Carl Alexander

Paul Muschiol

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Das Sinnbild des unbeachteten Kolonialismus von Carl Alexander in Weimar

Der Goetheplatz ist ein sehr belebter Ort, an dem täglich etliche Menschen flanieren. Hier befindet sich ebenfalls ein Denkmal von Carl Alexander, dem man meist eigentlich weniger Beachtung schenkt, vor allem seitdem die Statue aufgrund von Beschädigungen entfernt wurde. Ebenso wenig Beachtung wird Carl Alexander im Hinblick auf seine kolonialen Unternehmungen geschenkt, bei denen er als eine ideel treibende Kraft für den deutschen Kolonialismus auf lokaler Ebene handelte. Er verstand es die Akteure des deutschen Kolonialismus in Weimar zu versammeln und umgab sich mit Kolonialrassisten wie Carl Peters sowie mit Forschern, die durch ihr auf ‚Expeditionen‘ erworbenes Wissen Kolonisierung ermöglichten, wie Gerhard Rohlfs. Anhand seiner Aktivitäten kann man zeigen, dass Kolonialismus in Weimar durch militärisches, kulturelles und organisatorisches Engagement ein zentraler Ort deutscher Kolonialgeschichte wurde.

Abb.1: Historische Aufnahme vom Carl Alexander Denkmal auf dem Goetheplatz. (1912)

Der alte Glanz soll wieder her

Das große Engagements von Carl Alexander und seiner Frau Sophia von Oranien-Nassau, die beide als Protektoren und Förderer für Kolonisten galten, begann schon relativ früh. Bereits kurz nach 1870 verfolgten sie den Gedanken Kolonien gründen zu wollen. Carl Alexander wollte Weimar wieder zu einem Kleinstaat nationaler Prägung herausbilden.[1] Dazu sollten neben der neu gegründeten Kunstschule auch die Kolonien helfen. Symbolisch für die versuchte Wiederherstellung des alten Glanzes steht hierbei übrigens die Restauration der Wartburg.[2] „Durch sein Wirken kam es zu einer, auf den ersten Blick sonderbar erscheinenden, geistigen Verknüpfung des klassischen Musen – und Symbolortes Weimar und der romantischen Wartburg als „Hochburg deutscher Kultur“[3] mit weniger geschichtsträchtigen, „neudeutschen“ Plätzen in Übersee.“[4]

Um seine Vorstellung verwirklichen zu können, wollte Carl Alexander viele einflussreiche Personen oder die, die es werden sollten nach Weimar lotsen.[5]

Afrikaforscher und der Großherzog. Eine Freundschaft

Nach dem Deutsch-Französischem Krieg 1870/71 reifte bei ihm der Kolonialgedanke immer mehr heran, sodass er fast im Mittelpunkt seines täglichen Lebens stand. Deshalb bot er Kolonisten und sogenannten Afrikaforschern ein förderliches Umfeld, um sie nach Weimar zu bringen, wie beispielsweise Gerhard Rohlfs, mit dem sich eine Freundschaft entwickelte. Für Rohlfs existiert heute noch eine Gedenktafel an der Belvederer Allee Carl Alexander ernannte Rohlfs aufgrund seines großen Interesses und der vielen Förderungen schließlich zum Protektorat der „Deutschen Gesellschaft zur wissenschaftlichen Erforschung Äquatorial-Afrikas“.[6] Als die deutsche Flagge 1884 in Südwestafrika, Togo, Neuguinea und Kamerun gehisst wird, schreibt Carl Alexander voller Begeisterung an Rohlfs:

 „Ich juble in meinem Herzen über dieses alles und finde keine Worte, dies richtig auszudrücken. Gott sei mit dem Vaterland“.

