Decolonize Food

Johanna Ledermann

1. Essen

Verbindungen

Ein Nachbarschafts-Brunch. Im Müsli Schokosplitter und Sojajoghurt, dazu Brot mit Avocadodip und Tomate, chilli-scharfer Quinoasalat mit Bohnen, Mais, Paprika, Tofu, mit jedem Gast kommen neue Leckereien hinzu. Neben Säften und Tees stehen diverse Kaffeekannen.

Die Nachbar*innen spüren „communitas“, die soziale Funktion von Essen: es verbindet mit den Menschen, mit denen es geteilt wird. Essen und Trinken ist das einzige körperliche  Bedürfnis, das Menschen gerne in großen Gruppen miteinander stillen, und zu dem sich ein enormes Netz an Wissen, Kulturtechniken, Traditionen, Tabus und Werten herausgebildet hat.[1]

Trennlinien

Was letztlich geteilt werden kann und zum verbindenden Element wird, entscheiden Zugang zu Land, Arbeitsmitteln und Wissen über Anbau; finanzielle Möglichkeiten sowie die regionale und saisonale Verfügbarkeit. Nicht alle haben gleichberechtigten Zugang zu „guter“ und „gesunder“ Ernährung. Entlang unserer Geschmäcker und Diäten verlaufen weiterhin feine soziale Linien, die uns ganz entgegen der ureigenen sozialen Funktion des Essens trennen, statt einen.[2]

Historizität

Wir sind, was wir essen. Die Auseinandersetzung mit Esskulturen nimmt historisch gewachsene ökonomische und politische Konditionen nur allzu schnell als gegeben hin, und normalisiert und ent-historisiert somit unseren heute selbstverständlichen Zugang zu bestimmtem Essen. Dabei waren Nahrungsmittel treibende Kräfte des Kolonialismus und sind heute weiterhin als Träger und Erzeugnisse postkolonialer Strukturen relevant.

Wie (post-)kolonial ist Essen (nicht nur) in Deutschland? Wie können wir unsere Versorgung und unseren Konsum de-kolonisieren? Da diese Fragen nicht allein mit einem Blick auf die bislang wenig erforschte deutsche koloniale Plantagenwirtschaft beantwortet werden können, soll im Folgenden ein exemplarischer Überblick versucht werden, der langfristig Interesse an weiterer detaillierter Auseinandersetzung mit historischen Vorgängen und Auswirkungen auf heutige Produktions-, Handels- und Konsumweisen wecken soll.

Entgegen einer Ent-historisierung beginnt dies mit dem Handel mit Pflanzen hin zu erster europäischer kolonialen Plantagenwirtschaft mit Zuckerrohr. Die ökonomischen, kulturellen und sozialen Auswirkungen des Zuckerhandels- und konsums verdeutlichen, wie einflussreich Essensversorgung ist. Weiterhin soll aufgezeigt werden, wie deutsche Händler*innen / Pflanzer*innen in koloniale Plantagenwirtschaft involviert waren und wie rassistische Bildsprache im Vertrieb von Nahrungsmitteln zur Bildung von Stereotypen und Vorurteilen beigetragen hat.

Abschließend sollen Möglichkeiten zur Dekolonisierung von rassistischer Bildsprache und heutiger Nahrungsmittelproduktion aufgezeigt, sowie Kontinuitäten zwischen kolonialem und heutigem Lebensmittelkonsum reflektiert werden.

2. Exemplarische Kolonialgeschichte des Essens

Handel mit Pflanzen

Seitdem Menschen Ackerbau betreiben und Pflanzen kultivieren, werden Saatgut und Früchte getauscht und gehandelt. In Europa entstand ein lukrativer Handel mit Gewürzen und anderen Luxusgütern, die über tausende Kilometer auf Seidenstraße und Schiffswegen nach Europa importiert wurden. Exklusiver Konsum in den Adelshäusern Europas ermöglichte Esskultur und Luxusgeschmack der Regierenden in Abgrenzung zur teils leibeigenen Bevölkerung, die von Subsistenzwirtschaft lebte und häufig hungerte. Um die eigene Handelsmacht auszubauen und Zwischenhändler zu umgehen, schickten die portugiesische und spanische Krone Seeleute auf die Suche nach direkten Seewegen nach Indien. 1492 wähnte sich Christóbal Colón am Ziel, „entdeckte“ vermeintlich eine „Neue Welt“, die allerdings seit Jahrtausenden von Menschen besiedelt war. Das Verlangen nach billigerem Pfeffer vermochte seine Reise zunächst nicht zu stillen – jedoch stellt sich seine Mission als langfristig weitaus lukrativer für die spanische Krone heraus.[3]

Koloniale Pflanzen

Schnell erkannten die europäischen Königshäuser, dass nicht gleichberechtigter Handel, sondern die blutige Unterwerfung anderer Hoheitsgebiete, die direkte (land)wirtschaftliche Kontrolle und Ausbeutung der lokalen Bevölkerung, sowie die Verschleppung und Versklavung von Menschen vom afrikanischen Kontinent in die Kolonien langfristig günstige Versorgung der eigenen Untertanen sowie gewinnbringenden Handel mit Lebensmitteln und Rohstoffen gewährleisten würde.

Noch bevor ein Großteil der Bevölkerung in den von Europäern getauften „Amerikas“ durch Kolonialisten ermordet, in Zwangsarbeit ausgelaugt und getötet, sowie durch aus Europa eingeschleppte Viren und Bakterien dahingerafft wurde, brachten spanische Schiffe die ersten Kartoffeln, Mais, Tomaten, Paprika und andere Pflanzen zurück nach Europa. Dort in ein neues Ökosystem verpflanzt, konnten sie von den Plagen und Parasiten in ihren Herkunftsregionen befreit gut gedeihen. Über die Jahrhunderte integrierten sie sich als unverzichtbarer Bestandteil regionaler und nationaler Küchen, sodass wir sie heute ganz „natürlich“ als lokale Pflanzen auffassen.

