr deutlich an ihre Grenzen.\u201c<a href=\"#_ftn47\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn47\"><sup>[47]<\/sup><\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Akten aus dem Stadtarchiv haben wenig Aufschluss \u00fcber die Wohnverh\u00e4ltnisse in Weimar gegeben. Aus diesem Grund greifen wir auf wissenschaftliche Forschung zum Thema zur\u00fcck, auch wenn die Wohnbedingungen noch nicht systematisch untersucht worden sind. Die meisten Vertragsarbeiter*innen wohnten in kollektiven Wohnheimen, die einer strengen Reglementierung unterlagen, obwohl es geringf\u00fcgige Ausnahmen gab.<a href=\"#_ftn48\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn48\"><sup>[48]<\/sup><\/a> Neben Pf\u00f6rtner*innen, die das Ein- und Ausgehen kontrollierten, existierte eine strikte Wohnheimordnung, die ein \u201eengmaschiges Netz administrativer Kontrolle\u201c<a href=\"#_ftn49\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn49\"><sup>[49]<\/sup><\/a> zur Folge hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Unterschied zu DDR-Staatsb\u00fcrger*innen ist auff\u00e4llig, dass die Wohnfl\u00e4che f\u00fcr Vertragsarbeitende reduziert war: Im Durchschnitt betrug sie f\u00fcnf Quadratmeter, w\u00e4hrend DDR- Staatsb\u00fcrger*innen im Durchschnitt zw\u00f6lf Quadratmeter erhalten sollten. H\u00e4ufig teilten sich die Arbeiter*innen diese geringe Fl\u00e4che mit anderen Personen. Das Regierungsabkommen mit Vietnam von 1980 sah beispielsweise vor, dass sich bis zu vier Personen ein Zimmer teilen d\u00fcrfen.<a href=\"#_ftn50\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn50\"><sup>[50]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass die Arbeiter*innen meistens unter sich oder mit Arbeiter*innen anderer Herkunftsl\u00e4nder zusammenlebten, getrennt nach Geschlecht. \u201eDieses Regime sollte gew\u00e4hrleisten, dass sich die \u201aGastarbeiter\u2018 nicht allzu sehr in den Alltag des Gastlandes integrieren konnten und nicht unter den Einfluss des anderen Geschlechts \u201ageraten\u2018 sollten.\u201c<a href=\"#_ftn51\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn51\"><sup>[51]<\/sup><\/a> Insbesondere Liebesbeziehungen mit DDR- Staatsb\u00fcrger*innen, aber auch untereinander, wurden untersagt.<a href=\"#_ftn52\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn52\"><sup>[52]<\/sup><\/a> Eine Schwangerschaft bedeutete f\u00fcr vietnamesische Frauen, dass sie entweder in das Herkunftsland zur\u00fcckkehren oder abtreiben mussten. Eine Zeitzeugin erz\u00e4hlt dramatische Geschichten von versteckten Schwangerschaften in den vier W\u00e4nden des Wohnheims.<a href=\"#_ftn53\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn53\"><sup>[53]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg zwischen Betrieb und dem Wohnheim sollte m\u00f6glichst kurz sein. In einigen F\u00e4llen haben die Betriebe \u2013 wie auch im Fall von Weimar \u2013 die Heime selbst erbaut. In einem Neubau unterzukommen war damals nachgefragt, weswegen Ger\u00fcchte von angeblich luxuri\u00f6sen Wohnbedingungen f\u00fcr Vertragsarbeitende im Umlauf waren. Die isolierte Lage der Wohnheime um die Betriebe oder sogar auf dem Betriebsgel\u00e4nde hat sicherlich einen Teil zu den kursierenden Ger\u00fcchten \u00fcber Vertragsarbeiter*innen beigetragen. Zudem hatten laut einer Umfrage aus dem Jahr 1990 \u201e60 Prozent der Ostdeutschen keinen pers\u00f6nlichen Kontakt mit Ausl\u00e4ndern und sie wussten wenig \u00fcber sie\u201c. Die Lage der Wohnheime vermag allerdings nicht als Gesamtspiegel der Integration von Vertragsarbeiter*innen in der DDR-Gesellschaft dienen, dennoch verr\u00e4t sie einiges \u00fcber sozialr\u00e4umliche Ausgrenzungsmechanismen.<a href=\"#_ftn54\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn54\"><sup>[54]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" src=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/karte-ket-1024x724.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-756\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/karte-ket-1024x724.png 1024w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/karte-ket-300x212.png 300w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/karte-ket-768x543.png 768w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/karte-ket-16x12.png 16w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/karte-ket.png 1167w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 4: Eigene Kartendarstellung der KET-Halle (gro\u00dfe Fl\u00e4che), exemplarisch f\u00fcr das gesamte Betriebsgel\u00e4nde des ehemaligen VEB-Weimar Werk, das sich bis zu den Bahnlinien im S\u00fcden erstreckte und dem ehemaligen Wohnheim in der Buttelstedterstra\u00dfe 90 (kleine Fl\u00e4che).