Carl Alexander[7]

Ebenfalls 1884 übermittelt Carl Alexander ein Glückwunschschreiben an Gerhard Rohlfs, nachdem dieser zum Generalkonsul von Sansibar ernannt worden war:[8]

„Unsere Kolonialpolitik nimmt indessen immer grössere Dimensionen an und erhält eine sich immer stärkende Basis. Ich jubele in meinem Herzen über dieses alles“. Der Brief endet mit der Bitte um „schöne in jenen Landen gefertigte Teppiche. […] Man sagt, in Zanzibar fände man sehr schöne Stoffe, ich liebe dergleichen sehr und verwende dann jene auf der Wartburg“

Carl Alexander zitiert nach Konrad Guenther [9]

Selbst extreme Kolonialisten unterstützt Carl Alexander

Aber nicht nur von dem Afrikaforscher Rohlfs war er begeistert, sondern auch von Carl Peters, obwohl er zu dieser Zeit selbst schon im Reichstag, aufgrund seiner brutalen Handlungen im damaligen Deutsch-Ostafrika, als „Hänge – Peter“ bezeichnet wurde. Carl Alexander spendete mit Ehefrau Sophia für die von Carl Peters im Februar 1887 ins Leben gerufene Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft und für die Deutsch-Ostafrikanische Plantagen – Gesellschaft den hohen Betrag von 130.000 Reichsmark.[10] In seiner Zeit, als Peters Reichskommissar für das Kilimandscharogebiet war (1891-1892) kümmerte er sich um die Festlegung der Grenze gegenüber dem britischen Ostafrika. Seine Amtsführung vor Ort war durch Grausamkeit gegenüber den Landesbewohnern und die willkürliche Anwendung der Todesstrafe gekennzeichnet. Dieses brutale Vorgehen, oft willkürlich gegen die afrikanische Bevölkerung gerichtet, kostete Peters das Amt.  Als er entdeckte, dass seine Geliebte ein Verhältnis mit seinem Diener hatte, ließ er beide öffentlich aufhängen und ihre Heimatdörfer niederbrennen.[11] Peters wurde deshalb 1892 nach Deutschland zurückbeordert, wo man ihn zwar von 1893 bis 1895 noch im Kolonialministerium beschäftigte, gegen ihn allerdings bereits Ermittlungen durchgeführt wurden. Insgesamt wurde seine Amtsführung als Reichskommissar auch von Kolonialbefürwortern scharf kritisiert  und verstärkte die ohnehin größer werdende Kolonialkritik im Reich.[12] Die Ermittlungen des kaiserlichen Disziplinargerichts endeten 1897 mit der unehrenhaften Entlassung aus dem Reichsdienst.[13]

Die große Freundschaft des Großherzogs und Gerhard Rohlfs

Die eben erwähnte Freundschaft von Carl Alexander und Rohlfs spiegelt sich auch bei der Goldenen Hochzeit des Großherzogpaars am 8.Oktober 1892 wider. Die Afrikaforscher Gerhard Rohlfs, Hans Meyer und Ernst von Carnap-Quernheimb schenkten ihnen „wertvolle Bildnisse deutscher Afrikaner“[14]. Hierbei dankten die drei Kolonialisten Carl Alexander und zeigen dabei deutlich auf, welchen Einfluss er auf den deutschen Kolonialismus hatte:

„Daß unter allen deutschen Fürsten Eure Königliche Hoheit von Anbeginn so warm für die Ausbreitung der kolonialen Unternehmungen eingetreten sind und wie sie Beide auch nicht schwere materielle Opfer scheuten, um den kolonialen Gedanken praktisch durchzuführen.“

Carl Alexander zitiert nach Peter Merseburger.[15]

Wohin dieses Bildnis und andere koloniale Güter verschwunden sind, weiß oder will heute keiner der Verantwortlichen mehr wissen. Durch solche Geschenke und Berichte von Afrikaforschern wollte Carl Alexander auch gedanklich dem Hof entfliehen, um so zu erfahren, wie es in den als  exotisch und geheimnisvoll vorgestellten Ländern aussähe, wie Alf Rössner argumentiert. Er reiste auch selbst gerne und wenn er das tat, dann traf er sich auf seinen Reisen meist wiederum mit Kolonialisten und sogenannten Afrikaforschern.[16]  