Koloniale Plantagen

Das Klima und die Böden in einigen Teilen der Amerikas versprachen wiederum geeignete Anbaubedingungen für Gewürze, Zuckerrohr und andere Pflanzen, die in Europa nicht kultiviert werden konnten.

Bis zur Eroberung Spaniens 711 durch das islamische Weltreich war Zucker in Europa unbekannt – und blieb über Jahrhunderte hinweg ein exklusives teures Gewürz, dem hervorragende medizinische Eigenschaften zugeschrieben wurden[4]. Zunächst im Mittelmeerraum angebaut, entstanden ab 1450 erste Plantagen auf den von Spaniern und Portugiesen besetzten Atlantikinseln Madeira und Teneriffa, die nur mit von der afrikanischen Küste dorthin verschleppten und versklavten Menschen betrieben werden konnten[5].

Der Zuckerrohr-Anbau in den Amerikas wurde nach diesem Modell gestaltet und ausgebaut.[6] Bereits 1493 reisten Kolonialisten mit Zuckerrohr in die Amerikas, ab 1503 wurden Menschen aus Afrika dorthin verschleppt und versklavt, ab 1516 begann die Produktion „weißen Golds“ auf Plantagen: Zucker.[7]

Schon im 16. Jahrhundert beteiligten sich auch die deutschen Handelsfamilien Fugger und Welser an Sklavenhandel und Plantagen. Exemplarisch[8] für den sogenannten transatlantischen Dreieckshandel sei hier auch der deutsche Kaufmann Schimmelmann genannt, der im 18. Jahrhundert als eine der reichsten Privatpersonen Europas galt: „Aus Manufakturen in Ahrensburg und Wandsbek transportierte er das Baumwollgewebe Kattun, Waffen und Alkohol nach Westafrika, wo er diese Waren gegen gefangene Afrikaner tauschte; diese wurden in seinen Schiffen in die Karibik und nach Nordamerika verbracht, wo sie als Sklaven verkauft wurden. Mit dem Profit kaufte er durch Sklavenarbeit erzeugte karibische Produkte wie Zuckerrohr, Baumwolle und Tabak, die er wiederum nach Hamburg verschiffte.“[9]

Zucker wird zugeschrieben, eine besondere Rolle in der Entwicklung der englischen feudalen Gesellschaft hin zur Industrialisierung gespielt, und zur Herausbildung moderner Konsument*innen beigetragen zu haben: Zuckerrohr kann nicht lange gelagert, sondern muss direkt nach der Ernte weiterverarbeitet werden. Somit entstanden auf den Plantagen auch mit rudimentären Maschinen ausgestattete Anlagen, die erste agrarindustrielle Arbeitsorganisation notwendig machten. Disziplin, Organisation, Zeitmanagement, die Trennung von Produktion und Konsum, sowie der Arbeitenden von ihren Arbeitsmitteln – klassische Instrumente der Industrialisierung im modernen Kapitalismus, die in Europa erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts beschrieben werden, entstanden so schon im 16. Jahrhundert in englischen Kolonien und befeuerten die wirtschaftliche Entwicklung in England.[10]

 Zucker, Wirtschaft und Gesellschaft

Tatsächlich stiegen Zuckeranbau und Zuckerkonsum enorm an. Zwar verlor Zucker nun an symbolischen Wert als exklusives Luxusgut, wurde aber weiterhin als hochkalorisches, modernes Nahrungsmittel gepriesen, nun zum Wohl der ärmeren Bevölkerung. Um 1800 konsumierte jede*r Engländer*in ca. 10 kg pro Jahr[11]. Die Abhängigkeit der Bevölkerung von drug foods wie Tee und Zucker spielte in die Hände der Industrialisierung: wer die importierten Güter konsumieren wollte, musste zunehmend dazu bereit sein, die eigene Arbeitskraft gegen Geld einzutauschen. [12]

Zuckerkonsum in Deutschland

In Deutschland waren die Auswirkungen der kolonialen Zuckerrohrwirtschaft weniger einschneidend, dennoch zeigte der transatlantische Handel (nicht nur) mit dieser Ware langfristig auch in Deutschland Folgen.

Ab Ende des 16. Jahrhunderts wurde Zucker in Hamburg weiß raffiniert und gewinnbringend bis nach Osteuropa gehandelt. Es handelte sich allerdings weiter um ein Luxusgut. Erst die Suche deutscher Wissenschaftler nach einer lokalen, günstigeren Alternative und die Entdeckung und Weiterzüchtung der Zuckerrübe machten das Produkt Anfang des 19. Jahrhunderts für die breitere Bevölkerung zugänglich.[13] Im ländlichen Raum entstanden neben Rübenfeldern auch industrielle Anlagen zur Herstellung von Zucker. Ähnlich wie in England wird ein Zusammenhang zwischen der Verbreitung regelmäßigen Zuckerkonsums und Industrialisierung   vermutet[14].

Bereits der mit Zuckerrohranbau begründete transatlantische Handel beeinflusste die  Industrialisierung in Deutschland maßgeblich. Denn auch andere Rohstoffe gelangten durch Sklavenarbeit in den Amerikas verbilligt und zuverlässig nach Europa, neue Absatzmärkte in Afrika sorgten für regionalen Aufschwung in Deutschland. [15]

Plantagenwirtschaft in deutschen Kolonien

Die gestiegene Wirtschaftskraft und Wohlstand der kolonisierenden Nachbarländer nährte in Deutschland koloniale Bestrebungen. Die deutschen Kolonien in der Südsee und Afrika wurden auch besetzt, um mit Plantagen nach Vorbild der anderen Kolonialmächte wirtschaftlich ausgebeutet zu werden.