<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von einigen Arbeiter*innen wurden die Wohnheime auch als Nischen und Schutzr\u00e4ume wahrgenommen und es gibt Berichte von Menschen, die gern darin gewohnt haben oder mit Kreativit\u00e4t in den restriktiven Strukturen zu leben lernten.<a href=\"#_ftn55\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn55\"><sup>[55]<\/sup><\/a> Wohnheime waren zudem \u201eDreh- und Angelpunkt, in denen Selbsthilfemechanismen organisiert und kommuniziert wurden.\u201c<a href=\"#_ftn56\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn56\"><sup>[56]<\/sup><\/a> Obwohl die Arbeit in den Betrieben intensiv war, machten beispielsweise vietnamesische Vertragsarbeiter*innen Nachtschichten in den Wohnheimen, um durch Nebent\u00e4tigkeiten \u2013 wie dem N\u00e4hen von Jeans \u2013 etwas f\u00fcr sich und die Familie dazu zu verdienen.<a href=\"#_ftn57\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn57\"><sup>[57]<\/sup><\/a><br><br>Wie die Weimarer Wohnheime von den Vertragsarbeiter*innen wahrgenommen wurden, muss noch erhoben werden, insofern sich Zeitzeug*innen und ehemalige Bewohner*innen finden lassen. Die pers\u00f6nliche Geschichte von Eustaquio C\u00e9sar Do Amaral hat jedoch aufgezeigt, dass er aus dem Wohnheim in der Buttelstedter Stra\u00dfe 90 wegziehen wollte und konnte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"794\" height=\"566\" src=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/graubner1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-757\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/graubner1.png 794w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/graubner1-300x214.png 300w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/graubner1-768x547.png 768w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/graubner1-16x12.png 16w\" sizes=\"auto, (max-width: 794px) 100vw, 794px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 5: Fotografie von Anselm Graubner. 1990. Ehemaliges Wohnheim, das sp\u00e4ter abgerissen wurde.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"794\" height=\"568\" src=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/graubner2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-758\" srcset=\"https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/graubner2.png 794w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/graubner2-300x215.png 300w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/graubner2-768x549.png 768w, https:\/\/decolonize-weimar.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/graubner2-16x12.png 16w\" sizes=\"auto, (max-width: 794px) 100vw, 794px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 6: Fotografie von Anselm Graubner. 1990. Ehemaliges Wohnheim, Innenansicht.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In den w\u00f6chentlichen Betriebszeitungen des <em>VEB Weimar-Werkes<\/em> finden sich auch Hinweise auf die Versorgung der Werksangeh\u00f6rigen mit Wohnraum. Von den Wohnheimen f\u00fcr Vertragsarbeitende wird allerdings nur an wenigen Stellen und eher am Rande berichtet. Dies \u00e4nderte sich mit dem geplanten Neubau als 3. Unterkunft f\u00fcr \u201eausl\u00e4ndische Werkt\u00e4tige\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund eines akuten Mangel an Arbeitskr\u00e4ften wurden \u201ezur Sicherung der Arbeitskr\u00e4ftebilanz im VEB Weimar-Werk kurzfristig 200 ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte zugef\u00fchrt.\u201c<a href=\"#_ftn58\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn58\"><sup>[58]<\/sup><\/a> Als tempor\u00e4re Unterbringungsm\u00f6glichkeit wurde 1987 das ehemalige Ringhotel renoviert. Eine zeitlich begrenzte Unterbringung erfolgte auch im Altenwohnheim am Kirschberg.<\/p>\n\n\n\n<p>Der geplante Neubau am Standort der bereits vorhandenen Wohnheime in der Buttelstedter Stra\u00dfe sollte Unterkunft f\u00fcr 220 Menschen bieten. Der Baubeginn war f\u00fcr den 1. Februar 1988 angesetzt und die \u00dcbergabe sollte Ende des Jahres 1989 erfolgen.<a href=\"#_ftn59\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn59\"><sup>[59]<\/sup><\/a> Das dritte Arbeiter*innenwohnheim sollte mit WC, K\u00fcchen, Duschen und Klubr\u00e4umen ausgestattet werden. Im September des Jahres 1988 gab es einen weiteren Bericht \u00fcber den Baufortschritt. Der Rohbau war zu dieser Zeit abgeschlossen.