Ehrungen für einen äußerst rassistischen Kolonialpolitiker

Ein weiterer Kolonialpolitiker und Forschungsreisender, der in Weimar zu zahlreichen Ehrungen, wie den Falkenorden als „Ritter erster Abteilung“[17] , der Ehrung zum „Großherzoglich -Sächsischen Kammerherrn“[18] und der Verleihung des Titels „Dr.phil.h.c.“ von der Universität Jena[19] kam, war Joachim Friedrich Graf von Pfeil und Klein Ellguth. Dieser veröffentlichte 1907 ein Buch mit dem Namen „Zur Erwerbung von Deutsch – Ostafrika“ in dem er folgende zutiefst menschenverachtende und brutale Szene widergibt:

„Meine Karawane befand sich in ruhigem Marsche durch verhältnismäßig friedliches Gebiet, als plötzlich aus dem Busche zu unserer Linken ein [abwertende, rassistisch diskriminierende Fremdbezeichnung für einen Menschen schwarzer Hautfarbe] herausstürzte und mit einem Speer wie wild auf meine Träger losstach.[…] Ein Hieb über den Kopf machte ihn straucheln, und er fiel so vor mich nieder, daß er, auf beide Hände sich stützend, mir die rechte Flanke, höher als die linke, präsentierte. Auf diese hieb ich nun mit aller mir reichlich zur Verfügung stehenden Kraft los, und der Stock bewährte das gute Material, aus dem er gefertigt war. Ich fühlte, daß irgend etwas zerbrach, der Stock war es nicht.“

Carl Alexander blendet den aggressiven Imperialismus aus

Es mag verwundern, weshalb ein rassistischer Kolonialpolitiker und Forschungsreisender den gegenwärtig als tolerant  geltenden Carl Alexander, aufgrund seiner Kulturförderungen, Kulturaffinität und dem Ziel eine ‚humane‘ Kolonialpolitik durchzusetzen, als seinen Unterstützer und Befürworter zählen konnte und sogar die eben genannten Ehrungen erhielt.[20] Wobei man auch hierbei differenzieren muss, dass selbst eine ‚humane‘ Kolonialpolitik, zwar mit dem Ziel ohne Kolonialverbrechen auszukommen, trotzdem mit einschloss Kulturen zu übertrumpfen und zu unterdrücken. Deshalb hat eine Kolonialpolitik das Adjektiv human eigentlich nicht verdient. Carl Alexander waren die Handlungen in den Kolonien bewusst, doch die Diskrepanzen zwischen moralischem Anspruch und kolonialer Realität gegen Ende „seines“ Jahrhunderts blendete er aus.[21]

Abb.2: Richard Lauchert, Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach (Detail), um 1855. Klassik Stiftung Weimar, bestand Museen, Ge-2015/33, Foto: Alexander Burzik https://www.klassik-stiftung.de/service/fotothek/digitalisat/100-2017-2400/

Laut Alf Rößner verkannte Carl Alexander den aggressiven Imperialismus hinter der deutschen Kolonialbewegung und unterschätzte zudem die wachsenden geopolitischen Gefahren im Zuge einer territorialen Aufteilung der Welt. Mit seinem Ideal einer als human konstruierten Kolonialpolitik scheiterte er. Im globalen Kampf um Rohstoffe und Absatzmärkte wurde der koloniale Wettlauf der europäischen Großmächte zu einem wesentlichen Auslöser des Ersten Weltkriegs, der auch in den Kolonien viele Opfer forderte.[22]

Kolonialismus: Nicht nur überall positiv aufgenommener, zeitgeschichtlicher Konsens

Wer nun jedoch glaubt, dass die Kolonialpolitik normaler zeitgeschichtlicher Konsens war, irrt. Selbst aus dem Umfeld Carl Alexanders kamen kritische Stimmen. Baronin Jenny von Gustedts, eine Freundin Carl Alexanders schrieb bereits 1886 in einem Brief an ihre Enkelin Lily von Kretschmann:

„Allein die Kolonialpolitik ist mir nicht sympathisch, so sehr ich den Schutz zum Auswandern billige – Goethe sagt: wo wir nützen, ist unser Vaterland! – aber doch nur in Gegenden, die ein schönes Vaterland werden können, nicht in die Glutöfen der Welt, wo man noch dazu mehr Eisenbahnen brauchen wird, um zu besseren Ländern zu gelangen, als wir in Deutschland noch brauchen, um das nöthigste Verkehrsnetz zu vollenden, und wo es, wie ich fürchte, nicht ohne jene Kolonialgreuel der Unterdrückung und Ausrottung der Eingeborenen abgehen wird, die Englands großartige Politik so beflecken.“

Jenny von Gustedt zitiert nach Lily Braun.[23]

Dabei ist wichtig anzumerken, dass ihre Kritik sicher auch eher auf die Form und nicht grundsätzlich auf die Legitimität des Kolonialismus abzielt.

DER Förderer des Weimarer Kolonial – und Missionierungsvereins

Carl Alexander verfolgte allerdings weiterhin seine Förderungspolitik gegenüber Kolonialprotagonisten. Allein durch den Zeitgeist lässt sich sein Engagement allerdings nicht erklären. Erst recht kann der Zeitgeist nicht für den von ihm mitgeförderten, auf einem rassistischen Weltbild basierenden Kolonialismus, entschuldigen. Durch sein großes Engagement auch in Weimarer Kolonial -, Missionierungs -, und Flottenvereinen stiegen auch die Zahlen der vertretenden Personen in den Vereinen. Vor allem der Zulauf im Flottenverein gefiel Carl Alexander, da er wusste, wie wichtig eine starke Flotte und die Rückendeckung dieser für eine erfolgreiche Kolonialpolitik ist. Um dem verstärkt nachzugehen, empfang er 1897 auch Alfred Tirpitz auf der Wartburg, einen Großadmiral und Staatssekretär des Reichsmarineamts.[24]

Ziel der Missionierung: Japan

Der eben erwähnte Missionierungsverein wurde am 4.Juni 1884 in Weimar unter dem Namen „Allgemeiner Evangelisch-Protestantischer Missionsverein“, gegründet. Auch hier war Carl Alexander ein großer Förderer und übernahm nach der Entscheidung der Missionierung in Japan sogar den Vorsitz des Vereins. Durch seine Kontakte nach Japan und seinen Geldmittel konnte die Mission gegründet werden. Kurz vor der Abreise lud er alle Missionare zu sich ins Stadtschloss ein und lernte sie persönlich kennen. Dies unterstreicht wie ernst es Carl Alexander mit der Missionierung war. Vor allem mit dem Schweizer Theologen Wilfried Spinner tauschte er sich regelmäßig aus und es entstand eine Freundschaft. Das zeigt auch Spinners Eintritt in die lutherische Landeskirche Sachsen – Weimar – Eisenach und die Erlangung der Staatsbürgerschaft des Großherzogtums.  Während der Mission, die von April 1885 bis 1891 andauerte und die Gemeinden in Tokio und Yokohama betrafen, hatten Carl Alexander und Wilfried Spinner ständigen Kontakt zueinander, sodass der Großherzog ihn zu jeder Zeit politische Hilfe oder Fördermittel zusichern konnte.[25] Koloniale Güter sind auf Nachfrage bei der Klassik Stiftung vorhanden und wurden 2018 bei der Ausstellung „Chrysantheme und Falke. Carl Alexander und Japan. Weimar – Jena – Tokyo“, im Schlossmuseum vom 4.05. bis zum 1.07.2018 ausgestellt. Für diese Ausstellung konnten die Klassik Stiftung japanische Objekte ihren Sammlungen identifizieren, die nachweislich im Auftrag Carl Alexanders für die sog. Permanente Kunstausstellung in Weimar erworben wurden.[26] Diese wurde in einer ehemaligen Ziegelei 1880 gegründet. Anlässlich der Goldenen Hochzeit von Großherzog Carl Alexander und Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach wurde 1892 dem Ausstellungsgebäude ein Oberlichtsaal hinzugefügt.

