Pith helmet in Thuringia

Oder: Wie Albert Schweitzer nach Weimar kam.

Jannik Noeske


CN: Rassistische Bilder und Sprache


Abb. 1: Der Kegelplatz in Weimar in einer Aufnahme aus dem August 1989. Das Denkmal wurde in der Zwischenzeit um- gesetzt und befindet sich jetzt etwa an der Stelle des großen Nadelbaums im Vordergrund. Quelle: Wikimedia Commons.

Ganz im Norden der Weimarer Altstadt, zwischen Stadtschloss, Marstall und Ilm, liegt der Kegelplatz. Auf dem idyllischen kleinen Stadtplatz befindet sich eine Bronzestatue zu Ehren Albert Schweitzers. Der Arzt, Theologe und Philosoph wird als Teil einer Figurengruppe dargestellt – neben ihm ist ein jugendliches Mädchen abgebildet, ihm gegenüber steht eine Mutter mit Kind im Arm. Das Denkmal ist Teil des Weimarer Stadtbildes. Wie ist das Denkmal nach Weimar gekommen? Und was vermittelt es uns heute noch? Die Auseinandersetzung mit seiner Entstehungsgeschichte, seiner problematischen Bildsprache und der Bedeutung Schweitzers für den europäischen Kolonialismus ist auch eine Reise in meine eigene Vergangenheit.

Vielleicht war ich acht oder zehn Jahre alt, als ich das Schweitzer-Haus in Königsfeld im Schwarzwald besucht habe. Der Arzt und Theologe hatte es Mitte der 1920er für seine Familie bauen lassen, nachdem seine elsässische Heimat an Frankreich abgetreten wurde. Genau wie Schweitzer bin ich im protestantischen Pfarrhaus großgeworden, einem Nachbarort von Königsfeld. Soweit ich mich erinnern kann, begegnete mir der gütige Blick und der Schnauzbart Schweitzers in Bildern und Geschichten – immer verbunden mit dem Eindruck, es mit einem durch und durch guten Menschen zu tun zu haben. Schweitzer wurde mir als Vertreter eines „guten Kolonialismus“, eines christlichen Humanismus in einem „rückständigen“ Afrika vorgestellt. Als ich etwa zehn Jahre später das erste Mal nach Weimar kam und dem Denkmal begegnete, kamen zwar die diffusen Bilder wieder; aber erst jetzt, weitere zehn Jahre später, bin ich dem (Nach-)Leben des Friedensnobelpreisträgers gefolgt. Was ich gefunden habe, ist mehr als nur eine Weimarer Lokalgeschichte, sondern erzählt uns von einer Reise von DDR-Funktionären nach Lambaréné in Gabun, von den Afrika-Bildern der DDR-Kunst genauso wie vom Sprechen und Schweigen in über 50 Jahren Schweitzer-Gedenken.


Abb. 2: Eine Skizze des Künstlers für das Albert-Schweitzer- Denkmal in Weimar, gezeichnet im September 1968. Quelle: Neue Zeit vom 28. September 1968, S 10.

Theologe, Organist, Arzt – Kolonialist?

Albert Schweitzer (1875-1965) wurde vor allem wegen seines Engagements als Arzt in einem Missionshospital in Gabun weltweit berühmt.[1] Dabei war Schweitzer ein Mann mit vielen Interessen: 1875 im damals deutschen Elsass als Sohn eines protestantischen Geistlichen geboren, nahm er in Straßburg Studien in Philosophie und Theologie auf, die er jeweils mit einer Promotion abschloss. Daneben machte er sich an der Orgel als Bach-Interpret einen Namen. Er entschied sich aber gegen Karrieren im Pfarrdienst, in der Wissenschaft oder am Orgelpult. Im Alter von 30 Jahren nahm er das Studium der Medizin auf, um sich daraufhin in einem Hospital der französischen Mission zu engagieren.

Nachdem er auch dieses anders als geplant mit der Approbation als Arzt und der Promotion abgeschlossen hatte, begab er sich 1913 erstmals nach Lambaréné im westafrikanischen Gabun, um als leitender Arzt das dortige Missionshospital mit aufzubauen. Zwischen 1913 und 1959 reiste er insgesamt vierzehn Mal nach Lambaréné, um im Hospital zu wirken, wobei seine Aufenthalte zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren andauerten. Schweitzer wurde für sein Wirken mit zahlreichen Preisen geehrt und mit internationaler Anerkennung überhäuft. Spätestens nach der Verleihung des Friedensnobelpreises 1953 wurde der Mythos Schweitzer um die ganze Welt getragen.

Besonders umstritten war seit den 1950er Jahren seine Rolle als weißer Arzt im Missions- und Kolonialsystem. Die Kritik, die als Reaktion auf die schlagartige Bekanntheit Schweitzers nach Verleihung des Friedensnobelpreises 1953 einsetzte, ist auch im Kontext internationaler Beziehungen zu sehen. Einerseits wurde sein Engagement gegen Atomwaffen von verschiedenen Seiten ideell instrumentalisiert, andererseits zeitigten auch die sich emanzipierenden Unabhängigkeitsbewegungen in zahlreichen afrikanischen Staaten eine wachsende Problematisierung von Schweitzers Wirken im Allgemeinen, aber auch an den Zuständen und Begebenheiten in Lambaréné. Schweitzer galt nicht mehr nur als selbstloser Humanist mit großem Herzen, sondern zunehmend auch als Vertreter eines unterdrückerischen Kolonialsystems und als Modernisierungsverhinderer. Thomas Suermann beschreibt die kolonialen Abhängigkeitsverhältnisse auf folgenden Ebenen:

»Erstens im Unterschied zwischen Europäer und Afrikaner und zwischen Weißem und Schwarzem; zweitens im Verhältnis zwischen Arzt und Patient; drittens in der historischen Rolle zwischen Kolonisator und Kolonisiertem und, damit verbunden, schließlich auch in dem von ihm selbst festgelegten Verhältnis von ›älterem‹ und ›jüngerem Bruder‹. «[2]


Abb. 4: „Wasser aus einer Liane ist eine begehrte Erfrischung“ – diese Abbildung aus Gerald Göttings „Begegnung mit Albert Schweitzer“ (1961) verdeutlicht die Reproduktion kolonialer Bildwelten: Tropenhelm und Hemd (weiß, sauber) bei Götting und löchriges Hemd, schlecht sitzender Hut und die unter- würfige Geste des „Bedienens“ bei seinem Gegenüber, dazu die exotisierende Vorstellung von „Natürlichkeit“ des Trinkens aus der Liane, um der örtlichen Hitze zu begegnen.
Quelle: Begegnungen mit Albert Schweitzer (1961), S. 63.

Wollen wir heute ein differenziertes Bild vom Wirken des Arztes und Menschen Schweitzer zeichnen, müssen wir uns zunächst mit den (Selbst-)Darstellungen, aber auch den Instrumentalisierungen auseinandersetzen, die Schweitzer von zahlreichen Seiten erfahren, aber auch genutzt hat.

So ist die Erinnerung an Albert Schweitzer als Ergebnis einer jahrzehntelangen kontroversen Rezeptionsgeschichte zu verstehen. Aus heutiger Perspektive ist das teilweise holzschnittartige Bild des »Urwalddoktors« jedoch nicht unproblematisch, wie die beiden Historiker und Schweitzer-Experten Nils Ole Oermann und Thomas Suermann betonen:

»Die einen sehen in ihm bis heute den wohlmeinenden ›Urwalddoktor‹, der sich mit Leib und Seele um die ihm anvertrauten Afrikaner kümmerte. In diesem ›Sich kümmern‹ sehen andere bereits Züge eines kolonialen Patriarchen, der sein Krankenhaus durchaus mit straffer Hand führte, der im Denken vergangener Jahrhunderte verharrte und den Afrikanern die Moderne rigoros vorenthalten wollte und der, wenn er doch von den Afrikanern als seine ›jüngeren Brüder‹ sprach, seinen weißen Tropenhelm in rund fünfzig Jahren Afrika nie wirklich abgesetzt habe.«[3]

Schweitzers Engagement in Lambaréné hat sich auch zu einem Identifikationsort europäischer Machtansprüche des Kolonialismus gewandelt. Das »eurozentrische Sendungsbewusstsein« missionarischer Aktivitäten in Afrika habe letztendlich zur Legitimierung des Kolonialismus gedient, so Oermann und Surmann. Zwar sei Schweitzers Werk in Gabun »Ausdruck eines kritischen Blicks im Sinne einer Sühne auf die koloniale Realität«, das Hospital habe aber auch dazu beigetragen, »dass sich Europa von der kolonialen Schuld entlastet fühlen durfte.«[4]

Um 1960 verhandelte die europäische Öffentlichkeit, wie Schweitzer und sein Wirken aus (post-)kolonialer, aus medizin-ethischer und aus politischer Sicht bewertet werden sollte;[5] Diskussionen, die erst zu dem ambivalenten Bild geführt haben, das uns heute überliefert wird. Auch in der gabunischen und – genereller – afrikanischen Öffentlichkeit wurde und wird die Rolle Schweitzers als Protagonist des europäischen Kolonialismus diskutiert.[6] Kaum bekannt ist dabei die Erinnerungspolitik der DDR, wo Schweitzer in seinen letzten Lebensjahren und direkt im Anschluss an seinen Tod im Jahr 1965 politisch vereinnahmt wurde. Die Stätte dieser DDR-spezifischen Schweitzer-Erinnerungspolitik befindet sich seit 1968 am Kegelplatz in Weimar.

Schweitzer, Götting, Havemann

Als Gerald Götting (1923-2015), der Vorsitzende der Ost-CDU, das Albert-Schweitzer-Denkmal in Weimar am 1. Oktober 1968 anlässlich des 12. Parteitags der Block-CDU in Erfurt eröffnete, erläuterte er, wieso ausgerechnet Weimar als Standort des Denkmals ausgewählt wurde. Der Elsässer Schweitzer hatte keine besonderen Bezüge zu ostdeutschen Städten, abgesehen von Berlin, wo er 1899 kurzzeitig studiert hatte. Weimar selbst hat Schweitzer nie gesehen. So blieb Götting nur der eher allgemeine Verweis auf die humanistische Tradition der Klassikerstadt:

»Nicht zufällig haben wir die Klassikerstadt Weimar als den Ort für die Aufstellung des Denkmals gewählt. Der Geist, der in ihren Mauern lebendig ist, der Geist der Humanität, prägte die Persönlichkeit und das Lebenswerk Albert Schweitzers.«[7]


Abb. 3: Havemann, Schweitzer und Götting (vlnr., vierte Person unbekannt) in Lambaréné. Die Aufnahme rechts zeigt alle in Tropenhelmen. Der Tropenhelm entwickelte sich in den 1950er Jahren zunehmend zum Symbol der unterdrückerischen Kolonialmächte und verlor in der Folge an Bedeutung. Noch heute dient er zur Darstellung und insbesondere Romantisierung europäischer Kolonialabenteuer. Quelle: Begegnungen mit Albert Schweitzer (1961), Bildtafel 2 / S. 15.