Sobald das Land der lokalen Bevölkerung erfolgreich illegitim enteignet worden war, stießen deutsche Unternehmer zu einer Zeit, in der Sklavenhandel offiziell bereits verpönt war, stets auf das gleiche Problem: die seit Jahrhunderten erfolgreich in eigenen Wirtschaftssystemen lebenden Menschen zeigten kein Interesse an der Lohnarbeit in den Plantagen.[16]

Um die Menschen zur Arbeit zu zwingen, führten die Deutschen in ihren Kolonien  Steuern ein, die ohne die Plantagenarbeit kaum zu bezahlen waren, oder sie befreiten nur Zwangsarbeiter*innen in Diensten von Deutschen von den Abgaben.[17] In Neuguinea beispielsweise wurden Einheimische ab dem Alter von 12 Jahren aggressiv rekrutiert und mit dreijährigen Verträgen zur Arbeit verpflichtet  – diese Befristung war den Schätzungen zum Verschleiß der Arbeitskraft von Seiten der Plantagenbetreiber geschuldet, und dennoch starb jeder vierte Plantagenarbeiter.[18] Aufstände der Nyakyusa im Dezember 1897 im Südwesten „Deutsch-Ostafrikas“ oder der große Maji-Maji Krieg 1905/1906, wurden blutig niedergeschlagen. Die imaginierten kolonialen Objekte erwiesen sich als widerständige Akteur*innen ohne Interesse an Entrechtung, Beherrschung und  „Zivilisierung“ durch Deutsche.[19]

Das Leitbild der „Arbeit als Tugend“ sollte in den Kolonien mit Gewalt umgesetzt werden. Menschen in allen deutschen Kolonien litten und starben an der rassistischen Idee der Kolonialisten, sie an Arbeit „gewöhnen“ zu müssen.

Die erhoffte Wirkung der Gewalt blieb aus: Aufgrund fehlender Erfahrung der Deutschen mit lokalen Böden und Plantagenwirtschaft blieben die erwarteten Exporte hinter den ursprünglichen hohen Zielen zurück.[20] Dennoch bauten nach dem Ersten Weltkrieg die Siegermächte auf den von Deutschen geschaffenen kolonialen Strukturen der Ausbeutung weiter auf. Deutsche Unternehmer und Siedler*innen reisten weiterhin ein, betrieben Firmen, Plantagen und Handel[21], trugen damit zum Wohlstand in Deutschland bei und führten den Kolonialgedanken weiter. Die kolonialen Enteignungen und von Kolonialherren mit Gewalt durchgesetzten sozialen und ökonomischen Strukturen wirken sich noch heute auf die Menschen in den ehemaligen deutschen Kolonien aus.

Moderne Plantagen

Zumal ungleiche Machtstrukturen bestehen bleiben, handeln heutige Agrar-Unternehmen auf einem globalisierten Weltmarkt in gänzlich anderen Dimensionen, und so ist moderne Plantagenwirtschaft in ihrem transnationalen Aufbau mittlerweile „kein Relikt“[22] des früh-agrarindustriellen kolonialen Vorgänger mehr. Unabhängig vom vermeintlich modernisierten Aufbau der Unternehmensstrukturen bleibt festzustellen: „Arbeitsbedingungen nach kolonialem Muster, Bezahlung nach Stücklohn und schlechter Arbeitsschutz gefährden die Belegschaft“. [23]

Kolonialistische Bildsprache in der Nahrungsmittelwerbung

Auch heutige Bildsprache im Marketing von Nahrungsmitteln verweist häufig auf Motive aus der  Kolonialzeit. In Deutschland zeigen sich diese beispielsweise in Werbeplakaten ab 1880. Werbung für die damals luxuriösen Kolonialwaren richteten sich in erster Linie an kaufkräftige Kundschaft, welche durch die Lektüre von „Entdecker“- und „Reise“-Literatur gegebenenfalls schon kolonialistisch geprägtes Vorwissen besaß[24] und entlehnte Motive aus der Orient-Malerei kannte. Sie erreichten im Straßenbild angebracht aber alle gesellschaftlichen Schichten und prägten so ein kollektives kulturelles Gedächtnis: „[Bilder und Stereotypen bzw. das imaginäre Bildarchiv] haben eine identitätsbildende Funktion, grenzen das Eigene [einer Gruppe] vom Anderen und möglicherweise auch Fremden ab.“[25] Stereotypen, die konstruierte Gruppen „Anderer“ be- und abwerten, spielen eine maßgebliche Rolle in rassistischen Strukturen.

Obwohl Kakao, Tee und Kaffee nicht aus arabischen Ländern importiert wurden, bewarben Werbemacher diese Produkte in Deutschland mit orientalistischen Motiven.[26] Dabei wurden nicht selten ethnische Motive aus unterschiedlichen Kontinenten und Kulturen vermischt, „für die europäischen Betrachter [erschienen] Afrika und Asien grenzenlos.“ [27]

Information über die eigentliche Herkunft der Produkte war somit nachrangig, wie in der heutigen Werbung sollten über die Bilder auf einer emotionalen Ebene Bedürfnisse geweckt oder angesprochen werden, und zu einer Kaufentscheidung führen.[28]

Orientalische Motive konnten hierbei auf unbewusste Einstellungen in der Käuferschaft zurückgreifen, die auf den „Orient“ eine Gegenwelt zu ihrer rapide industrialisierten Gesellschaft projizierten, welche mit der Antike assoziiert wurde, und von ahistorischem Stillstand und Verharren in Traditionalismus und Vormoderne geprägt sein sollte. Prachtvoll ausgestaltete Szenen spiegelten die Sehnsüchte nach Müßiggang und komfortabler Lebensführung unabhängig von industrieller Geschäftigkeit und Lohnarbeit wieder.