Aus der „Permanenten“ entstand 1903 das „Großherzogliche Museum für Kunst und Kunstgewerbe“ unter der Leitung von Harry Graf Kessler, der später auch Namensgeber, der „Kunsthalle Harry Graf Kessler“ werden sollte.[27]

Es gab auch Pläne für eine ethnographische Sammlung, die Objekte hierfür wurden allerdings später nach Jena an das dortige Museum abgegeben.[28]

Nach Beendigung der Mission hatte Carl Alexander weiterhin Interesse an Auslandsgemeinden, da er die Ernestiner, sein Adelsgeschlecht, als Schutzmacht des „wahren Luthertums“ (Carl Alexander zitiert nach Manuel Schwarz )[29] ansah. So gab es stets eine gute Verflechtung zwischen Japan und dem Großherzogtum. Beispielsweise kamen zwischen 1877 und 1891 19 japanische Studenten an die Universität nach Jena, um dort zu studieren. Im Gegenzug wurden zwei Theologen in die aufgebauten Gemeinden nach Japan entsendet. Der „Allgemeine Evangelisch–Protestantische Missionsverein“ bestand bis 1929 unter diesem Namen. Danach wurde er in „Ostasienmission“ umbenannt und besteht bis heute unter dem Namen „Deutsche Ostasienmission“.[30]

Weimar mit seinem Großherzog Carl Alexander, als deutsche Kolonialhauptstadt

Es gibt ein ´Motivbündel´, welches Weimar ausgehend vom geografischen Mittelpunkt, dem Carl Alexander Denkmal und dem Stadtschloss mit dem Großherzogpaar, zur deutschen Kolonialhauptstadt werden lässt. Zum einen wollte Carl Alexander das Christentum verbreiten und seine Landeskirche vergrößern. Dazu startete, förderte und unterstützte er als Vorsitzender des „Allgemeinen Evangelisch – Protestantischen Missionsvereins“ dieses Vorhaben.[31] Außer der Christianisierung in den afrikanischen Kolonien, die von nationalistischer und rassistischer Überheblichkeit gekennzeichnet war[32], fand auch eine Missionierungsmission nach Yokohama und Tokio in Japan von 1885 bis 1897 statt. Des Weiteren war sein Schaffen von einer „Zivilisierungsmission“ gegenüber außereuropäischen Gesellschaften geprägt. Auswanderer mit dem Ziel Nordamerika sollten lieber Siedlungen in den deutschen Kolonien zu gründen, da sie so die europäische Kultur verbreiten konnten und zum anderen waren sie weiterhin deutsche Staatsbürger, sodass sie das Deutsche Reich nicht verlor. Dies wurde auch mehrfach in der Weimarischen Zeitung erwähnt und angepriesen. Die Zeitung, deren Chefredakteur von Bojanowski sich als Sprachrohr der Weimarer Königlichen Hoheit verstand, versuchte immer wieder ihren Lesern systematisch die Notwendigkeit einer deutschen „Machtprojektion“ nach Übersee nahezubringen.[33] Als weitere Motive kommen hinzu, dass sowohl die aus Oranien-Nassau stammende Ehefrau, als auch sein Onkel bereits Erfahrungen mit Kolonien hatten und wussten, dass diese Reichtum und geopolitischen Einfluss mit sich bringen. Nach Sophies Tod muss sich Carl – Alexander als Mäzen für Kolonisten und Kolonialgebiete deutlich einschränken, da ihm die Gelder fehlten, die sie in die Ehe mit eingebracht hatte, ihm jedoch nichts vererbte.[34]

Man muss auch daran erinnern!

Heutzutage wissen leider viel zu wenige Bürger*innen und Tourist*innen um die koloniale Vergangenheit des Weimarer Fürstenhauses. Dieser Text soll dahingehend aufklären und ein umfassenderes Bild von Weimar und dem Weimarer Hof abgeben. Denn so wie auch andere Überlieferungen von Carl Alexander und seinen Vor – und Nachfolgern gehören zur Geschichte und zur Gegenwart Weimars.