<a href=\"#_ftn60\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn60\"><sup>[60]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">&#8222;Was zu DDR-Zeiten im Verborgenen geschah, n\u00e4mlich die Trennung in Wir und die Anderen, die auch von der Stadtplanung hergestellt worden war, indem sie unsere Wohnheime am Rande der Stadt platzierte, geschah jetzt in aller \u00d6ffentlichkeit. Die Trennung, diese Architektur des Auseinanderhaltens, diese Abschottung von Menschen zeigte nun ihren traurigen Sinn: Denn jetzt, wo man alles sagen durfte, wo man sich nicht mehr verstecken musste, standen die Wohnheime exponiert da.\u201d<a href=\"#_ftn61\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn61\"><sup>[61]<\/sup><\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Mauerfall und damit auch das Ende der volkseigenen Betriebe der ehemaligen DDR hatte zu massiven Ver\u00e4nderungen der Lebensbedingungen von Vertragsarbeiter*innen gef\u00fchrt. Viele Vertragsarbeiter*innen wurden zur\u00fcck in die Herkunftsl\u00e4nder geschickt, andere k\u00e4mpften in den 1990er Jahren f\u00fcr ein Bleiberecht.<a href=\"#_ftn62\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn62\"><sup>[62]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-plain is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">\u201eMit der Wende verloren allerdings fast alle nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern den auch damals noch sehr kosteng\u00fcnstigen Platz im Wohnheim, da diese mit Aufl\u00f6sung der Arbeitsvertr\u00e4ge auch nicht mehr zur Verf\u00fcgung standen. Obwohl manche zun\u00e4chst \u00fcbergangsweise trotz K\u00fcndigung in den Wohnheimen verbleiben konnten, wurden diese jedoch mit Einf\u00fchrung der Marktwirtschaft zun\u00e4chst sehr verteuert und sp\u00e4ter ganz geschlossen. So waren alle gezwungen, sich relativ schnell preisg\u00fcnstigen privaten Wohnraum zu suchen.\u201c<a href=\"#_ftn63\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn63\"><sup>[63]<\/sup><\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die ehemaligen Vertragsarbeitenden gab es keine einheitlichen Regelungen. Vietnamesische Vertragsarbeiter*innen durften nur dann in Deutschland bleiben, wenn sie sich selbstst\u00e4ndig machten.<a href=\"#_ftn64\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn64\"><sup>[64]<\/sup><\/a> Einige Vertragsarbeitende aus Mosambik hingegen mussten zur\u00fcck in ihr Herkunftsland und k\u00e4mpfen noch heute um ihre versprochenen Rentenanwartschaften, nicht gezahlte Lohnanteile und die Kl\u00e4rung von m\u00f6glichen Anspr\u00fcchen auf Entsch\u00e4digungszahlung.<a href=\"#_ftn65\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn65\"><sup>[65]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Tatsache, die nicht nur die Lebenssituation der Vertragsarbeitenden, sondern aller als Migrant*innen gelesenen Menschen nach dem Mauerfall betraf, war die Reihe rassistischer Anschl\u00e4ge, die als Kontinuit\u00e4t von strukturellem Rassismus verstanden werden m\u00fcssen. Allerdings mit gestiegener Gewaltbereitschaft und gr\u00f6\u00dferer \u00d6ffentlichkeit, wie das rassistische Pogrom gegen vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen in Rostock-Lichtenhagen zeigen sollte, bei dem die Wohnheime in Brand gesteckt wurden.<a href=\"#_ftn66\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn66\"><sup>[66]<\/sup><\/a> Als staatliche Intervention erfolgte 1993 eine Asylrechtsversch\u00e4rfung, anstatt sich gegen rechte und rassistische Gewalt zu positionieren, an der Seite der Betroffenen zu stehen und wirksam zum Schutz beizutragen.<a href=\"#_ftn67\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftn67\"><sup>[67]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der in diesem Artikel vorgestellte Eustaquio C\u00e9sar do Amaral und ein weiterer Kollege wurden im Jahr 2006 zu Christi Himmelfahrt in Weimar von einer Gruppe Neonazis brutal angegriffen. Die Th\u00fcringer Allgemeine ging in ihren Artikeln \u00fcber Eustaquio C\u00e9sar do Amaral nicht n\u00e4her auf diese Straftat ein, au\u00dfer dass sie eine Strafverfolgung der T\u00e4ter erw\u00e4hnte. Eine Kontinuit\u00e4t rechter und rassistischer Gewalt und deren Verharmlosung zeigt sich bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit den 1990er Jahren gibt es allerdings auch eine Reihe von (post-)migrantischen Selbstorganisationen in Ostdeutschland, die f\u00fcr ihre Rechte auf die Stra\u00dfe gehen und mehr politische Teilhabe errungen haben. In Erfurt hat sich zum Beispiel der erste sogenannte Ausl\u00e4nderbeirat Ostdeutschlands gegr\u00fcndet, in dem heutzutage auch noch einige ehemalige Vertragsarbeitende aktiv sind.