Immer wieder treten auch Kolonialherren und weiße „Entdecker“ in den Motiven auf, die das Selbstbild des gerechten Kolonialismus, der die übrige Welt „zivilisieren“ soll bekräftigt. Infantilisierte Darstellungen der orientalisierten „Anderen“ überdecken bildnerisch den um die Jahrhundertwende in Europa publik werdenden aktiven Widerstand der Menschen unter Kolonialherrschaft und anti-koloniale Debatten. Die sexistische Typisierung der „erotischen, sexuell verfügbaren Frau“, des „mutigen, edlen Arabers“ und der „allgegenwärtigen Schwarzen servilen Sklav*innen oder Diener*innen“ fügen sich zu einer Kulisse des Luxus zusammen, mit dem die Produkte in der Werbung assoziiert werden sollen.[29]

Menschen werden gemäß westlicher Wünsche und Projektionen objektiviert: „Das Werk ‚Orientalismus‘ hat mit Saids Worten das Denksystem ‚Stereotypisierung‘, die Erfindung des Orientalen als ein Wesen außerhalb der ‚allgemeinen Menschen‘ zum Gegenstand.“[30]

Die Verbindung zwischen kollektiv verankerten Stereotypen, Vorurteilen und Rassismus wird von sozialpsychologischen Studien regelmäßig bestätigt und weiter erforscht. Während die Bekämpfung von Rassismus auf staatlichen und gesellschaftlichen Ebenen immer wieder versichert wird, ist kolonialistische stereotypisierende (Bild-)Sprache im öffentlichen Raum und allen Medienformen trotzdem weiterhin verbreitet.

3. Essen dekolonial

Bildsprache

Initiativen von BIPOC[31] und anti-rassistische Gruppierungen bemühen sich um die Umbenennung kolonialer Straßennamen und Plätzen, Orten wie Cafés oder Apotheken und Markennamen[32]. In der öffentlichen Diskussion möchten weiße Menschen immer wieder entscheiden, welche stereotypen, reduzierenden und objektivierenden Bilder oder Worte auf BIPOC nicht verletzend zu wirken haben. In einigen Fällen konnten Aktivist*innen bereits wichtige Veränderungen erkämpfen.

Nicht immer sind Neu-Ausrichtungen eines Markenprofils aber erfolgreich postkolonial: Der Schwarze Sarotti-Diener wurde 2004 zum versilberten „Zauberer“, dessen Pluderhose und Turban dennoch weiterhin klar an orientalistischen Darstellungen anknüpft. Die vor knapp 40 Jahren von Edward Said dekonstruierte und kritisierte westliche Konstruktion des „Orients“, hat sich aber im Zuge wachsender Islam-Feindlichkeit mittlerweile maßgeblich gewandelt. Der Zauberer in orientalischen Pluderhosen möchte Konsument*innen nun vielmehr nostalgisch an eine Zeit erinnern, in der der „Orient“ noch „unproblematisch“ als Sehnsuchtskulisse diente und im Zuge kolonialer Aufteilung als „kontrollierbar“ wahrgenommen wurde.

Die entkolonisierte Darstellung eines Produkts im Werbebereich dekolonisiert das Produkt an sich allerdings nicht. Nahrungsmittelversorgung, Produktionsverhältnisse und Esspraktiken werden weiterhin von kolonialistischen Konzepten und Strukturen bestimmt.

Die Philosophin Lisa Heldke reflektiert:

„I was motivated by a deep desire to have contact with and somehow to own an experience of an Exotic Other to make myself more interesting. Food adventuring, as I was coming to think about it, made me a participant in cultural colonialism, just as surely as eating Mexican strawberries in January made me a participant in economic colonialism.“[33]

(deutsch:)

„Ich war motiviert von dem tiefen Wunsch, Kontakt zu einem exotischen Anderen zu haben und es irgendwie zu erleben, um mich interessanter zu machen. Das Abenteuer Essen, als ich darüber nachdachte, machte mich zu einer Teilnehmerin am kulturellen Kolonialismus, genauso wie das Essen mexikanischer Erdbeeren im Januar mich zu einer Teilnehmerin am wirtschaftlichen Kolonialismus machte. “

Ausgehend von dieser Beobachtung soll im Folgenden ein kritischer Blick auf Aspekte dieses von Heldke betitelten „cultural colonialism“ in Bezug auf Essenskonsum und „economic colonialism“ bezüglich Essensproduktion geworfen werden.

Konsum

Essen ist unweigerlich in ein Netz aus Migrationsbewegungen, Kolonisierung, veränderlichen kulturellen Praktiken,  gewachsenen Geschmäckern, transnationaler Ernährungsproduktion und globalen Handel eingebettet.

Einerseits wird Essen trotzdem weiterhin oft als trennender kultureller Marker des vermeintlich „Eigenen“ und „Fremden“ verwendet, ist Vehikel von Stereotypen, Ausschluss, Abwertung und Rassismus. Andererseits  steht das Essen „fremder, anderer“ Gerichte für Weltoffenheit, Respekt und als verbindendes Element zwischen Kulturen. Der Konsum von vermeintlicher Differenz wird je nach Lebenswelt und Einstellungen ab- oder aufgewertet. Die Wertungen in „gesund“ – „ungesund“, „normal“ – „exotisch“, „lecker“ – „eklig“, „teuer“ – „billig“ verlaufen zwischen sozialen Klassen, den Gerichten der dominierenden Kultur und den Küchen von Minderheiten, verfestigen Differenzen und weisen Positionen im sozialen Raum zu.[34]

Um gemeinsames, respektvolles und verbindendes Essen zu ermöglichen, müssten Konsument*innen erkennen, dass jede Pflanze und jedes Gericht eine kulturelle Geschichte hat. Wenn daraus resultierende Machtverhältnisse in die Gegenwart hinein wirken, sollten Menschen diese anerkennen und sich gemäß der eigenen Position im sozialen Raum verantwortlich verhalten, um nicht abwertende Stereotype und Rassismus zu reproduzieren oder sich andere Kulturen anzueignen.