Quellen

  • Lily Braun: Im Schatten der Titanen. Erinnerungen an Baronin Jenny von Gustedt. Hermann Klemm: Berlin.
  • Friedrich Facius (1941): Carl Alexander von Weimar und die deutsche Kolonialpolitik 1850 – 1901. In: Koloniale Rundschau 32. Verlag Kolonialkriegerdank: Berlin.
  • Großherzoglicher Hausorden der Wachsamkeit oder vom weißen Falken. In: Staatshandbuch für das Großherzogtum Sachsen – Weimar – Eisenach 1896. Weimar, 1896.
  • Konrad Guenther (1912): Gerhard Rohlfs. Lebensbild eines Afrikaforschers. I Br Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld: Freiburg.
  • Joachim Graf von Pfeil (1907): Zur Erwerbung von Deutsch – Ostafrika. Ein Beitrag zu seiner Geschichte. Karl Curtius: Berlin.
  • Joachim Graf von Pfeil [Art.] (1908): In: Meyers Großes Konversations – Lexikon. Bd.15: Öhmichen bis Plakatschriften. Bibliographisches Institut Leipzig.
  • Peter Merseburger (1998): Mythos Weimar: zwischen Geist und Macht. Dt. Verl.-anst.: Stuttgart
  • Hermann Nebe (1946): Junker Jörg auf der Wartburg. Verlag Gustav Neuenhahn: Jena, S.5.
  • Thomas Nipperdey (1992): Deutsche Geschichte 1866-1918. Bd. II. Machtstaat vor der Demokratie. Verlag C. H. Beck: München, S. 729.
  • Alf Rössner (2004): Carl – Alexander von Sachsen – Weimar – Eisenach. Erbe, Mäzen und Politiker. Böhlau Verlag: Köln, Weimar, Wien.
  • Alf Rössner (2014): „Kulturträger“ im „schwarzen Erdteil“. Weimars kolonialer Anspruch und Carl Alexander und Wilhelm Ernst. In: Ilm-Kakanien. Weimar am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Jahrbuch der Klassik Stiftung Weimar 2014. Hg. v. Franziska Bomski, Hellmut Th. Seemann u. Thorsten Valk. Wallstein Verlag: Göttingen, S. 197-212.
  • Manuel Schwarz (2016): „Die Tüchtigsten und Wissenschaftlichsten nach Japan senden“. Der Missionar Wilfried Spinner unter dem großherzoglichen Protektorat Carl Alexanders. In: Mens et Manus. Kunst und Wissenschaft an den Höfen der Ernestiner Jahrbuch der Klassik Stiftung Weimar. Hg. v. Franziska Bomski, Hellmut Th. Seemann und Thorsten Valk. Wallstein Verlag: Göttingen, S.151-167.
  • Winfried Speitkamp (2005): Deutsche Kolonialgeschichte. Reclam: Stuttgart, S. 138f.
  • Stadtmuseum Weimar: Kunsthalle „Harry Graf Kessler“, Weimar: https://stadtmuseum.weimar.de/index.php?id=16 (letzter Aufruf: 22.03.2020, 16:29 Uhr)

Abbildungsverzeichnis

  • Abb.1: Historische Aufnahme von 1912 vom Carl Alexander Denkmal auf dem Goetheplatz, Archiv der Stadt Weimar.
  • Abb.2: Richard Lauchert, Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach (Detail), um 1855, Klassik Stiftung Weimar

Endnoten

[1] Vgl. Peter Merseburger (1998): Mythos Weimar: zwischen Geist und Macht, S. 230.

[2] Vgl. ebd. S.224.

[3] Hermann Nebe (1946): Junker Jörg auf der Wartburg, S.5.

[4] Alf Rössner (2004): Carl – Alexander von Sachsen – Weimar – Eisenach. Erbe, Mäzen und Politiker, S.52.

[5] Vgl. ebd. S.230.

[6] Vgl. ebd. S.230.

[7] Carl Alexander zitiert nach Peter Merseburger, vgl. ebd. S.231.