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Artikel enth\u00e4lt Informationen, die einen Zwischenstand (06\/2022) einer vertiefenden Forschungsarbeit zum Thema von Josepha Kirchner im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar darstellen. Beide Autorinnen, Marie G\u00fcnther sowie Josepha Kirchner, m\u00f6chten sich dem Thema weiterhin engagiert widmen und streben eine Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung an, um Geschichten ehemaliger sogenannter Vertragsarbeiter*innen sichtbarer zu machen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Der Begriff \u201eVertragsarbeiter*innen\u201c entstand erst nach der Wende. Das Leben der \u201eausl\u00e4ndischen Werkt\u00e4tigen\u201c, wie sie beispielsweise zu DDR-Zeit genannt wurden, war durch zeitlich begrenzte Arbeitsvertr\u00e4ge fest gerahmt. Der Beitrag fokussiert nicht eine bestimmte herkunftsspezifische Gruppe, da die Untersuchung der Wohn- und Arbeitsstrukturen in der DDR im Vordergrund steht. Zudem sind die herkunftsspezifischen Gruppen in sich heterogen.<br><a href=\"#_ftnref2\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Betriebsparteiorganisation der SED, VEB Weimar-Werk (Hg.): VEB Weimar-Werk, Kombinat Fortschritt Landmaschinen, 1952-82. https:\/\/weimar-werk.de\/1952-1982-festschrift-30-jahre-veb-weimar-werk\/ (Aufruf 02.02.2022). S.46,47.<br><a href=\"#_ftnref3\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> H\u00e4selbarth, Renate: Die machen hier nur Stunk. Ausl\u00e4nder in der DDR. Th\u00fcringer Allgemeine. Februar 1990.<br><a href=\"#_ftnref4\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Vgl. D\u00f6ring, Dr. Hans &#8211; Joachim: Bittere Solidarit\u00e4t, fehlende Anerkennung, offene Rechnungen &#8211; Vertragsarbeiter und Aufarbeitung 3.0, in: Gerbergasse 18 \/ Ausgabe 2\/2019, S. 31.<br><a href=\"#_ftnref5\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Vgl. Zwengel, Almut (Hg.): Die \u201eGastarbeiter\u201c der DDR. Politischer Kontext und Lebenswelt. 2011.S.6,7<br><a href=\"#_ftnref6\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Rabenschlag, Ann-Judith: Arbeiten im Bruderland. Arbeitsmigranten in der DDR und ihr Zusammenleben mit der deutschen Bev\u00f6lkerung, in: Deutschland Archiv, 15.9.2016, Link: www.bpb.de\/233678 (Aufruf 15.01.2022)<br><a href=\"#_ftnref7\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> Plamper, Jan:\u00a0Das neue Wir\u202f: warum Migration dazugeh\u00f6rt\u202f: eine andere Geschichte der Deutschen. Frankfurt am Main: S. Fischer. 2019.\u00a0S.133.<br><a href=\"#_ftnref2\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref2\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Gruner-Domi\u0107, Sandra: Besch\u00e4ftigung statt Ausbildung. Ausl\u00e4ndische Arbeiter und Arbeiterinnen ind er DDR, in: Motte, Ohlinger, Oswald (Hg.): 50 Jahre Bundesrepublik \u2013 50 Jahre Einwanderung. Nachkriegsgeschichte als Migrationsgeschichte, Frankfurt a M.\/New York 1999, S.232.<br><a href=\"#_ftnref9\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> Vgl. Ebd. S.233.<br><a href=\"#_ftnref10\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> Vgl. Giese, Langbein, Rehling: Hetze in Erfurt: Alltagsrassismus als koloniales Erbe. 15.03.2019. https:\/\/decolonizeerfurt.wordpress.com\/hetze-in-erfurt\/ (Aufruf 01.03.2022)<br><a href=\"#_ftnref11\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Vgl. Klessmann, Maria: \u201eWohnen-Arbeiten\u201c Zu den Wohnbedingungen vietnamesischer Vertragsarbeiter in Ost-Berlin. In: Priemel, Kim Christian (Hg.).\u00a0Transit &#8211; Transfer: Politik und Praxis der Einwanderung in der DDR 1945 &#8211; 1990.\u00a0Almanach des Instituts f\u00fcr Angewandte Geschichte. Berlin: be.bra wissenschaft verlag.\u00a02011. S. 193.<br><a href=\"#_ftnref12\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> \u201elabour history\u201c: Ein deutsches begriffliches \u00c4quivalent scheint zu fehlen.