Diese „cultural appropriation“ bedeutet im engeren Sinn, dass Menschen, die einer dominierenden Kultur angehören, von einer nicht-dominierenden Kultur ökonomisch, kulturell und/oder symbolisch profitieren.[35]

Gerichte sind ebenso wie die Kulturen und Menschen die sie hervorgebracht haben und kochen, divers und wandelbar. Ein „authentisches“ essentialisiertes Gericht gibt es nicht. Ebenso wenig wie es „den echt deutschen“ Knödel gibt, gibt es „die echt vietnamesische“ Pho.  Während bestimmte Rezepte durchaus ein ideelles Eigentum sein können, sind es bestimmte Herangehensweisen an die Nahrungsmittelverarbeitung und Konsumformen nicht. Jede*r kann jede*s Gericht selbst kochen und interpretieren, kosten und teilen – in der Verantwortung, den Menschen und deren Kultur hinter dem Gericht Respekt zu erweisen und nicht daraus Profit zu schlagen, wenn dieser nicht zusteht.

Ebenso wie Reisen, ist auch das „Entdecken“ oder Nachkochen „neuer“, „fremder“,  „exotischer“ Gerichte in vielen gesellschaftlichen Milieus wichtig, um progressive Geisteshaltung und Weltoffenheit zu demonstrieren, ergo kulturelles und symbolisches Kapital zu erwerben. Sobald bestimmte „andere“ Küchen im Mainstream einer dominierenden Kultur angekommen sind, sinkt gewissermaßen ihr symbolisches Kapital, das dann über noch „Exotischeres“ akquiriert wird.[36]

Ein Hinterfragen des weißen „Hungers auf Anderes“, der Exotisierung „anderer“ Küchen, der Selbstdarstellung, der Projektion von ahistorischer „Authentizität“, symbolischen und kulturellen Profits, stehen am Anfang jeder Auseinandersetzung um cultural appropriation und Essen.

Globaler Handel

Mit Migrationsbewegungen entstehen internationale Läden, die Lebensmittel,  Gewürze und bereits verarbeitete Produkte importieren und verkaufen, die in den Supermärkten, die die dominierende Esskultur versorgen, häufig nicht zu finden sind. Über öffentliche Esslokale werden bestimmte Gerichte populär, finden Eingang in die Mainstreamkultur und werden zur Ware. Ein Beispiel wäre hier ein Gericht, die im Nachkriegsdeutschland „fremde“ Pizza, die heute in der Tiefkühlvariante in keinem Supermarkt fehlt. In diesem Fall waren italienische Migrant*innen die Agent*innen der Verbreitung ihrer Esskultur in der dominierenden Mainstreamkultur.[37]

Die Einführung neuer Produkte, die den „Hunger auf Anderes“ ansprechen, erfolgt  aber auch über Händler*innen und Food-Influencer*innen. Hier werden Lebensmittel aus ihrem kulturellen Kontext gelöst und von der dominierenden Esskultur angeeignet, ohne dass Agent*innen der Esskulturen, die diese Pflanzen gezüchtet und kultiviert haben, involviert wären. Die Hypes um Quinoa, Chia und Avocado sind recht aktuelle Beispiele dafür. Während Chia in der Herkunftsregion nur in geringen Mengen in Limonaden konsumiert wird, landet es in Deutschland in großen Mengen im Brot, Müsli, oder in sogenannten Chia-Puddings.

Die Rhetorik in der Bewerbung von Zucker als medizinisch-gesundes Produkt vor gut 500 Jahren ähnelt erstaunlich derjenigen der heutigen super foods. Diese erfüllen heute statt hochkalorisch und sättigend aber vielmehr die Kategorien und Projektionen gesund, natürlich, nicht-süchtigmachend, exotisch, ursprünglich, einfach. Wie unter Punkt 2 ausgearbeitet Zucker gewissermaßen den Bedürfnissen der Bevölkerung in der neuen industriellen Arbeitswelt entsprach, so lassen sich die auf super foods projizierten Eigenschaften auf die Anforderungen der aktuellen Ernährungs- und Arbeitssituation in Dienstleistungsgesellschaften, auf Gesundheits- und Körperparadigmen in den heutigen Hauptimportländern beziehen.

Zwar ist angesichts der heute existierenden Handelsnetze und Diversität zu bezweifeln, dass Quinoa, Chia und Avocado die Welt so nachhaltig verändern mögen wie Zucker, trotzdem hat der gestiegene Konsum dieser Erzeugnisse große Auswirkungen auf lokale Anbaugebiete, regionale Konsument*innen und globalen Handel.

Globale Produktion

Diese Nahrungsmittel werden vor allem in die USA, Europa und Australien importiert, der Absatz steigt weiter an, gleichzeitig werden Anbaugebiete ausgebaut und globalisiert. Quinoa-Neu-Züchtungen machen den Anbau auch außerhalb der Anden möglich[38], Unternehmen bauen die anspruchslose Chia in Afrika an, und für neue Avocadobaumplantagen werden in Mexiko von Narcos Wälder gerodet – die Erträge der Avocado sind für die Betreiber*innen illegaler Marihuana- und Mohnfelder lukrativ genug, um auch gewaltsam in den Anbau des „grünen Goldes“ zu investieren[39]. Aus der Geschichte der Zuckerrohrproduktion lässt sich ableiten, dass die Einstufung von Nahrungsmitteln als „Gold“ langfristig mit der Ausbeutung und Zerstörung von Ökosystemen und Menschen zusammenhängt.