Der CDU-Politiker Götting suchte nach der Verleihung des Friedensnobelpreises 1953 den Kontakt zu Schweitzer. Ein erstes Schreiben Göttings nach Lambaréné datiert auf Januar 1955, anlässlich des 80. Geburtstags Schweitzers. Zwischen Götting und Schweitzer entwickelte sich in den folgenden Jahren ein intensiver, freundschaftlicher Briefkontakt. Im Dezember 1959 kündigte der CDU-Politiker einen ersten von zwei Besuchen in Gabun an. Für das Zentralkomitee der SED bestand die Möglichkeit, über Götting – »Der Christ sagt ja zum Sozialismus«, so der Titel eines Buches von Götting von 1960 – die Beziehung aufzubauen und Schweitzer für die außenpolitischen Anliegen des Staatssozialismus zu vereinnahmen. In einem internen Papier hieß es im Vorfeld der Reise: »Albert Schweitzer [stellt sich] objektiv gegen die Atomrüstungspolitik Westdeutschlands, und es erscheint zweckmässig, seine Haltung für unsere Politik auszunützen.«[8] Die erste Reise Göttings nach Lambaréné fand im Januar 1960 statt.[9]

Zusammen mit Götting war Robert Havemann, der später als Oppositioneller aus der SED ausgeschlossen und mit Berufsverbot belegt wurde, nach Lambaréné gereist. Havemann vertrat den Friedensrat der DDR und die SED. Außerdem war noch Hans Kracht dabei, der als Kameramann die Reise dokumentieren sollte.[10] Zentral war dabei das Anliegen, Schweitzer als »großen Humanisten« und als Wissenschaftler an das sozialistische Deutschland zu binden. Für Schweitzer bot sich die Möglichkeit, in der DDR – und damit in der gesamten sozialistischen Staatengemeinschaft – für sein Hospital-Projekt zu werben und Sach- und Geldspenden zu akquirieren.[11] Diese finanzierten sich auch aus Erlösen von Schweitzer-Publikationen in den Ostblockstaaten. Aufsehen erregte der Kontakt Schweitzers zu DDR-Funktionären im Sommer 1961. Götting war ein zweites Mal in Lambaréné. Am 13. August – der Tag, als der Bau der Berliner Grenzanlagen den Höhepunkt der Berlinkrise markierte, befand er sich auf seiner Rückreise aus Gabun in Paris. Schweitzer hatte sich zuvor mit einem Brief an Walter Ulbricht gewandt, nicht wissend, dass die Staatsführung diesen Brief später veröffentlichen und Schweitzers Engagement für die DDR einsetzen würde. Aus dem Westen Deutschlands erreichten Schweitzer nun zahlreiche kritische Schreiben, zum Beispiel von seinem alten Freund Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten der BRD.[12] 

Götting, der die Beziehung zu Schweitzer auch zur persönlichen Profilierung im Inland zu nutzen wusste, veranlasste die Gründung des Albert-Schweitzer-Komitees in der DDR, um die Sach- und Geldspenden für Lambaréné einzusammeln und für den Transport nach Westafrika vorzubereiten. Thomas Suermann resümiert: Albert Schweitzer wurde durch die DDR »instrumentalisiert und diente der DDR als Gesicht der Antiatombewegung im Kampf mit dem Klassenfeind, da man einer globalen moralischen Autorität und deren Argumenten nur mit eigenem Gesichtsverlust widersprechen konnte.«[13]

Kolonialromantik und Afrikapolitik in der DDR

Das Verhältnis der Staatsführung in Person Göttings zu Lambaréné stellt eine Sonderform der Entwicklungspolitik der DDR dar, da die Unterstützung zwischen wenigen engagierten Personen abgewickelt wurde und keine offizielle diplomatische Kooperation darstellte.

Am Anfang der 1960er Jahre unterstützte das sozialistische Deutschland die Unabhängigkeitsbewegungen in sich dekolonialisierenden afrikanischen Staaten. Geprägt war diese Zeit durch Bemühungen der SED um internationale Anerkennung im Kontext der sogenannten Hallstein-Doktrin, die die alleinige internationale Repräsentation Deutschlands für die Bundesrepublik beanspruchen sollte. Die SED suchte offen nach Möglichkeiten der Kooperation und Anerkennung in Ländern wie Ägypten, Algerien, Guinea, Mali, Kuba oder Ghana.[14] Daneben manifestierten sich neben rhetorischen Solidaritätsbekundungen erste Formen der materiellen Hilfe, die vor allem über den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) organisiert wurde.

Inwieweit diese Formen der staatlichen Kooperation und Solidarität Ausdruck der Fortschreibung post-kolonialer Abhängigkeitsverhältnisse oder einer egalisierenden sozialistischen Außenpolitik sind, ist bis heute Gegenstand von akademischen Auseinandersetzungen.[15] Aber trotz der konsequenten anti-rassistischen und anti-imperialistischen Klassenkampfrhetorik blieben auch die die DDR-Funktionäre alten kolonialen Bildwelten verhaftet, wie wir weiter unten sehen werden. Der weiter existierende Rassismus „zuhause“ wurde genauso wenig problematisiert.[16]