<br><a href=\"#_ftnref13\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Vgl. o.A.: Weimar Werk. Weimars \u00e4ltester Industriestandort. o.J.. https:\/\/weimar-werk.de\/die-jahre-1933-1945\/ (Aufruf 28.01.2022)<br><a href=\"#_ftnref14\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> Vgl. o.A.: Weimar Werk. Weimars \u00e4ltester Industriestandort. Entwicklung des Industriestandortes Weimar-Werk. o.J..https:\/\/weimar-werk.de\/ (Aufruf 29.02.2022)<br><a href=\"#_ftnref15\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a> H\u00e4selbarth, Renate: Die machen hier nur Stunk. Ausl\u00e4nder in der DDR. Th\u00fcringer Allgemeine. Februar 1990.<br><a href=\"#_ftnref16\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> Es wurde berichtet, dass seit September 1969 Menschen aus Ungarn im Werk arbeiteten und im Oktober 1970 weitere 40 folgen sollten. Grundlage ist ein Abkommen vom 26. Mai 1967 \u00fcber die zeitweilige Besch\u00e4ftigung zwischen Ungarischen Volksrepublik und der DDR. Vgl. B\u00fcttner, o.A.: Szivesen l\u00e1tott kedves magyar bar\u00e1taim! Herzlich willkommen, ungarische Freunde!, in: Der Landmaschienenbauer Organ der Betriebsparteiorganisation der SED des VEB Weimar-Werk Weimar, 20. Jahrgang Nr. 22, 14.Juni 1969, S.1.Aus Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref17\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> Schreiben vom 12.04.1973, Aus: Stadtarchiv Weimar, Aktenf\u00fchrende Stelle: Amt f\u00fcr Arbeit, Zeitlicher Umfang: 1966-1974. Archivnummer: 2462.<br><a href=\"#_ftnref18\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref18\"><sup>[18]<\/sup><\/a> Schreiben ebd. und vom 29.03.1974 \u201eEinsatz ausl\u00e4ndischer Werkt\u00e4tiger in Betreiben des Bezirkes Erfurt \u2013 VEB Weimar-Werk\u201c. Aus: Stadtarchiv Weimar, Aktenf\u00fchrende Stelle: Amt f\u00fcr Arbeit, Zeitlicher Umfang: 1966-1974. Archivnummer: 2462.<br><a href=\"#_ftnref19\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref19\"><sup>[19]<\/sup><\/a> Vgl. Poschmann, Maria: Mocambiquer schlossen Deutschlehrg\u00e4nge erfolgreich ab, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar Werk, 11\/1981, 1.Juni 1981, S. 6. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref20\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> Baar, Michael: Ein Weimarer und Weimar-Werker aus Maputo, Zum Tod von Bobby Eustaquio C\u00e9sar do Amaral. Er war einer der ersten Vertragsarbeiter in Weimar und arbeitete noch immer in der Hydrema. Th\u00fcringer Allgemeine. 24.3.2016. https:\/\/www.thueringer-allgemeine.de\/leben\/vermischtes\/ein-weimarer-und-weimar-werker-aus-maputo-id221623405.html (Aufruf 15.02.2022)<br><a href=\"#_ftnref21\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> Ebd.<br><a href=\"#_ftnref22\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Vgl. Ebd.<br><a href=\"#_ftnref23\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> Vgl. o.A.: Weimars schwarzer Th\u00fcringer, Der Kneipenstuhl &#8211; ein Thron des Gl\u00fccks, Heute: Eustaquio Cesar do Amaral. Th\u00fcringer Allgemeine, 01.07.2006. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref24\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref24\"><sup>[24]<\/sup><\/a> Baar, Michael: Ein Weimarer und Weimar-Werker aus Maputo, Zum Tod von Bobby Eustaquio C\u00e9sar do Amaral. Er war einer der ersten Vertragsarbeiter in Weimar und arbeitete noch immer in der Hydrema. Th\u00fcringer Allgemeine. 24.3.2016. https:\/\/www.thueringer-allgemeine.de\/leben\/vermischtes\/ein-weimarer-und-weimar-werker-aus-maputo-id221623405.html (Aufruf 15.02.2022)<br><a href=\"#_ftnref25\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref25\"><sup>[25]<\/sup><\/a> Ebd.<br><a href=\"#_ftnref26\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref26\"><sup>[26]<\/sup><\/a> o.A.: Weimars schwarzer Th\u00fcringer, Der Kneipenstuhl &#8211; ein Thron des Gl\u00fccks, Heute: Eustaquio Cesar do Amaral. Th\u00fcringer Allgemeine, 01.07.2006. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref27\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref27\"><sup>[27]<\/sup><\/a> Vgl. u.a. Kollektiv \u201eErnst Th\u00e4lmann\u201c: Die Wortmeldung Planerf\u00fcllung ist uns Ehrensache, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar Werk, Ausgabe Nr. 7, 27. M\u00e4rz 1987, 38. Jahrgang, S. 1. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref28\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref28\"><sup>[28]<\/sup><\/a> o.A.: Solidarit\u00e4t mit dem Volk Namibia, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar-Werk, 18\/1982 \u2013 3. September 1982, S.1. Aus Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref29\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref29\"><sup>[29]<\/sup><\/a> Vgl. u.a. B\u00fcttner, o.A.: Szivesen l\u00e1tott kedves magyar bar\u00e1taim! Herzlich willkommen, ungarische Freunde!, in: Der Landmaschienenbauer Organ der Betriebsparteiorganisation der SED des VEB Weimar-Werk Weimar, 20. Jahrgang Nr. 22, 14.Juni 1969, S.1.Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref30\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref30\"><sup>[30]<\/sup><\/a> Vgl. D\u00f6ring, Dr. Hans &#8211; Jochim: Bittere Solidarita\u0308t, fehlende Anerkennung, offene Rechnungen &#8211; Vertragsarbeiter und Aufarbeitung 3.0, in: Gerbergasse 18 \/ Ausgabe 2\/2019, S. 31. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref31\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref31\"><sup>[31]<\/sup><\/a> Vgl. Poschmann, Maria: Mocambiquer schlossen Deutschlehrg\u00e4nge erfolgreich ab, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar Werk, 11\/1981, 1.Juni 1981, S. 6. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref32\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref32\"><sup>[32]<\/sup><\/a> Vgl. o.A.: Sie w\u00e4hlten ihre Gewerkschaftsleitung, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Betriesbaprteiorganisation VEB Weimar\u2013Werk Weimar \u2013 Stammbetreib des VEB Weimar-Kombinat, 4\/1976, 16. Februar 1976, S.6. Aus: Stadtarchiv Weimar<br><a href=\"#_ftnref33\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref33\"><sup>[33]<\/sup><\/a> Fu\u00dfnote: Vgl. Schreiben vom 30.11.1978 \u201eBericht zur Sekretariatssitzung des Kreisvorstands des FDGB am 7.12.1978\u201c, S. 28, Aus: Hauptstaatsarchiv Weimar, Aktenf\u00fchrende Stelle: FDGB-Kreisvorstand Weimar, Zeitlicher Umfang: Dezember 1978. Aktennummer 14177<br><a href=\"#_ftnref34\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref34\"><sup>[34]<\/sup><\/a> Fu\u00dfnote: Vgl. Schreiben vom 02.06.1980, gezeichnet Schmidt, stellv. Vorsitzender, S. 22, \u201eBericht an das Sekretariat des Kreisvorstands FDGB \u00fcber die Arbeit mit den ausl\u00e4ndischen Werkt\u00e4tigen, die zeitweilig in Betrieben unseres Territoriums arbeiten\u201c Aus: Hauptstaatsarchiv Weimar, Aktenf\u00fchrende Stelle: FDGB-Kreisvorstand Weimar, Zeitlicher Umfang: Juni 1980. Aktennummer 14195.<br><a href=\"#_ftnref35\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref35\"><sup>[35]<\/sup><\/a> Fu\u00dfnote: Vgl. Schreiben vom 30.11.1978 \u201eBericht zur Sekretariatssitzung des Kreisvorstands des FDGB am 7.12.1978\u201c, S. 28, Aus: Hauptstaatsarchiv Weimar, Aktenf\u00fchrende Stelle: FDGB-Kreisvorstand Weimar, Zeitlicher Umfang: Dezember 1978. Aktennummer 14177<br><a href=\"#_ftnref36\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref36\"><sup>[36]<\/sup><\/a> Vgl. o.A.: Meeting mit algerischen Werkt\u00e4tigen, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar Werk 14\/1982, 9.Juli 1982, S. 2. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref37\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref37\"><sup>[37]<\/sup><\/a> Vgl. Benhaouche, Aberrahmane: Algerische Werkt\u00e4tige w\u00e4hlten eine neue Gewerkschaftsleitung, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar Werk 21\/1981, 19.Oktober 1981, S. 2. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref38\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref38\"><sup>[38]<\/sup><\/a> Vgl. o.A.: Francisco wurde gew\u00e4hlt, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar Werk, Ausgabe Nr. 7, 7. April 1989, 40. Jahrgang, S. 5. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref39\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref39\"><sup>[39]<\/sup><\/a> Kizilay, Evrim Efsun: Hoch die Internationale Solidarit\u00e4t? Migrantische Organisierung und die Rolle der Gewerkschaften, S. 2, https:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/sonst_publikationen\/Erinnern_stoeren\/02_Hoch_die_internationale_Solidarit%C3%A4t.pdf (Aufruf 9.04.2022)<br><a href=\"#_ftnref40\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref40\"><sup>[40]<\/sup><\/a> Vgl. Erices, Dr. Rainer: Hetzjagd im August 1975 in Erfurt &#8211; Wie Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in der DDR verharmlost und verleugnet wurde, in: Gerbergasse 18 \/ Ausgabe 4\/2018, S. 25.