Zwar verweisen Aktivist*innen in Importländern auf lokale Pflanzen, die ähnliche nutritive Eigenschaften haben, doch der „Hunger aufs Andere“ kann damit nicht gestillt werden.

Globale Verantwortung

Der Einkauf im Supermarkt suggeriert „sichere“ Lebensmittel, Siegel schreiben nachhaltigen Anbau und fairen Handel in das Gewissen der Konsument*innen ein. Vom Fairtrade Kaffee lächelt ein glücklicher Mann und reicht uns eine Kaffeebohne entgegen[40].

Dieses Bild wird regelmäßig von Nachrichten über reale Produktionsbedingungen durchbrochen, beispielsweise durch Umweltskandale, Lebensmittelskandale oder Berichte über Kinder- und Sklavenarbeit[41].

In der Öffentlichkeit und der Bildsprache auf Produkten und in Kampagnen sind es weiter die weißen Helfer*innen, die gegen ungerechte Unternehmen, Agrarindustrie und „bad governance“ vor Ort kämpfen. BIPOC Forscher*innen, Agrar-Unternehmer*innen, Aktivist*innen und die Agency der  Arbeiter*innen werden ausgeblendet. Kolonial inspirierte vermeintliche weiße Überlegenheit wird so erfolgreich in der Vermittlung von Produktionsverhältnissen und beim Einkauf weiter reproduziert.[42]

Die aus ökologischen und sozialen Bewegungen heraus institutionalisierten und kommerzialisierten Siegel für Bio- und Fairtrade-Produkte verschieben die Verantwortung für nachhaltige Produktion auf die Wahl, die Konsument*innen zwischen „konventionellen“ und vermeintlich besseren Produkten treffen:

„Billige Konsumgüter sind politisch erwünscht, denn damit lassen sich gleichzeitig der Lohn niedrig und der Konsum hoch halten. Dieser Effekt ist besonders stark in Kombination mit der Externalisierung, also der Auslagerung von Ausbeutung auf die Menschen des globalen Südens. Der innergesellschaftliche Frieden bleibt hierzulande gewahrt, weil die sozialen Kosten unsichtbar sind und nicht von uns getragen werden. Zusätzlich entwickelt sich ein fatales Bewusstsein über eine scheinbare „Natürlichkeit“ und Normalität, dass die Produktions- und Konsumverhältnisse des globalen Nordens auf Kosten des globalen Südens gehen. Dieses Bewusstsein greift der ethische Konsum nicht an, sondern reproduziert es.“[43]

Da die Siegel weiterhin von Organisationen mit Sitz außerhalb der Anbauländer vergeben werden, ist intransparent, wie viel Einfluss und Kontrolle die lokalen Partner*innen auf die Bedingungen des umweltgerechten Fairtrade haben, in Entscheidungen eingebunden werden, und welche externen Vorgaben sie erfüllen müssen.

In Organisationen wie „La via campesina“ treten hingegen BIPOC für weitreichende globale Handelsreformen und lokale Selbstbestimmung ein. Die vorwiegend migrantischen Arbeiter*innen aus unterschiedlichen Ländern Afrikas, die unter extrem prekären Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen im Süden Spaniens Gemüse und Obst für den europäischen Markt produzieren, organisieren sich gewerkschaftlich, um auf „bad governance“ im EU-Land Spanien aufmerksam zu machen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu erstreiten.[44] In Deutschland ernten und schlachten vorwiegend Menschen aus Osteuropa, die teilweise nur für die Saison migrieren und mit kurzfristigen prekären Verträgen beschäftigt werden. Die schlechten Arbeitsbedingungen sind dabei im konventionellen wie auch in Bio-Betrieben meist gleich. Die Gesundheit der Konsumierenden steht weiterhin über der Menschenwürde der Landarbeiter*innen.

Der koloniale Gedanke, konstruierte „Andere“ für Arbeiten zum Wohl der „eigenen“ Gruppe auszubeuten, zieht sich heute noch durch landwirtschaftliche Systeme weltweit und nimmt je nachdem wie sich das postkoloniale ökonomische und politische Ungleichgewicht verteilt, verschiedene Manifestationen an.

Dieser Überblick soll auch nicht den Appetit verderben. Im Gegenteil: gerade wenn politische und ökonomische Kräfte die Gesellschaft spalten möchten, bietet Essen so sehr wie kaum eine andere menschliche Aktivität die Chance respektvoll miteinander zu teilen und zusammenzuwachsen, Empathie zu entwickeln und sich langfristig solidarisch miteinander zu engagieren.