[8]  Vgl. Alf Rössner (2014): „Kulturträger“ im „schwarzen Erdteil“. Weimars kolonialer Anspruch und Carl Alexander und Wilhelm Ernst, S.206.

[9] Carl Alexander zitiert nach Konrad Guenther (1912): Gerhard Rohlfs. Lebensbild eines Afrikaforschers, S.282 f.

[10] Vgl. Alf Rössner (2014): „Kulturträger“ im „schwarzen Erdteil“. Weimars kolonialer Anspruch und Carl Alexander und Wilhelm Ernst, S.201.

[11] Vgl. Winfried Speitkamp (2005): Deutsche Kolonialgeschichte, S. 138.

[12] Vgl. Thomas Nipperdey (1992): Deutsche Geschichte 1866-1918. Bd. II. Machtstaat vor der Demokratie, S. 729.

[13] Vgl. Winfried Speitkamp (2005): Deutsche Kolonialgeschichte, S. 138f.

[14] Peter Merseburger (1998): Mythos Weimar: zwischen Geist und Macht, S.231.

[15] Vgl. Peter Merseburger (1998): Mythos Weimar: zwischen Geist und Macht, S.231.

[16] Vgl. Alf Rössner (2004): Carl – Alexander von Sachsen – Weimar – Eisenach. Erbe, Mäzen und Politiker, S.52.

[17] Großherzoglicher Hausorden der Wachsamkeit oder vom weißen Falken, S.47.

[18] Friedrich Facius (1941): Carl Alexander von Weimar und die deutsche Kolonialpolitik 1850 – 1901, S.351.

[19] Joachim Graf von Pfeil [Art.] (1908): In: Meyers Großes Konversations – Lexikon. Bd.15: Öhmichen bis Plakatschriften, S.700.

[20] Vgl. Alf Rössner (2014): „Kulturträger“ im „schwarzen Erdteil“. Weimars kolonialer Anspruch und Carl Alexander und Wilhelm Ernst, S.197.

[21] Vgl. ebd. S.205.

[22] Vgl. ebd. S.206.

[23] Lily Braun: Im Schatten der Titanen. Erinnerungen an Baronin Jenny von Gustedt. Hermann Klemm: Berlin, S.404 f.

[24] Vgl. Peter Merseburger (1998): Mythos Weimar: zwischen Geist und Macht, S. 231.

[25] Vgl.Manuel Schwarz (2016): „Die Tüchtigsten und Wissenschaftlichsten nach Japan senden“ In: Mens et Manus. Kunst und Wissenschaft an den Höfen der Ernestiner, S.156 ff.

[26] Korrespondenz des Autors mit der Klassikstiftung vom 28.01.2020

[27] Vgl. Stadtmuseum Weimar: Kunsthalle „Harry Graf Kessler“, Weimar: https://stadtmuseum.weimar.de/index.php?id=16

[28]Korrespondenz mit der Klassikstiftung vom 28.01.2020

[29] Carl Alexander zitiert nach Manuel Schwarz (2016): „Die Tüchtigsten und Wissenschaftlichsten nach Japan senden“ In: Mens et Manus. Kunst und Wissenschaft an den Höfen der Ernestiner, S.167f.

[30]Vgl.Manuel Schwarz (2016): „Die Tüchtigsten und Wissenschaftlichsten nach Japan senden“ In: Mens et Manus. Kunst und Wissenschaft an den Höfen der Ernestiner, S.167.

[31] Vgl. Peter Merseburger (1998): Mythos Weimar: zwischen Geist und Macht, 230.

[32] Vgl. Alf Rössner (2014): „Kulturträger“ im „schwarzen Erdteil“. Weimars kolonialer Anspruch und Carl Alexander und Wilhelm Ernst, S.205.

[33] Vgl. Peter Merseburger (1998): Mythos Weimar: zwischen Geist und Macht, 230.

[34] Vgl. Peter Merseburger (1998): Mythos Weimar: zwischen Geist und Macht, 231-232.