Wirtschaftspolitisch waren die Beziehungen zu sozialistisch geprägten Ländern des Globalen Südens von großer Wichtigkeit. Es kamen nicht nur viele Menschen nach Ostdeutschland, um beispielsweise Ausbildung und erste Berufserfahrung zum Aufbau des Sozialismus in ihre Heimatländer zu bringen, auch der Export von Technologien sollte die internationale Tragfähigkeit der sozialistischen Netzwerke (und Absatzmärkte) stärken.[17] Gleichzeitig war die DDR auf Rohstofflieferungen aus dem Globalen Süden angewiesen.[18] Im Arbeiter- und Bauernstaat hingegen galt der Kolonialismus als sogenanntes spätkapitalistisch-bürgerliches Herrschaftsprojekt ganz offiziell als beendet.[19] Die Geschichten von Vertragsarbeiter:innen aus Mosambik, aus Vietnam oder aus Kuba erzählen uns heute allerdings eine Gegengeschichte zur politischen und gesellschaftlichen Überwindung des Kolonialismus im Staatssozialismus. [20]

Geyers afrikanischer Motivzyklus

Nicht nur die Etablierung wirtschaftlicher Abhängigkeitsverhältnisse, eine kämpferische Klassenkampf-Rhetorik und die Etablierung einer eigenen, vergleichsweise progressiven Afrika-Wissenschaft,[21] sondern »auch Kunst […] gehörte […] zum außenpolitischen Instrumentarium der DDR.«[22] Das zeigt sich nicht zuletzt bei einem Blick auf das Werk des Bildhauers Gerhard Geyer (1907-1989) aus Halle/Saale, der das Weimarer Schweitzer-Denkmal geschaffen hat.

Geyer gilt als Teil einer zweiten Generation von DDR-Künstlern, die sich in den 1960er Jahren hervorgetan hatte: »Sie gestalteten den Menschen in seiner vielschichtigen physischen und psychischen Einheit, in dynamischen und aktiven Momenten, in neuen und zeitbezogenen Aktdarstellungen.«[23] Von sich reden machte Geyer erstmals mit der Büste Kopf eines Mansfelder Bergmanns, die 1962 mit dem Kunstpreis des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) ausgezeichnet wurde. Ein Jahr vorher, wenige Wochen vor dem Bau der Berliner Mauer im August 1961, unternahm Geyer gemeinsam mit seinem Bildhauer-Kollegen Walter Howard eine Reise nach Ghana (Unabhängigkeit 1957) und Guinea (Unabhängigkeit 1958). Geyer sollte dem Trade Union Congress, einer ghanaischen Gewerkschaft und Howard der guineischen Conféderation Nationale des Travailleurs de Guinée im Auftrag des FDGB und des Verbandes bildender Künstler der DDR jeweils ein Denkmal gestalten, das als Geschenk der DDR an die Arbeiter:innen der kürzlich unabhängig gewordenen afrikanischen Staaten übergeben werden sollte.[24]

Die dreimonatige Reise hatte großen Einfluss auf das Werk des Hallenser Bildhauers. In den folgenden Jahren schuf er eine Anzahl an Plastiken, die »afrikanische« Motive abbilden.[25] Mindestens drei Figuren aus dem Motivkreis sind heute noch im öffentlichen Raum zu finden. Neben der Schweitzer-Gruppe in Weimar sind dies die Plastik Afrikanerin mit Kind (1961), 1969 aufgestellt in Halle-Neustadt[26] und Freies Afrika (1961), seit 1964 vor dem Robertinum der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg. Letztere ist vermutlich die für die ghanaische Gewerkschaft angefertigte Plastik, die nie ihren Weg dorthin gefunden hat. Vor der Hallenser Universität aufgestellt, erfüllte sie dennoch einen diplomatischen Zweck, denn nicht mehr zwei namenlose ghanaische Arbeiter:innen sollten repräsentiert werden, sondern der Philosoph Anton Wilhelm Amo. Auf der Plakette heißt es: »Dem Andenken Anton Wilhelm Amos aus Axim in Ghana, dem ersten afrikanischen Studenten und Dozenten der Universitäten Halle-Wittenberg und Jena 1727-1747.«


Die Plastik Freies Afrika in Halle / Saale ist dem ersten afrikanischen Ge- lehrten in Deutschland, Anton Wilhelm Amo (1703-1753) gewidmet und steht heute in der Kritik.
Quelle: Black Central Europe

Die Plastik Freies Afrika – heute in der Kritik

Die Statue in Halle/Saale ist ein frühes Zeugnis der Amo-Rezeption in Deutschland. In den vergangenen Jahren wurde die Person Anton Wilhelm Amo als erinnerungspolitische Identifikationsfigur erneut verstärkt ins öffentliche Gedächtnis gerufen; im August 2020 hat die Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte die Umbenennung einer Straße eingeleitet. Die vorherige rassistische Straßenbenennung im Zentrum der Hauptstadt war schon seit Jahren von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen kritisiert worden. Amo soll der neue Namenspate für die bisherige M*Straße werden.[27]

Im Zuge der Auseinandersetzung um die Frage, wer in öffentlichen Räumen geehrt wird, rückte auch die Amo-Figur von Gerhard Geyer wieder ins öffentliche Bewusstsein. Von vielen Seiten wird die Darstellung des ghanaischen Aufklärers, von dem keine bildlichen Zeugnisse überliefert sind, kritisiert:

»Bereits 1965 wurde auf dem Universitätsring eine Statue zum Gedenken an den Gelehrten aufgestellt, die allerdings auch die Probleme einer paternalistischen Gedenkpolitik veranschaulicht. Antirassistische Gruppen kritisieren die von dem Bildhauer Gerhard Geyer gestaltete Figurengruppe, die eine männliche und eine weibliche Figur zeigt: Die Statue stelle nicht Amo dar, sondern in klischeehafter Weise einen afrikanischen Mann neben einer afrikanischen Frau, beide im Rock und mit freiem Oberkörper.«[28]

Neben den anti-rassistischen Initiativen kritisiert auch die Kunsthistorikerin Anna Greve in der Einleitung zu ihrer Habilitationsschrift die Darstellung als überholt und unangemessen:

»Es ist symptomatisch für die Dominanz rassistischen Denkens in der weißen Mehrheitsgesellschaft, dass das Denkmal für Amo ihn nicht als Philosophen, sondern völlig inadäquat mit nacktem Oberkörper, einem langen Rock und latschenartigem Schuhwerk zeigt. Besonders pikant ist, dass er mit einer in gleicher Weise ›gekleideten‹ Frau dargestellt wird, obwohl gerade der Rassismus seiner Umwelt die Heirat mit einer weißen Deutschen verhindert hatte.«[29]

Auch der Kunstwissenschaftler Christian Saehrendt kritisiert die Darstellung, sieht sie aber auch im kulturpolitischen Kontext der Annäherungsversuche der DDR-Regierung an die aufstrebende sozialistische Regierung des jungen Ghana.[30] Die Aufmerksamkeit, die das Beinahe-Amo-Denkmal in Halle in den vergangenen Jahren erfahren hat, zeugt von der erinnerungspolitischen Wiederentdeckung des Gelehrten aus dem 18. Jahrhundert. Die Ambivalenz der Erinnerung – frühes Beispiel der persönlichen Würdigung Amos, aber in unerträglicher Darstellung – ­befördert die aktivistische Auseinandersetzung und lässt die Figurengruppe in Halle heute in anderem Licht erscheinen. Das Weimarer Albert-Schweitzer-Denkmal hat eine kritische öffentliche Aufmerksamkeit bis heute nicht erfahren.

Albert-Schweitzer-Denkmal für Weimar

Das Denkmal am Weimarer Kegelplatz ist die zweite Version einer Figurengruppe, die Gerhard Geyer zu Ehren Schweitzers geschaffen hat. Die erste Version fertigte er schon 1963 an. Sie sollte ursprünglich in Bonn gezeigt werden.[31] Die Plastiken zeigen die gleichen Figuren: Schweitzer mit Schürze und Tropenhelm, an seiner Seite ein jugendliches Mädchen, leicht abgerückt eine Frau mit um den Kopf gebundenem Tuch und einem Kleinkind im Arm, in der ersten Version offensichtlich ein Neugeborenes in ein Tuch gewickelt, in der zweiten Version ein Kleinkind, das aufrecht auf dem Arm der Mutter sitzt. Doch nicht nur ist die Arbeit von 1963 mit einer Höhe von 40 Zentimetern deutlich kleiner, auch die Konstellation der Figuren zueinander unterscheidet sich. Die Kunstkritikerin Eleonore Hoffmann schrieb dazu 1969 in der Wochenpost, einer DDR-Wochenzeitung:

»Sie [die Schweitzer-Gruppe von 1963, JN], noch unter den Eindrücken einer mehrwöchigen Guinea- und Ghanareise geformt, hält die erwartungsvolle Spannung fest, mit der eine junge Afrikanerin dem Arzt entgegentritt, Hilfe suchend für ihr Kind. Im überlebensgroßen Denkmal [in Weimar, JN] dagegen stehen sich die Personen nicht gegenüber; sie sind im Winkel nebeneinander geordnet. Sitzend, geheilt das Kind auf dem Arm der Mutter. Ausgeglichen nun deren Züge. Schützend erhebt sich die Rechte Schweitzers hinter dem Rücken eines Pfleglings.«[32]


Abb. 6: Die erste Version der Schweitzer-Gruppe von 1963, die mit etwa 40 Zentimetern Höhe noch deutlich kleiner ist. Quelle: Neues Deutschland vom 20. November 1965, S. 8.

Die kleinere, erste Figurengruppe von 1963 ging 1969 als Geschenk der Ost-CDU an das Günsbacher Albert-Schweitzer-Zentralarchiv, das von Schweitzers ehemaliger Mitarbeiterin Emmy Martin geleitet wurde, »als […] sichtbare[r] Ausdruck der Verehrung, die wir in der Deutschen Demokratischen Republik unserem gemeinsamen Freund über das Grab hinaus entgegenbringen.«[33] Der Bildhauer Gerhard Geyer selbst schilderte seine Gedanken zum Monument für Schweitzer selbst in einem Interview in der CDU-nahen DDR-Tageszeitung Neue Zeit. Ausgangspunkt sei die Reise nach Ghana und Guinea gewesen.

»Die Menschen dort sind in besonderem Maße plastisch, schon durch die dunkle Haut, dann durch die Gewänder und die Bewegungen. Besonders angeregt wurde ich in Conakry [Hauptstadt Guineas, JN], wo die Menschen noch einfacher, natürlicher und bäuerlicher waren als in Ghanas Hauptstadt Accra.«[34]

Der Tropenhelm Schweitzers sei »für den Ausdruck wichtiger als man erwarten konnte. Ohne Helm wirkte die Figur wie ein Gärtner«[35], resümierte Geyer einige Tage vor der Enthüllung des Denkmals in Weimar. Später erläuterte er in einem Interview mit der DDR-Zeitschrift Bildende Kunst, dass er beispielsweise mit einer einfachen Büste nicht von der gesellschaftlichen Wirkung Schweitzers hätte erzählen können. Deswegen habe er sich für die narrativen Qualitäten der Gruppenplastik entschieden und betonte die »literarisch-erzählende Aussagemöglichkeit«[36].