Quellen

  • Authaler, Caroline. Deutsche Plantagen in Britisch-Kamerun. Internationale Normen und lokale Realitäten 1925 bis 1940. Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln, Weimar, 2018.
  • Barlösius, Eva. Soziologie des Essens: Eine Sozial- und kulturwissenschaftliche Einführung in die Ernährungsforschung. 2., völlig überarb. und erw. Aufl. Weinheim: Juventa-Verl, 2011.
  • Bourdieu, Pierre. Die feinen Unterschiede: Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. 26. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2018.
  • Europäisches Bürger*innenforum (EBF)/ Gétaz, Raymond: Was haben wir erreicht, was hat sich verändert? 20 Jahre nach den rassistischen Ausschreitungen im Plastikmeer von Almería. In: Interbrigadas e.V.: Vom Anfang und Ende der Lieferkette. Erfahrungen im Kampf gegen Agrobusiness und Supermarktmacht zwischen Almería und Berlin. Broschüre im Eigenverlag. Berlin, 2020.  S. 10-17
  • Fritsche, Michael: Imagologie und kulturelles Gedächtnis in Bildern vom Orient. In: Fritsche, Michael / Schulze, Kathrin (Hg.): Sesam öffne dich. Bilder vom Orient in der Kinder- und Jugendliteratur. Oldenburg: BIS Verlag, 2006, S. 11-26.
  • González, Tillson. Ethischer Konsum quo vadis? Warum uns Bio und Fairtrade nicht retten werden. In: Interbrigadas e.V.: Vom Anfang und Ende der Lieferkette. Erfahrungen im Kampf gegen Agrobusiness und Supermarktmacht zwischen Almería und Berlin. Broschüre im Eigenverlag. Berlin, 2020. S. 41-47
  • Grauel, Jonas. Gesundheit, Genuss und gutes Gewissen: über Lebensmittelkonsum und Alltagsmoral. Bielefeld: Transcript-Verl. 2013.
  • Interbrigadas e.V.: Vom Anfang und Ende der Lieferkette. Erfahrungen im Kampf gegen Agrobusiness und Supermarktmacht zwischen Almería und Berlin. Broschüre im Eigenverlag. Berlin, 2020.
  • Marx, Karl. Letter to P. V. Annenkov, Dec. 28, 1846. In: Karl Marx and Frederick Engels, Selected Works. New York: International Publishers. 1968.
  • Mintz, Sidney. Sweetness and Power. Penguin Books, New York. 1986.
  • Möhring, Maren. Fremdes Essen: Die Geschichte Der Ausländischen Gastronomie in Der Bundesrepublik Deutschland.München: Oldenbourg-Verl, 2012.

Online-Quellen

[alle zuletzt aufgerufen am 06.05.2020]


Endnoten

[1]Simmel, Georg. Soziologie der Mahlzeit. In: Der Zeitgeist, Beiblatt zum Berliner Tageblatt Nr. 41 vom 10 Oktober 1910 (= Festnummer zum hundertjährigen Jubiläum der Berliner Universität), S. 1-2, (Berlin). 1910.Verfügbar unter:  http://socio.ch/sim/verschiedenes/1910/mahlzeit.htm

[2]Siehe als Standardwerk: Barlösius, Eva. Soziologie des Essens: Eine Sozial- und kulturwissenschaftliche Einführung in die Ernährungsforschung.2., völlig überarb. und erw. Aufl. Weinheim: Juventa-Verl, 2011   und Bourdieu, Pierre. Die feinen Unterschiede: Kritik fer gesellschaftlichen Urteilskraft. 26. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2018.

[3]Nunn, Nathan/ Qian, Nancy. The Columbian Exchange: A History of Disease, Food, and Ideas In: The Journal of Economic Perspectives, Vol. 24, No. 2 (Spring 2010), pp. 163-188. Published by: American Economic Association. Verfügbar unter: https://www.jstor.org/stable/25703506

[4]Vgl. Mintz, Sidney. Sweetness and Power. Penguin Books, New York. 1986. S. 101f

[5]Vgl. ebd. S. 30ff

[6]Vgl. Mintz 1986, S. 42

[7]Vgl. ebd. S. 32

[8]Einen detaillierten Überblick bietet Weber, Klaus. Deutschland, der atlantische Sklavenhandel und die Plantagenwirtschaft der Neuen Welt (15. bis 19. Jahrhundert) In: Journal of Modern European History / Zeitschrift für moderne europäische Geschichte / Revue d’histoire européenne contemporaine , Vol. 7, No. 1, Europe, Slave Trade, and Colonial Forced Labour (2009), pp. 37-67. Verfügbar unter:  https://www.jstor.org/stable/10.2307/

[9]Raphael-Hernandez, Heike. Deutsche Verwicklungen in den transatlantischen Sklavenhandel. Bpb, 04.12.2015. Verfügbar unter: https://www.bpb.de/apuz/216485/deutsche-verwicklungen-in-den-transatlantischen-sklavenhandel

[10]Vgl. Mintz 1986, S. 51,55

[11] Bickham, Troy. Eating the Empire: Intersections of Food, Cookery and Imperialism in Eighteenth-Century Britain. In: Past & Present, No. 198 (Feb., 2008), pp. 71-109. Oxford University Press on behalf of The Past and Present Society. Verfügbar unter: https://www.jstor.org/stable/25096701, S. 74 – zum Vergleich: der heutige Pro-Kopf Verbrauch in Deutschland liegt bei 35 kg, siehe Henrich, Philipp. Pro-Kopf-Konsum von Zucker in Deutschland bis 2017/18 . 06.03.2020 Verfügbar unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/175483/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-zucker-in-deutschland/

[12]Vgl. ebd. 1986, S. 64, 180 ; vgl. Bickham S. 76

[13]Teuteberg, Hans Jürgen. Der Beitrag des Rübenzuckers zur „Ernährungsrevolution“ des 19. Jahrhunderts. In: Unsere tägliche Kost, Münster 1988, S. 153 – 162. Verfügbar unter: https://d-nb.info/1139263528/34 S.154 f.

[14]Vgl. Weber 2009, S. 61

[15]Weber 2009, S. 64

[16]Vgl. Brüll, Margarete.  Die deutschen Kolonien in der Südsee. Verfügbar unter: http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/Adelhauser-Bruell1.pdf S. 3-5

[17]Vgl. Antosch, Jan: Die Kolonie Deutsch-Ostafrika. Deutsches Historisches Museum Berlin.02.11.2004 Verfügbar unter: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/aussenpolitik/die-kolonie-deutsch-ostafrika.html

[18]Vgl. Brüll S.6

[19]Vgl. Intervention Zwangsarbeit. Zwangsarbeit in den deutschen Kolonien. Verfügbar unter: https://zwangsarbeitkolonial.wordpress.com/zwangsarbeit-in-den-deutschen-kolonien/

[20] Vgl. Sapper, Karl. Die Tropenländer in ihrer Bedeutung für deutschen Kolonialbesitz und Weltwirtschaft. In:  Geographische Zeitschrift, 24. Jahrg., 11./12. H. (1918), pp. 342-352. Franz Steiner Verlag. Verfügbar unter: https://www.jstor.org/stable/27810362

[21]Vgl. Authaler, Caroline. Deutsche Plantagen in Britisch-Kamerun. Internationale Normen und lokale Realitäten 1925 bis 1940. Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln, Weimar, 2018.