<br><a href=\"#_ftnref41\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref41\"><sup>[41]<\/sup><\/a> Alexopoulou, Maria: Rassismus als Kontinuit\u00e4tslinie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, in:APuZ, 14.09.2018, https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/275884\/rassismus-als-kontinuitaetslinie-in-der-geschichte-der-bundesrepublik-deutschland\/ (Aufruf 9.04.2022)<br><a href=\"#_ftnref42\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref42\"><sup>[42]<\/sup><\/a> Schreiber, Heinz: Mocambiquische Werkt\u00e4tige brauchen unsere Unterst\u00fctzung, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar-Werk, 16\/1981, 10.August 1981, S. 2. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref43\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref43\"><sup>[43]<\/sup><\/a> Ebd.<br><a href=\"#_ftnref44\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref44\"><sup>[44]<\/sup><\/a> o.A.: Im Zeichen des proletarischer Internationalismus, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar-Werk, Ausgabe Nr. 20, 20. Oktober 1989, S.4. Aus Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref45\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref45\"><sup>[45]<\/sup><\/a> Erices, Dr. Rainer: Hetzjagd im August 1975 in Erfurt &#8211; Wie Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in der DDR verharmlost und verleugnet wurde, in: Gerbergasse 18 \/ Ausgabe 4\/2018, S. 25.<br><a href=\"#_ftnref46\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref46\"><sup>[46]<\/sup><\/a> Ebd. Zitiert BstU, MfS, ZAIG, 30554, Blatt 32. S. 25<br><a href=\"#_ftnref47\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref47\"><sup>[47]<\/sup><\/a> Vgl. Klessmann, Maria: \u201eWohnen-Arbeiten\u201c Zu den Wohnbedingungen vietnamesischer Vertragsarbeiter in Ost-Berlin. In: Priemel, Kim Christian (Hg.).\u00a0Transit &#8211; Transfer: Politik und Praxis der Einwanderung in der DDR 1945 &#8211; 1990.\u00a0Almanach des Instituts f\u00fcr Angewandte Geschichte. Berlin: be.bra wissenschaft verlag.\u00a02011. S.193.<br><a href=\"#_ftnref48\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref48\"><sup>[48]<\/sup><\/a> Ebd. S.196.<br><a href=\"#_ftnref49\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref49\"><sup>[49]<\/sup><\/a> Mike, Dennis: Die vietnamesischen Vertragsarbeiter und Vertragsarbeiterinnen in der DDR, 1980\u20131989.\u00a0In: Weiss, Dennis (Hg.): Erfolg in der Nische? Die Vietnamesen in der DDR und in Ostdeutschland, 2005, S.21.<br><a href=\"#_ftnref50\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref50\"><sup>[50]<\/sup><\/a> Vgl. Klessmann, Maria: \u201eWohnen-Arbeiten\u201c Zu den Wohnbedingungen vietnamesischer Vertragsarbeiter in Ost-Berlin. In: Priemel, Kim Christian (Hg.).\u00a0Transit &#8211; Transfer: Politik und Praxis der Einwanderung in der DDR 1945 &#8211; 1990.\u00a0Almanach des Instituts f\u00fcr Angewandte Geschichte. Berlin: be.bra wissenschaft verlag.\u00a02011. S.199.<br><a href=\"#_ftnref51\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref51\"><sup>[51]<\/sup><\/a> Illgen, Katja: Erfahrungsr\u00e4ume und Lebensgeschichten: Vietnamesen in der DDR und in den neuen Bundesl\u00e4ndern. 2014. Doktorarbeit. S.174.<br><a href=\"#_ftnref52\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref52\"><sup>[52]<\/sup><\/a> Jilek, Agneta: Fremde Freunde. In: Kaiser, Paul (Hg.) Arbeit!\u202f Ostdeutsche Arbeitswelt im Wandel: 1945-2015. 2015.\u00a0 Dresden: DIK Verlag Unternehmergesellschaft.\u00a0S.105.<br><a href=\"#_ftnref53\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref53\"><sup>[53]<\/sup><\/a> Illgen, Katja:\u00a0&#8222;Zweite Heimat&#8220; Vietnamesen Berichten \u00fcber Ihr Leben in Deutschland 1980-1995. Landeszentrale f. polit. Bild. Th\u00fcringen, 2007. Interview mit Frau C., S. 166,167.<br><a href=\"#_ftnref54\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref54\"><sup>[54]<\/sup><\/a> M\u00fcggenberg, 1996, S.24; Breuer, 1990, S.59, zitiert nach: Mike, Dennis: Die vietnamesischen Vertragsarbeiter und Vertragsarbeiterinnen in der DDR, 1980\u20131989.\u00a0In: Weiss, Dennis (Hg.): Erfolg in der Nische? Die Vietnamesen in der DDR und in Ostdeutschland, 2005, S. 37.<br><a href=\"#_ftnref55\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref55\"><sup>[55]<\/sup><\/a> Illgen, Katja:\u00a0&#8222;Zweite Heimat&#8220; Vietnamesen Berichten \u00fcber Ihr Leben in Deutschland 1980-1995. Landeszentrale f. polit. Bild. Th\u00fcringen, 2007. Interview mit Frau C., S. 164.<br><a href=\"#_ftnref56\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref56\"><sup>[56]<\/sup><\/a> Weiss, Karin. Nach der Wende: Vietnamesische Vertragsarbeiter und Vertragsarbeiterinnen in Ostdeutschland heute.