Stereotype Kennzeichen

Die drei namenlosen Figuren neben Schweitzer werden durch Geyer in beiden Versionen des Denkmals, wie schon bei anderen Arbeiten des Motivzyklus, durch stereotype Merkmale als »afrikanisch« markiert. Dabei werden auch archetypische Bilder und Motive bedient, die in der Regel Frauen und Kinder als Symbolträger:innen für Unschuld und Hoffnung abbilden, wie Christina Schwenkel am Beispiel Vietnams erläutert.[37] Damit wird das Helfen Schweitzers nicht nur rassifiziert, sondern insbesondere auch durch die Konstruktion von Hilfsbedürftigkeit markiert, die die Darstellung von Frau und Kindern transportiert. Auch das Motiv der »Jugend« taucht schon in Geyers Afrika-Zyklus auf und symbolisiert die Hoffnungen auf eine bessere – sozialistische – Zukunft.   

In Geyers Denkmal finden sich also alle der von Suermann genannten kolonialen Spannungsverhältnisse, die sich in der Person Schweitzers überlagern. Überzeichnete körperliche Züge und ein als nicht-europäisch ausgestalteter Kleidungsstil heben die Unterschiede der Schweitzer zur Seite gestellten Figuren zur Schweitzer-Figur selbst hervor. Als »europäisch« wird Schweitzer durch seine Kontrastierung dargestellt: Die groben Gesichtszüge, der Philosophenbart und die prankengroßen Hände stehen im Kontrast zu den feiner ausgearbeiteten anderen Figuren. Diese Körper der Namenlosen hingegen sind an erster Stelle das Ergebnis kolonialer Imaginationen. Auch ihr Kleidungsstil entspricht einem idealisierten, aber diffusen Afrika-Bild und steht damit im Gegensatz zu der eindeutigen Symbolik des Tropenhelms, der heute als Kennzeichen eines europäischen Kolonisators gelesen werden kann. Durch die Konstellation der Figuren zueinander wird das Verhältnis zwischen dem Arzt als „weißem Retter“ und den hilfsbedürftigen Patientinnen manifestiert. Durch die auch von Eleonore Hoffmann als hilfesuchend beschriebenen Personen wird der von Schweitzer selbst gewählte Auftrag, in Lambaréné als Arzt zu wirken, nachträglich legitimiert. Als Gruppe suggerieren die Figuren eine harmonische Gemeinschaft, die durch die horizontale Anordnung als ebenbürtig dargestellt werden soll. Das ist aber vielmehr Abbild von europäischen Projektionen und Ergebnis der Rechtfertigung von Schweitzers Stellung im europäischen Kolonialismus. Die tatsächlichen hierarchischen Verhältnisse zwischen Schweitzer, seinen Mitarbeiter:innen und seinen Patient:innen sind deutlich komplexer und bis heute Gegenstand kontroverser Auseinandersetzungen.

Das Denkmal selbst findet in Weimar erinnerungspolitischen Kontext, der fernab des »Schaufensters« der DDR – Ost-Berlin – in den kulturhistorischen Kontext eines »sozialistischen Humanismus« eingebettet werden konnte. Weimar wurde für den Staatssozialismus der DDR zu einem Ort der Legitimation aus der Geschichte: Luther, Bach und die Klassik dienten dabei genau wie das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald als nationale Erinnerungssteinbrüche, aus denen der sozialistische deutsche Staat eine spezifische, aber unscharfe Form der Identität herausbrechen konnte. Koloniale Abhängigkeiten werden nicht thematisiert. Das Wirken Schweitzers wird hier als Humanismus, als christliche Nächstenliebe oder als internationale Solidarität transportiert.

In Weimar standen zunächst vier Standorte zur Debatte. Bei einem Ortsbesuch konnte aber keiner dieser Orte Geyer überzeugen. Er selbst wählte den für ihn städtebaulich interessantesten Ort am Kegelplatz aus. Der Bildhauer schätzte das historische Ensemble, den alten Baumbestand und eine »intime Atmosphäre«, die er aber gleichzeitig nicht »fern oder gar abseits vom pulsierenden gesellschaftlichen Leben der Stadt«[38] vorzufinden wusste.

Und heute?

1983 wurde das Denkmal um eine Gedenkstätte erweitert, die nach denkmalgerechter Sanierung im Haus des Märchendichters Carl August Musäus (1735-1787) am Kegelplatz eingerichtet wurde. Das 1963 gegründete Albert-Schweitzer-Komitee des Roten Kreuzes der DDR erwarb das Haus aus Mitteln einer gespendeten Erbschaft. In dieser Konstellation aus Gedenkstätte und Bronzeplastik überstand das Schweitzer-Gedenken in Weimar den Umbruch von 1989/90. In dem Haus fand das Komitee feste Räumlichkeiten, anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens der Lambaréné-Hilfe in der DDR. Nach der Wende wurde das Komitee in einen Verein überführt und 1993 einer Stiftung angegliedert. Stiftung und Verein betreuen heute eine Ausstellung im Haus, sammeln nach wie vor Spenden für Gabun und für die Pflege des geistigen Erbes Schweitzers. »›Aufhänger‹ und Schwerpunkt der Ausstellung in der neuen Schweitzer-Gedenkstätte wurden die Prägungen des elsässischen Theologen und Philosophen durch Weimarer Persönlichkeiten wie Goethe, Bach, Schopenhauer und Nietzsche.«[39] Diese Konstruktion und Einbettung humanistischen Erbes steht, wenn auch unbeabsichtigt, in einer Linie mit der Legitimation europäischen Kolonialismus, der auf der Unterscheidung eines »zivilisierten« Europas und eines »natürlichen« Afrikas beruht.[40] Die Assoziation mit Natürlichkeit und Einfachheit hatte auch Gerhard Geyer im Sinn, als er die Figuren für seinen afrikanischen Zyklus schuf, wie das Zitat oben verrät.  