[22] Vgl. Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.) Konzernatlas 2017.  Verfügbar unter: https://www.boell.de/sites/default/files/konzernatlas2017_iii_web.pdf?dimension1=ds_konzernatlas, S 13

[23]Vgl. Heinrich-Böll-Stiftung 2017, S.13

[24]Vgl. Chahine, Rima. Das orientalistische Plakat Westeuropas 1880-1914. Dissertation. Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. 2012. verfügbar unter: http://oops.uni-oldenburg.de/2354/1/chaori13.pdf S. 190

[25]Vgl. Fritsche, Michael: Imagologie und kulturelles Gedächtnis in Bildern vom Orient. In: Fritsche, Michael / Schulze, Kathrin (Hg.): Sesam öffne dich. Bilder vom Orient in der Kinder- und Jugendliteratur. Oldenburg: BIS Verlag, 2006, S. 11-26. S. 11. Zitiert in Chahine 2012 S. 189

[26]Vgl. Chahine 2012, S. 159

[27] Chahine 2012, S. 160

[28]Vgl. Chahine 2012, S. 191

[29]Vgl. ebd.  S. 342

[30]Ebd. S. 334 Hervorhebungen im Original.

[31]BIPOC ist eine Eigenbezeichnung und steht für Black, Indigenous and People of Color.

[32]Siehe zum Beispiel die Bemühungen in Erfurt: Wilmot, Viviann Moana; Elomda, Mirjam; Stehrenberger, Cécile; Lindner, Urs; Gramlich, Naomie; Mangold, Jana: Erfurt dekolonisieren. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft. Heft 22: Medium | Format, Jg. 12 (2020), Nr. 1, S. 106–120.

[33]Heldke, Lisa. „Let’s Eat Chinese!“: Reflections on Cultural Food Colonialism. In:  Gastronomica , Vol. 1, No. 2 (Spring 2001), pp. 76-79. University of California Press verfügbar unter: https://www.jstor.org/stable/10.1525/gfc.2001.1.2.76 S. 78

[34]Vgl. Barlösius 2011, Bourdieu 2018, und Grauel, Jonas. Gesundheit, Genuss und gutes Gewissen: über Lebensmittelkonsum und Alltagsmoral. Bielefeld: Transcript 2013.

[35]Das ist eine sehr enge Definition, die im speziellen Fall „Essen“ von den Quellen, auf denen dieser Abschnitt aufbaut, geteilt wird: Vgl. Kuo, Rachel. The Feminist Guide to Being a Foodie Without Being Culturally Appropriative. Everydayfeminisim. 18.11.2015. Verfügbar unter: https://everydayfeminism.com/2015/11/foodie-without-appropriation/; Vgl. Cheung, Helier. Cultural appropriation: Why is food such a sensitive subject? 13.04.2019. BBC news. verfügbar unter: https://www.bbc.com/news/world-us-canada-47892747; Vgl. McCann, Shana. The cultural appropriation of food. 15.04.2019. Verfügbar unter: https://www.solid-ground.org/cultural-appropriation-of-food/; Vgl. Kim, Dakota. We’re Having the Wrong Conversation About Food and Cultural Appropriation. In: paste 06.06.2017 https://www.pastemagazine.com/food/cultural-appropriation-food-justice/

[36]Vgl. Grauel 2011

[37]Möhring, Maren. Fremdes Essen: Die Geschichte Der Ausländischen Gastronomie in Der Bundesrepublik Deutschland.München: Oldenbourg-Verl, 2012.

[38]Vgl. Ökolandbau: Bio-Quinoa aus Deutschland. 30.01.2019. Verfügbar unter: https://www.oekolandbau.de/landwirtschaft/pflanze/spezieller-pflanzenbau/getreide/pseudogetreide/bioquinoa-aus-deutschland/

[39]Vgl. Yaqui: 4 Cartels Threaten Avocado Farmers with Extortion. Borderland Beat. 05.01.2019. Verfügbar unter: http://www.borderlandbeat.com/2019/10/4-cartels-threaten-avocado-farmers-w.html

[40]Siehe die Verpackung von Café Intención von J.J. Darboven, seit 1866

[41]Vgl. International Labor Organization/Walk Free Foundation. Global estimates of modern slavery: forced labour and forced marriage. 2017. Verfügbar unter: https://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/—dgreports/—dcomm/documents/publication/wcms_575479.pdf

[42]Vgl. Kiesel, Timo/Bendix, Daniel. White Charity: Eine postkoloniale, rassismuskritische Analyse der entwicklungspolitischen Plakatwerbung in Deutschland. Diskussion. In: Peripherie. Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt. Nr. 120/2009. verfügbar unter: https://www.whitecharity.de/peripherie_plakatwerbung.pdf

[43]González, Tillson. Ethischer Konsum quo vadis? Warum uns Bio und Fairtrade nicht retten werden. In: Interbrigadas e.V.: Vom Anfang und Ende der Lieferkette. Erfahrungen im Kampf gegen Agrobusiness und Supermarktmacht zwischen Almería und Berlin. Broschüre im Eigenverlag. Berlin, 2020. S. 41-47, s. 45

[44]Interbrigadas e.V.: Vom Anfang und Ende der Lieferkette. Erfahrungen im Kampf gegen Agrobusiness und Supermarktmacht zwischen Almería und Berlin. Broschüre im Eigenverlag. Berlin, 2020.