\u00a0In: Weiss, Dennis (Hg.): Erfolg in der Nische? Die Vietnamesen in der DDR und in Ostdeutschland, 2005, S.87.<br><a href=\"#_ftnref57\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref57\"><sup>[57]<\/sup><\/a> Mike, Dennis: Die vietnamesischen Vertragsarbeiter und Vertragsarbeiterinnen in der DDR, 1980\u20131989.\u00a0In: Weiss, Dennis (Hg.): Erfolg in der Nische? Die Vietnamesen in der DDR und in Ostdeutschland, 2005, S.25,26.<br><a href=\"#_ftnref58\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref58\"><sup>[58]<\/sup><\/a> Totzauer, Heinz: Der aktuelle Bericht Arbeits- und Lebensbedingungen \u2013 keine Nebensache in unserem Betrieb, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar Werk Ausgabe Nr. 4, 26.Februar 1988, 39. Jahrgang 1988, S. 2. Aus Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref59\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref59\"><sup>[59]<\/sup><\/a> Vgl. Ebd.<br><a href=\"#_ftnref60\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref60\"><sup>[60]<\/sup><\/a> vgl. o.A.: Zur Entwicklung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Weimar-Werker 1990, in: Der Landmaschinenbauer Organ der Parteileitung der SED im VEB Weimar Werk, Ausgabe Nr. 19 \/ 1988, 23. September 1988, 39. Jahrgang S.2. Aus: Stadtarchiv Weimar.<br><a href=\"#_ftnref61\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref61\"><sup>[61]<\/sup><\/a> Miguel, Paulino 2020: Paulinos Tagebuch. Ein mosambikanischer Vertragsarbeiter erinnert sich. In: Lierke, Lydia, Perinelli, Massimo (Hg.) Erinnern St\u00f6ren 2020. Verbrecher Verlag. S.313,314.<br><a href=\"#_ftnref62\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref62\"><sup>[62]<\/sup><\/a> Vgl. Ulrich, Sarah: Die Realit\u00e4t der ostdeutschen Migrationsgesellschaft wird zu wenig benannt, Interview mit Ha, Noa K., am 9.11.2019, in: Heinrich B\u00f6ll Stiftung Heimatkunde migrationspolitisches Portal, https:\/\/heimatkunde.boell.de\/de\/2019\/11\/09\/die-realitaet-der-ostdeutschen-migrationsgesellschaft-wird-zu-wenig-benannt (Aufruf 09.04.2022).<br><a href=\"#_ftnref63\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref63\"><sup>[63]<\/sup><\/a> Weiss, Karin. Nach der Wende: Vietnamesische Vertragsarbeiter und Vertragsarbeiterinnen in Ostdeutschland heute.\u00a0In: Weiss, Dennis (Hg.): Erfolg in der Nische? Die Vietnamesen in der DDR und in Ostdeutschland, 2005, S.87.<br><a href=\"#_ftnref64\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref64\"><sup>[64]<\/sup><\/a> Vgl. Ulrich, Sarah: Die Realit\u00e4t der ostdeutschen Migrationsgesellschaft wird zu wenig benannt, Interview mit Ha, Noa K., am 9.11.2019, in: Heinrich B\u00f6ll Stiftung Heimatkunde migrationspolitisches Portal, https:\/\/heimatkunde.boell.de\/de\/2019\/11\/09\/die-realitaet-der-ostdeutschen-migrationsgesellschaft-wird-zu-wenig-benannt (Aufruf 09.04.2022).<br><a href=\"#_ftnref65\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref65\"><sup>[65]<\/sup><\/a> Vgl. D\u00f6ring, Dr. Hans &#8211; Jochim: Bittere Solidarita\u0308t, fehlende Anerkennung, offene Rechnungen &#8211; Vertragsarbeiter und Aufarbeitung 3.0, in: Gerbergasse 18 \/ Ausgabe 2\/2019, S. 30.<br><a href=\"#_ftnref66\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref66\"><sup>[66]<\/sup><\/a> Prenzel, Thomas: Vor 25 Jahren: Die rassistisch motivierten Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen. 17.08.2017. https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/254347\/vor-25-jahren-die-rassistisch-motivierten-ausschreitungen-von-rostock-lichtenhagen\/ (Aufruf 03.03.2022)<br><a href=\"#_ftnref67\" data-type=\"internal\" data-id=\"#_ftnref67\"><sup>[67]<\/sup><\/a> Vgl. Kizilay, Evrim Efsun: Hoch die Internationale Solidarit\u00e4t? Migrantische Organisierung und die Rolle der Gewerkschaften, S. 12,<br>https:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/sonst_publikationen\/Erinnern_stoeren\/02_Hoch_die_internationale_Solidarit%C3%A4t.pdf (Aufruf 9.04.2022).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marie G\u00fcnther und Josepha Kirchner Auf der Suche nach Lebensbedingungen und -erfahrungen ehemaliger sogenannter \u201eVertragsarbeiter*innen\u201c[1] zur DDR-Zeit haben wir, Studentinnen der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar, in Stadt- und Landesarchiv gegraben, Zeitungsartikel gesichtet, einen Zeitzeug*innen-Aufruf geschaltet, aber auch in der gebauten Umwelt nach materiellen Spuren gesucht. 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