Blicke austauschen

Ist Albert Schweitzer also zu einem »neuen Klassiker«[41] in Weimar avanciert? Wohl kaum. Aber Denkmal und Gedenkstätte sind Teil des »Gedächtnisses der Stadt«[42] geworden. Die Geschichte, die dieser Beitrag erzählt hat, ist mit dem Untergang der DDR unsichtbar geworden. Sie ist aber – und das ist das Entscheidende – räumlich manifestiert. Das Denkmal selbst ist dabei Teil einer lokalen und globalen Geschichtskultur, die internationale Abhängigkeitsverhältnisse genauso in sich trägt wie rassistische Stereotype in der Kunst oder die Suche nach »Vorbildern« in beiden deutschen Staaten der Nachkriegszeit.

Begegnet man der Figurengruppe, fällt zunächst auf, dass diese auf (fast) keinem Sockel stehen. Ebenerdig und nur leicht überlebensgroß sollen sie nahbar und menschlich erscheinen. Als Identifikationsfigur ist allerdings nur Schweitzer angelegt – aber auch er spricht heute nicht mehr zu uns, bleibt seltsam stumm. Wir sehen ihn als denjenigen, der als Arzt nach Afrika gegangen ist, »um ohne irgendein Reden wirken zu können.«[43] Diese Einstellung ist es auch, die seinen kolonialen Tunnelblick befördert hat: An Austausch war ihm nicht gelegen.

Die anderen Menschen der Figurengruppe bleiben namenlos. Eine Rolle in der Schweitzer-Geschichte spielen sie nur als depersonalisierte, rassifizierte Objekte der Gutmütigkeit und des Humanismus des »Urwalddoktors«. Die Merkmale hingegen, die Menschen als »afrikanisch« markieren sollen, entstammen einer jahrhundertealten Bildgeschichte und reproduzieren diese verkrusteten Bilder eines modernisierungsbedürftigen Afrikas, die so lange Anlass und Legitimation des unterdrückerischen Kolonialsystems in all seinen Facetten war – und über dessen, de jure, Ende hinaus geblieben ist.

Das Schweitzer-Gedenken kennt häufig nur ein Subjekt: Die Person Albert Schweitzer selbst. Diese Verengung – und der apologetische Hinweis, sein Rassismus sei ein Kind seiner Zeit – können die Sicht vernebeln: auf eine differenziert würdigende, aber auch problematisierende Erzählung über Schweitzer und über die Schweitzer-Geschichtsschreibung, auch in der DDR. So blicken alle Figuren der Plastik auf eine seltsame Art und Weise ins Nichts. Vielleicht sind sie alle gezeichnet von Alter, von Krankheit, von Ermüdung, von Sorge. Jedenfalls besteht keine weitere Verbindung zwischen ihnen als die des Helfenden und der Hilfsbedürftigen. Will man aber »von der Imagepflege zur historischen Verantwortung«[44] übergehen, sei die Auseinandersetzung mit dem Denkmal angeraten. Wie kann es gelingen, die Figuren auch im 21. Jahrhundert zum Sprechen zu bringen?

Jetzt jedenfalls steht uns ein Mann gegenüber, dessen Blick durch den Tropenhelm überschattet wird.


[1] Sofern nicht anders angegeben alle biografischen Angaben aus Oermann, Nils Ole: Albert Schweitzer 1875-1965. Eine Biografie, München: C.H. Beck 2013 (Beck’sche Reihe).

[2] Suermann, Thomas: Albert Schweitzer als „homo politicus“: Eine biographische Studie zum politischen Denken und Handeln des Friedensnobelpreisträgers, Berlin: Wissenschaftsverlag 2012, S. 299.

[3] Oermann, Nils Ole / Suermann, Thomas: Albert Schweitzers Lambarene, in: Zimmerer, Jürgen (Hg.): Kein Platz an der Sonne. Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte, Bonn: bpb 2013, S. 270-281.

[4] Ebd., S. 274.

[5] Baur, Hermann: Für oder gegen Albert Schweitzer?, in: Hippokrates 33/1962, S. 982-986.

[6] Vgl. Oermann/Suermann, Albert Schweitzers Lambarene (Anm. 3), S. 276;

[7] Rede abgedruckt in Gerald Götting: Albert Schweitzer – Pionier der Menschlichkeit, Berlin: Union Verlag 1970, S. 25-38.

[8] zit. nach: Suermann, Thomas: Albert Schweitzer als „homo politicus“: Eine biographische Studie zum politischen Denken und Handeln des Friedensnobelpreisträgers, Berlin: Wissenschaftsverlag 2012, S. 270.

[9] Lapp, Peter Joachim: Gerald Götting, CDU-Chef in der DDR. Eine politische Biografie. Aachen: Helios 2011, S.115f.

[10] Nach einem Drehbuch von Havemann entstand 1960 ein zehnminütiger Dokumentarfilm bei der DEFA mit dem Titel Besuch in Lambarene, Ersteinsatz 13. Mai 1960. https://www.defa-stiftung.de/filme/filmsuche/besuch-in-lambarene/ (Aufruf 27.2.2021)

[11] Oermann, Albert Schweitzer (Anm. 1), S. 279.

[12] Suermann, Albert Schweitzer (Anm. 6), S. 278.

[13] Ebd., S. 274.

[14] Van der Heyden, Ulrich: GDR International Development Policy Involvment. Doctrine and Strategies between Illusions and Reality 1960-1990. The example (South) Africa. Wien: Lit 2013, S. 39.

[15] Siehe zum Beispiel: Schwenkel, Christina: Building Socialism. The Afterlife of East German Architecture in Urban Vietnam. Durham: Duke University Press 2020, S. 105ff.

[16] Siehe das Doku-Portal der Stasi-Unterlagenbehörde unter https://www.bstu.de/informationen-zur-stasi/themen/beitrag/rassismus-im-ddr-alltag/ (Aufruf 6.4.2021, CN: rassistische Sprache!)

[17] So zum Beispiel der Export von Wissen und Technologien des Bauwesens, siehe u.a. Butter, Andreas: Showcase and window to the world: East German architecture abroad 1949-1990, in: Planning Perspectives 2/2017, S. 249-269.

[18] Saehrendt, Christian: Kunst im Kampf für das »Sozialistische Weltsystem«. Auswärtige Kulturpolitik der DDR in Afrika und Nahost, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2017, S. 50.

[19] Siehe u.a. Conrad, Sebastian: Rückkehr des Verdrängten? Die Erinnerung an den Kolonialismus in Deutschland 1919-2019, in ApuZ 40-42/2019, https://www.bpb.de/apuz/297599/rueckkehr-des-verdraengten-die-erinnerung-an-den-kolonialismus-in-deutschland-19192019?p=all (Aufruf 27.2.2021)

[20] Giese, Luisa / Langbein, Daniel / Rehling, Charlotte: Hetze in Erfurt: Alltagsrassismus als koloniales Erbe, https://decolonizeerfurt.wordpress.com/hetze-in-erfurt/ (Aufruf 6.4.2021)

[21] Heyden, Ulrich van der: Die Afrikawissenschaften in der DDR. Das Beispiel südliches Afrika, in: Krauth, Wolf-Hagen/Wolz, Ralf: Wissenschaft und Wiedervereinigung. Asien- und Afrikawissenschaften im Umbruch, Berlin: Akademie-Verlag 1998, S. 371-442.

[22] Saehrendt, Kunst im Kampf (Anm. 18), S. 8.

[23] Dietrich, Gerd: Kulturgeschichte der DDR. Band II: Kultur in der Bildungsgesellschaft 1958-1976, Bonn: bpb 2019, S. 1303.

[24] »Afrika zerbricht die Ketten«, in: Neues Deutschland vom 7.3.1961, S. 4.

[25] »Junges Afrika« 1961, »Figurengruppe aus Guinea« 1961, »Afrikanische Mutter« 1962, »Das Gespräch« 1962, »Gruppe mit Albert Schweitzer« 1963/1968 und weitere. 1965 Einzelausstellung mit Afrika-Plastiken in Halle/Saale, eröffnet am 19.3.1965.

[26] Durch den Historiker Jeff Bowersox von der Initiative Black Central Europe vorsichtig gewürdigt, https://blackcentraleurope.com/quellen/1945-1989-deutsch/eine-afrikanerin-mit-ihrem-kind-1961/, (Aufruf 5.3.2021).

[27] Rothenpieler, Greta: »Eine Feier für die Umbenennung«, in: taz, 23.8.2020, https://taz.de/Umstrittene-MStrasse-in-Berlin/!5704013/ (Aufruf 31.03.2021), siehe auch die Online-Ausstellung zu Leben und Denken Amos unter https://savvy-contemporary.com/en/projects/2021/the-faculty-of-sensing/ (Aufruf 09.04.2021)

[28] Nowak, Peter: »Der vergessene Aufklärer«, in: Jungle World 2020/32, https://jungle.world/print/pdf/node/68494/debug, (Aufruf 5.3.2021)

[29] Greve, Anna: Farbe – Macht – Körper. Kritische Weißseinsforschung in der europäischen Kunstgeschichte, KIT Scientific Publishing, Karlsruhe 2013, http://books.openedition.org/ksp/266, S. 13.

[30] Saehrendt, Kunst im Kampf (Anm. 18), S. 70.

[31] Meißner, Günter: »Geyer, Gerhard«, in: Beyer, Andreas / Savoy, Bénédicte / Tegethoff, Wolf: Allgemeines Künstlerlexikon Online. Berlin, Boston: K. G. Saur, 2009, https://www.degruyter.com/document/database/AKL/entry/_00055698/html (Aufruf 5.3.2021).

[32] zitiert nach: Rundbrief 15/1969 des Albert-Schweitzer-Komitees beim Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes in der DDR, S. 28.

[33] »Sichtbarer Ausdruck der Verehrung«, in Neue Zeit vom 15. Juni 1969, S. 4.

[34] »Den reizvollen Willkommensgruß vor dem Haus entbietet der Eselreiter. Zu Gast im Atelier des Hallenser Bildhauers Gerhard Geyer«, in: Neue Zeit vom 28. September 1968, S. 10.

[35] Ebd.

[36] zitiert nach: Rundbrief 15/1969 (Anm. 32), S. 28.

[37] Schwenkel, Building Socialism (Anm. 15), S. 93.

[38] Rundbrief 15/1969 (Anm. 32), S. 28

[39] Seemann, Annette: Weimar. Eine Kulturgeschichte, München: C.H. Beck 2014, S. 359.

[40] Zimmerer, Jürgen: Kolonialismus und kollektive Identität: Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte, in: ders. (Hrsg.): Kein Platz an der Sonne. Erinnerungsorte der Deutschen Kolonialgeschichte, Bonn: bpb, S. 9-37, hier S. 25.

[41] Seemann, Weimar (Anm. 39), S. 359.

[42] Assmann, Aleida: Wie entsteht das Gedächtnis einer Stadt?, in: Kulturpolitische Mitteilungen IV/2020, S. 40-42.

[43] Albert Schweitzer im Jahr 1965 über seine Entscheidung für die Missionsarbeit, zitiert nach Oermann, Schweitzer (Anm. 1), S. 87.

[44] Assmann, Wie entsteht (Anm. 42).